Das Urteil der Weinführer Viel Lob für beste regionale Tropfen

Von Harald Beck 

In den vier wichtigen Weinbibeln Deutschlands wird Württemberg neuerdings als Top-Rotweingebiet gefeiert – mit deutlichem Schwerpunkt bei Spitzenbetrieben und -wengertern im Remstal.

Die Roten aus Württemberg sorgen deutschlandweit  für Aufsehen. Foto: /Gottfried Stoppel
Die Roten aus Württemberg sorgen deutschlandweit für Aufsehen. Foto: /Gottfried Stoppel

Wein - Der Weinführer Vinum hat in seiner jüngsten Ausgabe gleich zwei Remstäler zu Winzern des Jahres erklärt. Deutschlandweit tragen dieses Prädikat für das Jahr 2020 Hansjörg und Matthias Aldinger vom gleichnamigen Fellbacher Weingut. Die kurze, knackige Begründung für die Beurteilung derer, die seit kurzem im Weingut verantwortlich sind, das für Vinum mit viereinhalb Sternen ohnehin zur erweiterten Weltspitze zählt: Seitdem „geht die Post noch etwas mehr ab.“ Aber, so heißt es dann im regionalen Part des gut 1000 Seiten starken Weinführers: „Den Titel des Winzers des Jahres in Württemberg hat sich Moritz Haidle mehr als verdient.“ Im eher konservativen Dreieinhalb-Sterne-Betrieb habe der Junior für bemerkenswerten Schwung gesorgt. Ähnlich wie im benachbarten Weinstadt Sven Ellwanger im Weingut Bernhard Ellwanger, dem die Vinum-Kritiker deshalb den württembergischen Titel als „Aufsteiger des Jahres“ verliehen haben.

Beste Rotweinkollektion Deutschlands

Allerhöchste Meriten hat wiederum im Weinführer Eichelmanns Weine das Großheppacher Weingut Klopfer für die beste Rotweinkollektion Deutschlands erhalten. „Die Rotweine der Klopfers setzen weniger auf Konzentration und Kraft, mehr auf Harmonie und Eleganz“, schwärmte Gerhard Eichelmann bei der Preisverleihung in Heidelberger Schloss. „Sie stellten in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in Folge in unseren Schlussverkostungen den höchstbewerteten Lemberger“.

Auch für die Weinkritiker des Gault& Millau Weinguide Deutschland ist insgesamt Württemberg – so die Kapitelüberschrift zum Weinbaugebiet – weinbautechnisch schlicht ein „Roter Riese“. Im ziemlich heißen Jahr 2018 „hatten Württembergs Winzer den Alkoholgrad ihrer Weine erfreulich gut im Griff – das Resultat sind grandiose Rote“. Junge Winzertalente brächten „sensationelle Qualitäten“ in die Flaschen und die renommierten Spitzenbetriebe – allen voran das mit fünf Trauben als einziger Württemberger Betrieb in der Kategorie Weltklasse geführte Fellbacher Weingut Aldinger – „beweisen, dass deutsche Rotweine ganz vorne mitspielen können“.

Maximilian Kusterer bei Falstaff im „Talentschuppen“

Beim mit rund 500 Weingütern nur etwa halb so viele Betriebe wie die anderen Führer erfassenden Falstaff Weinguide wiederum, ist man bei der Suche nach dem talentiertesten Nachwuchs in der Region Stuttgart fündig geworden. Dort ist der Esslinger Maximilian Kusterer als „junger Gipfelstürmer“ in den Falstaff-Talentschuppen 2020 aufgenommen worden. Als einer von drei Nachwuchs-Weinmachern, die dort im Frühjahr um den deutschlandweiten Titel „Newcomer des Jahres“ konkurrieren.

„Talente des Jahres“ sind bei Vinum Stefanie und Fabian Lassak aus Hessigheim, bei denen den Kritikern besonders gut gefällt, dass sie trotz hauptamtlicher Tätigkeit bei Schnaitmann in Fellbach, beziehungsweise Wöhrwag in Untertürkheim, neuerdings auch vielversprechende Weine aus dem eigenen „von den Eltern übernommenen bemerkenswert alten Rebbestand in Hessigheim“ abfüllen.

Bei Falstaff ist es mit Aldinger und Schnaitmann (Fellbach), Albrecht Schwegler (Korb) und Graf Neipperg (Schwaigern) gleich ein Quartett an Weingütern aus Württemberg, das sich mit fünf Sternen und dem Prädikat Weltklasse schmücken darf. Eichelmann hat in diese Kategorie Rainer Schnaitmann mit aufgenommen, der nun mit Aldinger und Dautel (Bönnigheim) das weltklassetaugliche Württemberger Top-Trio bildet.

Fast zwei Drittel der württembergischen Topbetriebe im Remstal

Gault&Millau sieht lediglich Aldinger in der Weltliga. Und Vinum hält sich noch weiter zurück: Der „Top-Württemberger Aldinger“ bringt es hier auf viereinhalb Sterne, also „erweiterte Weltklasse“, gefolgt von den Weingütern Neipperg, Schnaitmann und Albrecht Schwegler mit je vier. Mit immerhin zwölf von 19 Betrieben im Weinbaugebiet Württemberg, denen in einem der Weinführer mit vier Trauben oder Sternen deutsches Spitzenniveau attestiert wird (siehe nebenstehende Grafik), liegen fast zwei Drittel dieser Top-Weingüter im Remstal.

Als Spitzenwein sieht Vinum beim Lemberger den mit 93 von 100 Punkten bewerteten Neipperger Schlossberg Großes Gewächs (GG). Eichelmann gibt 95 Punkte für den 2017er Lämmler Spätburgunder GG von Schnaitmann, den er auch in seine Mondo-Klassiker-Bibliothek aufgenommen hat. Gault&Millau spendiert hier gar 96 Punkte („herausragend“). Die im Rotweinbereich deutschlandweit unübertroffene Marke von 96 Punkten erreichen nur noch das Winterbacher Weingut Jürgen Ellwanger mit dem 2016er Cabernet Sauvignon Hades und in Stetten Moritz Haidle mit dem 2017er Lemberger Stettener Mönchberg Gehrnhalde GG.




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