Viele Leonbergerinnen und Leonberger sind nach wie vor von dem üblen Gestank betroffen, der häufig durch das südwestliche Stadtgebiet wabert. Sind es heiße Kunststoffbeschichtungen? Bitumen? Die Theorien sind vielfältig. Nun gibt die Stadt bekannt, dass sie trotz intensiver Nachforschungen die Geruchsquelle zwar lokalisiert habe, jedoch „einen Verursacher nicht belastbar nachweisen könne“.
Für die zahlreichen Menschen, die mit dem Gemüffel je nach Windrichtung in steter Unregelmäßigkeit konfrontiert sind, muss sich das anhören wie ein schlechter Witz. Zumal der scheidende Oberbürgermeister Martin Georg Cohn bereits im Sommerinterview mit unserer Zeitung bekannt gegeben hatte: „Besonders wegen des Engagements unseres Katastrophenschutzes konnten wir die Quelle lokalisieren.“ Die Betroffenen dürfen sich nun zurecht fragen, was denn nun der Unterschied zwischen der Geruchsquelle und dem Verursacher sein soll.
Gestank in Leonberg: „Beweisführung ist derzeit nicht möglich“
„Trotz größter Bemühungen durch die Stadtverwaltung Leonberg in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Böblingen ist eine Beweisführung bezüglich der Geruchsbelästigung derzeit nicht möglich“, lautet die Einleitung der Pressemitteilung, die die Stadt auf mehrfache Nachfrage unserer Zeitung nun versandt hat. „Intensive Prüfungen, wiederholte Kontrollen und gemeinsame Ortsbegehungen durch die zuständigen Fachstellen“ führten offenbar zu keinem endgültig belastbaren Ergebnis.
Dass der Gestank aus dem Gewerbegebiet Brennerstraße kommen muss, ist schon seit längerer Zeit klar. Fakt ist auch, dass in der Stadt bereits seit Längerem Firmennamen genannt werden und Gerüchte die Runde machen. Manch Betroffener spricht von einem „offenen Geheimnis“. Die Stadt schreibt jedoch weiter: „Auch wenn der Geruch für viele Menschen deutlich wahrnehmbar ist, können derzeit keine behördlichen Maßnahmen – etwa Anordnungen oder Auflagen – getroffen werden.“
Die Gewerbeaufsicht des Landratsamts Böblingen habe „in Anbetracht der Geruchsbeschreibungen und eingegangenen Beschwerden“ zahlreiche Dokumente zu betriebsbezogenen, technischen Anlagen im Gewerbegebiet ausgewertet. Darüber hinaus habe es zu unterschiedlichen Zeitpunkten weitere Betriebskontrollen vor Ort gegeben, um den Verursacher ausfindig zu machen. Mit einbezogen war auch die Landesanstalt für Umwelt.
Gestank-Suche: Zwischenzeitlich herrschte zwischen den Behörden Uneinigkeit
Traute Einigkeit demonstriert man also mittlerweile bei der Fahndung nach dem Verursacher. Das war nicht immer so: Im Sommer hatte OB Cohn das Thema noch zur Chefsache erklärt. Bei der Formulierung, das Landratsamt habe die Zuständigkeit auf die Stadt Leonberg als Ortspolizeibehörde übertragen, reagierte man bei der Kreisbehörde jedoch stark irritiert. Inzwischen zieht man jedoch offenbar wieder an einem Strang, offiziell allerdings nach wie vor ohne konkretes Ergebnis.
Der Bevölkerungsschutz der Stadt Leonberg hat die Situation ebenfalls bewertet. „Nach den bisherigen Erkenntnissen und vorliegenden Messdaten kann eine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung derzeit ausgeschlossen werden“, lautet das Resultat. Gleichwohl werde die Lage weiterhin sorgfältig beobachtet, „um bei etwaigen Veränderungen schnell reagieren zu können“.
Lage ist vor allem für die vom Gestank Betroffenen unbefriedigend
Wie geht es jetzt weiter? Dass die Lage für alle Beteiligten – vor allem aber die betroffenen Leonbergerinnen und Leonberger – unbefriedigend ist, liegt auf der Hand. „Stadtverwaltung und Landratsamt stehen weiterhin in engem Austausch miteinander sowie mit den zuständigen Fachbehörden“, schreibt die Stadt. Eingehende Hinweise würden fortlaufend geprüft und dokumentiert. „Sollten neue Erkenntnisse gewonnen werden, werden umgehend die erforderlichen Schritte eingeleitet.“
Welche neuen Erkenntnisse hierfür nötig wären, bleibt offen. Entsprechend ratlos lässt einen der Schluss der Pressemitteilung zurück: „Die Stadtverwaltung bittet die Bevölkerung um Verständnis dafür, dass die Handlungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund derzeitiger Erkenntnislage ausgeschöpft sind.“ Zugleich versichert die Stadt, dass das Thema mit Nachdruck weiter verfolgt und regelmäßig bewertet werde.