InterviewDating-Apps Tinder und Co. „Durch Online-Dating spart man viel Zeit“

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Der Partnerschafts-Psychologie Manfred Hassebrauck sieht in den Dating-Apps nicht das Ende der Romantik. Die immens große Auswahl möglicher Partner aber könne die Nutzer überfordern.

Manfred Hassebrauck: „Digitales Dating ist nicht das Ende der Romantik.“ Foto: StZ
Manfred Hassebrauck: „Digitales Dating ist nicht das Ende der Romantik.“ Foto: StZ
Stuttgart - Herr Hassebrauck, trauen sich Menschen nicht mehr einander im echten Leben anzusprechen oder warum erfahren Dating-Apps einen solchen Zulauf?
Nein, Menschen sprechen sich noch immer an. Dating-Apps erhöhen lediglich die Menge der verfügbaren Singles. Und dadurch erhöht sich eben auch die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden.
Sind Dating-Apps nicht nur eine bequeme Möglichkeit, einen potenziellen Sexpartner zu finden?
Das kann man so nicht pauschalisieren, da muss man klar differenzieren. Wer auf Tinder nach einem Partner sucht, hat häufiger rein sexuelle Absichten, als beispielsweise auf friendscout-24.
Worin bestehen die Vorteile, wenn man über eine Dating-App auf Partnersuche geht?
Es ist bequemer über Apps oder Online-Portale zu suchen. Man spart unheimlich viel Zeit, wenn man nicht jeden Abend in Bars oder Clubs herumhängen und darauf hoffen muss, dass einem das passende Gegenstück über den Weg läuft, das ebenfalls nicht vergeben ist. Online-Dating nimmt uns diese zeitaufwändige Suche ab und vermittelt uns direkt an potenzielle Kandidaten.
Gibt es auch Nachteile?
Ja. Der größte Nachteil besteht in der riesigen Masse an Informationen, die einem geliefert werden, dem sogenannten „information overload“-Effekt. Menschen sind in der Regel weniger zufrieden, wenn sie sich einen Partner aus sehr vielen möglichen Alternativen heraussuchen müssen. Außerdem birgt diese Masse eine weitere Gefahr: Wenn man sich auf jemanden eingelassen hat, bleibt häufig das Wissen im Hinterkopf bestehen, dass es online vielleicht jemanden gibt, der noch viel besser zu einem passt.
Erwarten die Menschen heutzutage mehr von Ihrem Partner als früher, sodass sie eine größere Auswahl benötigen?
Prinzipiell ja. Diese Entwicklung ist aber bereits seit den 70er Jahren zu beobachten, das hat nicht nur mit dem Online-Dating zu tun. Früher waren Beziehungen zweckmäßiger als heute, es ging vorrangig um die Rollenverteilung. Der Mann brachte das Geld nach Hause und die Frau kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Heutzutage soll der Partner nicht nur eine Rolle erfüllen, sondern auch ein toller Liebhaber sein, Trost spenden und ein angenehmer Freizeitpartner sein. Die Menschen werden weniger kompromissbereit bei der Partnersuche.
Kann denn jeder auf Dating-Apps fündig werden?
Es ist wichtig, dass man sich die passende App oder das Online-Portal auswählt. Ich empfehle Singles, nur auf solchen Portalen zu suchen, bei denen sie aufgrund von wissenschaftlichen Analysen Vorschläge erhalten. Apps, die ungefiltert Nutzer vorschlagen, bringen häufig Enttäuschungen mit sich.
Geht durch Online-Dating unsere Idee von romantischer Liebe verloren?
Nein, denn Online-Dating erleichtert uns nur den ersten Schritt. Erst beim persönlichen Kennenlernen entscheiden wir, ob wir uns verlieben und da ist es unbedeutend, wie es zu dem Kennenlernen kam.