Datingcoach aus Böblingen Der Mann, der angeblich weiß, was Frauen wollen

Erfolg in der Liebe: Marc Weber mit seiner Freundin Foto: privat

Der Böblinger Marc Weber will Männern helfen, eine Frau zu finden. Die Kurse des Männlichkeitstrainers sind gefragt. Allerdings gibt es bei ihm nicht nur Tipps für mehr Selbstbewusstsein, sondern auch äußerst fragwürdige Ansichten.

Digital Desk: Chiara Sterk (chi)

„Die Mehrheit der Männer hat nie gelernt, erfolgreich bei Frauen zu sein“, sagt Marc Weber. Er selbst sei das beste Beispiel: „Ich war selbst zu Teenie-Zeiten immer wieder hoffnungslos verliebt.“ Daraufhin habe er an Beratungen und Workshops teilgenommen und Bücher zu dem Thema gelesen – heute berät er andere Männer, wie sie vermeintlich besser bei Frauen ankommen. Dabei geht es viel um Männlichkeit, Hierarchien und klassische Rollenbilder.

 

Mentor Marc ist gefragt

Das ist nicht ungefährlich. Denn in seinen Videos fallen auch Sätze wie „In einer Beziehung führt der Mann und die Frau folgt“ – Einstellungen, die in der Geschlechterforschung als problematisch gewertet werden.

Marc Weber ist 31 Jahre alt, lebt in Böblingen und nennt sich selbst Datingcoach und Männlichkeitstrainer. Als Mentor Marc hilft er laut eigenen Aussagen Männern dabei, selbstbewusster zu werden und eine Frau zu finden. Und er weiß angeblich, wie sich Männer und Frauen beim Kennenlernen verhalten sollten. Auf Youtube hat er mittlerweile etwa 400 Abonnenten, auf Instagram folgen ihm rund 1400 Menschen.

Fragt man Weber, was ihn antreibt, berichtet er, dass Männer in den letzten Jahren immer frustrierter geworden seien: „Der Fokus in öffentlichen Diskussionen liegt auf den Bedürfnissen der Frauen, Bedürfnisse von Männern sind weniger relevant.“ So hat er 2018 angefangen, Seminare und Workshops zu geben, damals noch kostenlos. Seit 2019 bietet er auch persönliche Beratungen an. Anfangs hatte er nur wenige Kunden, heute sind es mehr. „Zwischen vier und acht Kunden betreue ich meist gleichzeitig“, erzählt er. Was seine Beratung kostet, will er nicht verraten, nur so viel: das Honorar bewege sich im „drei- bis vierstelligen Bereich.“ Für seine Betreuung muss man sich bewerben. Wer überzeugt, wird zu einem Gespräch eingeladen. Etwa drei bis neun Monate dauert sein Coaching, je nach Kunde.

Umstrittene Unterstützung

Neben Tipps zum Selbstbewusstsein und Aussehen gibt es in seinen Videos auch Sätze wie: „Männer sind heute einfach richtige Pussies. Eine Frau möchte einen starken, maskulinen Mann. Das Gegenteil davon ist ein sojatrinkender Vegetarier, der für 1000 verschiedene Geschlechter demonstriert.“ In seinen Beiträgen schreckt er auch nicht davor zurück, einem umstritten amerikanischen Influencer seine Unterstützung auszusprechen: „Und mit Andrew Tate hat es endlich auch das ganze Internet verstanden, dass Männlichkeit das ist, was Frauen anzieht. Vegetarier, woke Grünen-Wähler und politisch korrekte Soyboys sind einfach nur abstoßend für Frauen.“ Andrew Tate ist ein Unternehmer und Kickboxer, der durch frauenfeindliche Äußerungen aufgefallen ist. Derzeit wird er wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Vergewaltigung im Hausarrest festgehalten. Weber wollte zu den Äußerungen keine Stellung beziehen.

Polarisierung als Strategie

Weber scheint sich mit seinen Einstellungen in einer größeren Bewegung aus Influencern und Coaches etablieren zu wollen, die sich aus frauenfeindlichen Ideologien und dem Idealbild eines hypermaskulinen Mannes speist. „Mentor Marc reproduziert in der Rhetorik seiner Angebote Geschlechterstereotype, die Anklang finden, weil sie immer noch stark in der Gesellschaft verbreitet sind“, sagt Gero Bauer.

Der Geschlechter-Forscher und wissenschaftliche Geschäftsführer des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung der Uni Tübingen meint „unter anderem die Vorstellung vom ,starken, maskulinen Mann’, der in einer Beziehung ‚den Ton angibt’.“ An einigen Stellen werte Weber explizit ‚den Feminismus’ und scheinbar ‚verweichlichte’ Männlichkeiten als schädlich und auch unnatürlich ab. „Damit stützt er das biologistische Bild einer angeblich ‚natürlichen’ Hierarchie zwischen Männern und Frauen und einer ‚echten’, dominanten Männlichkeit, das wissenschaftlich nicht haltbar ist“, so Bauer. Das sei auch deshalb problematisch, weil damit ein entsprechender Anspruch Frauen gegenüber einhergehe und auch der, überhaupt eine Partnerin zu finden.

Webers Kunden sind in der Regel zwischen 25 und 45 Jahren alt. Er beschreibt sie als hauptsächlich analytische, technisch-orientierte Personen, die meisten seien Akademiker aus der IT- und der Ingenieurbranche. Wieso sie Mentor Marcs Hilfe suchen, hat meist mehrere Gründe: „Die meisten nehmen sich als schüchtern oder zurückhaltend wahr und wissen nicht, wie sie das Thema Frauen angehen sollen“, berichtet er. „Oft haben sie keinen Erfolg, sind frustriert, haben aber den großen Wunsch, eine Familie zu gründen.“ Liest man sich die Bewertungen seiner Kunden durch, schätzen sie seine direkte Art, sein Wissen, seine Erfahrung. Doch nicht alle sind von ihm begeistert. Gerade in feministischen Kreisen muss er dafür immer wieder einstecken. Dass er polarisiert, weiß Weber, aber das sei seine Strategie.

Extreme Folgen nicht ausgeschlossen

Der Geschlechterforscher Gero Bauer bewertet einige von Webers Aussagen als klar antifeministisch und maskulinistisch. „Was ich außerdem kritisch sehe, ist das vermeintliche ‚Spiel‘ mit der Provokation“, sagt Bauer. Das Anknüpfen an Subkulturen und dass er sich davon nicht explizit abgrenze, sei problematisch. Bauer spielt auf die frauenfeindliche Bewegung „Incel“ an, die die Schuld für ihr unfreiwilliges Zölibat, bei den Frauen sucht. „Antifeministische Rhetorik“, resümiert Bauer, „ kann im Extremfall den Weg für handfeste Gewalt ebnen.“

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