Daten zum Coronavirus Die Zahl der Tests spielt eine Schlüsselrolle

Die Fallzahlen steigen in Deutschland und besonders in Baden-Württemberg besonders schnell. Was bedeutet das?

Eine Ärztin nimmt Abstriche in einem Testzentrum in Oberteuringen Foto: dpa/Felix Kästle
Eine Ärztin nimmt Abstriche in einem Testzentrum in Oberteuringen Foto: dpa/Felix Kästle

Stuttgart - Beängstigend ist für viele Beobachter nicht nur die absolute Zahl der Corona-Infizierten, sondern die Geschwindigkeit, mit der diese Zahl wächst. Denn je steiler diese Kurve ausfällt, desto eher wird das Gesundheitssystem an seine Grenzen kommen. Beispiel Deutschland: Nimmt man die Zahlen der Johns-Hopkins-Universität als Basis, erhöhte sich die Zahl der Infizierten vom 17. auf den 18. März von knapp 9300 auf rund 12 300 – ein Anstieg von 33 Prozent (siehe Grafik). Das entspricht einer Verdopplung in knapp zweieinhalb Tagen. Wir Menschen neigen dazu, einen derartigen exponentiellen Anstieg zu unterschätzen.

Deutlich flacher war im oben genannten Zeitfenster etwa der Anstieg der Zahl der Infizierten im besonders stark betroffenen Italien (plus 13 Prozent). Das könnte damit zusammenhängen, dass die Pandemie dort viel weiter fortgeschritten ist. Das heißt, dass eine vergleichsweise hohe Zahl von Patienten bereits wieder gesundet – oder an den Folgen der Infektion gestorben ist. Unsere Grafik zeigt zudem, dass der prozentuale Zuwachs im selben Land von Tag zu Tag stark schwanken kann. Das könnte teilweise mit einem ungleichmäßigen Eintreffen der Testergebnisse zusammenhängen, wodurch ein positives Ergebnis an einem Tag erst dem Folgetag zugerechnet würde.

Bei Datenvergleichen zwischen Länder raten Experten generell zur Vorsicht. Ein ganz entscheidender Faktor ist dabei, wie intensiv getestet wird – also ob etwa auch Patienten mit keinen oder schwachen Symptomen oder nur solche mit schweren Verläufen untersucht werden. Genaue Statistiken über die Gesamtzahl der getesteten Personen in Deutschland und die Verteilung über die Bundesländer gibt es nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bislang aber nicht.

Insgesamt seien in der vergangenen Woche rund 100 000 Tests im ambulanten Bereich durchgeführt worden, in der Woche davor rund 35 000, so eine KBV-Sprecherin. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Tests in Krankenhäusern. Auch mit Blick auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit hinkten Ländervergleiche oft, „weil unterschiedliche Interventionen die Kurven dramatisch verändern können“, sagt Bernd Salzberger, Bereichsleiter Infektiologie an der Regensburger Uniklinik. Deshalb hält er wenig davon, sich den Verlauf in anderen Ländern wie China oder Italien anzusehen – und diese Entwicklung auf Deutschland zu übertragen.

Wie sich die Zahl der Fälle tatsächlich weiterentwickele, hänge stark von den ergriffenen gesundheitspolitischen Maßnahmen ab. Bei geringer Testintensität könne eine Schätzung der Zahl der Infizierten anhand der Zahl der mit Corona verbundenen Todesfälle aussagekräftigere Ergebnisse liefern, meint Salzberger. Diese würden in den meisten Ländern recht genau erfasst. Der Mediziner nimmt dabei aufgrund der bisherigen Beobachtungen in Ländern wie China oder Südkorea an, dass sich die Sterblichkeitsrate zwischen einzelnen Ländern gar nicht so stark unterscheidet. Er geht von einem Wert von 0,8 Prozent aller Infizierten aus. Laut der offiziellen italienischen Statistik sind bislang jedoch rund acht Prozent der Infizierten gestorben. Demzufolge könnte die wahre Zahl der Infizierten dort bis zu zehnmal so hoch sein wie die offizielle. In Deutschland liegt die Sterberate bislang unter 0,3 Prozent, sie dürfte aber mit Fortschreiten der Pandemie ansteigen.

Beim Anteil der Infizierten an der Gesamtbevölkerung gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Recht ungünstig schneidet hier BadenWürttemberg ab, wo der Anteil der Infizierten mit aktuell 20 Fällen je 100 000 Einwohner etwa anderthalb mal so hoch wie in Gesamtdeutschland (13 Fälle je 100 000 Einwohner). Unklar ist allerdings, ob in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich intensiv getestet wird, denn dazu liegen noch keine Zahlen vor. Es sei aber auch „nicht ungewöhnlich, dass bei solchen Geschehen nicht jede Region zur gleichen Zeit gleich stark betroffen ist“, erklärte dazu eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts auf Anfrage.

Trotz der genannten Einschränkungen deuten die Zahlen auf die Notwendigkeit hin, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus besonders ernst zu nehmen. Vergleicht man die Zahlen aus den Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg, gilt das nicht zuletzt für Stuttgart. Die Landeshauptstadt weist bei den amtlich gemeldeten Zahlen eine der höchsten Corona-Infektionsraten im Land auf.