Das Wein-Quartett aus Stuttgart Zum Abschied eines Weinguts einen feinen Lemberger

In den Steillagen von Mühlhausen wachsen die Reben, die  Heike Ruck von ihrem Großvater geerbt hat. Foto: Lichtgut//Max Kovalenko
In den Steillagen von Mühlhausen wachsen die Reben, die Heike Ruck von ihrem Großvater geerbt hat. Foto: Lichtgut//Max Kovalenko

Das Wein-Quartett stellt jede Woche einen Wein vor, heute ist die Stuttgart-Spezialistin Kathrin Haasis an der Reihe. Sie verabschiedet sich mit einem Lemberger vom Weingut Rux, das es nicht mehr gibt.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Stuttgart - Das Weingeschäft ist demokratischer geworden, aber noch immer eine Frage des Startkapitals. Ausschließlich Adelige konnten es sich ganz früher leisten, in ihrem eigenen Namen Wein herstellen zu lassen. Im Feudalismus mussten sie weder mit Land- noch Lohnkosten kalkulieren. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gingen in Württemberg die Weinberge in den Eigentum der Weingärtner über, die sich daraufhin zu Genossenschaften zusammenschlossen. Als Karl Haidle 1949 ein Weingut eröffnete, war er die absolute Ausnahme. Noch 1978 galt Ernst Dautel aus Bönnigheim als Rebell, weil er aus der Genossenschaft austrat. Was mit Winzern wie Rainer Schnaitmann in den 1990er Jahren weiterging, hat stetig an Fahrt aufgenommen: Weingut Idler, Roter Faden oder Maxwein heißen ein paar der vielen Start-ups. Leichter ist das Weingeschäft jedoch nicht geworden. In Stuttgart geht mit dem Weingut Rux sogar eine Erfolgsgeschichte zu Ende.

Der Winzersohn ging zurück nach Franken

Zehn Jahre nach der Betriebsgründung haben Heike und Christoph Ruck ihr Unternehmen jetzt aufgegeben – in erster Linie aus familiären Gründen. Der Winzersohn aus Franken hatte Heimweh und arbeitet mittlerweile als Betriebsleiter bei einem Weingut in Volkach, die 47-jährige Stuttgarterin ist für einen Landtagsabgeordneten tätig. Die vom Opa geerbten Weinberge am Cannstatter Zuckerle bewirtschaftet sie noch als Hobby, die Trauben liefert sie wieder in der Genossenschaft ab. Praktisch bei null anzufangen sei einfach unheimlich schwierig, erzählt sie: „Wir waren immer am Arbeiten, sind nie in den Urlaub und trotzdem hat es nicht gereicht.“ Was bleibt, ist die Erinnerung an hervorragende Weine und ein kleiner Restposten. Mit dem Lemberger lässt sich hervorragend auf den Abschied der Rux’ anstoßen. Er ist so wunderbar elegant und fein, dass dieser Genuss auch sehr melancholisch macht.

Das Urteil der Weinrunde

Holger Gayer: Dieser Lemberger hat zwei Geschichten: eine traurige, weil es das Weingut Rux nicht mehr gibt, und eine heitere, weil dieser 2015er zeigt, wie gut unsere Weine gelagert werden können. Dieser Lemberger ist absolut top!

Harald Beck: Schöne Frucht, dezente Kraft, ein sehr angenehmer Tropfen. Doppelt schade, dass es ihn nicht mehr geben wird. Wegen des exzellenten Lembergers zu diesem Preis, und fürs Weingut, das so nicht über Wasser bleiben konnte.

Michael Weier: Ja, mit jedem Schluck könnte man da ein bisschen trauriger werden. So viel Wein für wenig Geld. Dieser Lemberger ist eigentlich ein Manifest dafür, dass es in Württemberg auch im Einstiegssegment großartige Weine gibt.

Der Wein

Lemberger Cannstatter Zuckerle 2014,
9 Euro, Weingut Rux, zu erhalten bei Heike Ruck unter 0176/63272651 oder per Mail an heike@ruxwein.de.




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