Dating-Apps Tinder und Co. Auch Schwaben kommen auf ihre Kosten

Stuttgart und Region: Julia Bosch (jub)

Die Nase vorn aber hat in Deutschland eine andere Anwendung. „Lovoo ist weltweit überall dort Marktführer, wo Tinder nicht Marktführer ist“, sagt Pleines. Die App, die in Deutschland rund acht Millionen Menschen nutzen, wurde vor fünf Jahren in Dresden gegründet. Per GPS ortet der Flirt-Radar Handys, auf denen die Lovoo-App installiert ist, und zeigt nicht nur die Entfernung, wie bei Tinder, sondern zusätzlich die Richtung zueinander an. „Diese App eignet sich besonders, wenn man in einer Bar oder einem Club ist und wissen will, auf wen man zugehen kann“, sagt Pleines.

Den Anfang aller Dating-Apps machte übrigens eine Anwendung für Schwule: Seit 2009 können sich homosexuelle Männer über Grindr kennenlernen und miteinander verabreden. „Die App ist nicht nur zum Dating sondern auch für die Suche nach Freunden geeignet“, sagt Pleines.

Dating auf Schwäbisch

Speziell an Schwaben richtet sich die App Spätzlesuche. Mit einem „schwäbisch-pragmatischen Vermittlungsalgorithmus“, dem sogenannten Spätzlesieb, würden die Singles miteinander bekannt gemacht, erläutert Pleines. Auf dem „Spätzlebrett“ werden Veranstaltungstipps für Singles angeboten und die „Spätzlepresse“ liefert Ratschläge für die Suche. Ansonsten ist aber alles wie bei einer normalen Partnerbörse.

Pleines kennt selbst persönlich viele Paare, die sich online kennengelernt haben. „Man darf das nicht verurteilen“, sagt er. Dadurch verliere die Partnerschaft nicht unbedingt an Romantik. „Apps und Online-Portale stellen nur ganz banal den Kontakt her. Und ob dieser in einer Bar, beim Sport oder online entsteht, hat nichts mit fehlender Romantik oder einer weniger tiefen Liebe zu tun.“ Zusätzlich hätten Dating-Apps einen entscheidenden Vorteil: „Sie bieten mehr Auswahl. Man sieht also nicht nur die Menschen, die gerade in derselben Bar sitzen, wie man selbst, sondern beispielsweise alle Singles aus Stuttgart, die bei der App angemeldet sind.“ Trotzdem: „Längerfristige Partnerschaften entstehen unserer Erfahrung nach selten über Dating-Apps“, sagt Pleines. „Meistens sind diese nur der Einsteiger. Wer etwas Langfristiges sucht, steigt meist auf eine Partnervermittlung um.“

So bleibt die Erkenntnis, dass es sich bei den Dating-Apps doch eher um eine spielerische Variante handelt, Menschen kennenzulernen. Für ein Gespräch oder für eine Nacht.




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