Dauerstau im Synergiepark Stuttgart Wirtschaft fordert Entlastung beim Thema Verkehr

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In den Stau im Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen könnte im Zuge der geplanten Allianz-Ansiedlung Bewegung kommen. Ein Gutachten zeigt Lösungen auf.

Die Experten von SSP Consult zeigen Wege aus der Verkehrsfalle auf.  Die Vorschläge umzusetzen, würde zwischen drei und  zehn Millionen Euro kosten. Foto: Rüdiger Ott
Die Experten von SSP Consult zeigen Wege aus der Verkehrsfalle auf. Die Vorschläge umzusetzen, würde zwischen drei und zehn Millionen Euro kosten. Foto: Rüdiger Ott

Vaihingen - Warum nicht ein Parkhaus an der Autobahn-Abfahrt zur Nord-Süd-Straße bauen und von dort einen Shuttle-Bus-Service ins Gewerbegebiet einrichten? Das würde den Verkehr aus dem Synergiepark genannten Gebiet heraushalten, und die nötige Fläche ist ohnehin schon in städtischer Hand. In so ein Parkhaus würden Tausende Autos passen. Die Entlastung jedenfalls wäre dringend nötig, denn Stuttgarts größtes Gewerbegebiet versinkt im Dauerstau. Die Parkhaus-Idee ist nur eine von vielen, die Experten von SSP Consult im Auftrag der in Vaihingen ansässigen Wirtschafts- und Industrievereinigung (WIV) gesammelt haben.

„Der Synergiepark ist ein gigantischer Magnet“, sagt Günter Sabow, der Vorsitzende der WIV. Er geht davon aus, dass dort 22 000 Menschen arbeiten. Dabei stehen die Zeichen auf Wachstum, ganz aktuell durch den geplanten Allianz-Neubau an der Heßbrühlstraße. Der Versicherungskonzern will bis zu 4000 Arbeitsplätze in Vaihingen ansiedeln und hat sich dafür die Fläche des TSV Georgii Allianz ausgesucht. Das Areal gehört dem Unternehmen bereits. In vier Jahren könnte der Bau fertig sein.

Das Gutachten soll Objektivität in die Diskussion bringen

„Bald werden wir hier 30 000 Beschäftigte haben“, sagt Sabow. „Und dafür reicht die verkehrliche Erschließung nicht aus, nicht einmal nach dem Ausbau der U 12.“ Im Mai soll der Straßenbahn-Ast nach Dürrlewang offiziell eröffnet werden.

Der WIV hat deshalb in Kooperation mit dem Regierungspräsidium Stuttgart ein Gutachten erstellen lassen – und zwar auch, um ein wenig Objektivität in die Diskussion zu bringen. „Uns wurde immer vorgeworfen, dass wir die Lage dramatisieren. Und der Stadt wurde immer vorgeworfen, dass sie die Probleme kleinredet“, sagt Sabow. Die von den Gutachtern zusammengetragenen Argumente wurden der Rathausspitze um OB Fritz Kuhn kürzlich präsentiert. „Vor der Ankündigung der Allianz war ich mir nicht sicher, ob wir damit durchdringen. Aber jetzt ist der Druck im Rathaus da.“

Der seit vielen Jahren von der Wirtschaft geforderte und dann stets von der Politik abgelehnte Ausbau der Nord-Süd-Straße findet sich in dem Papier nicht. Dafür aber eine detaillierte Bestandsaufnahme und ein ganzes Maßnahmenbündel mit teils recht simplen, teils auch recht kreativen Ansätzen.

Die Umsetzung kostet drei bis zehn Millionen Euro

Vor allem geht es, natürlich, um die Nord-Süd-Straße. An den insgesamt fünf Kreuzungen zwischen der Anschlussstelle zur A 8 und der Vaihinger Straße kurz vor dem Hengstäckertunnel sollen wahlweise zusätzliche Fahrstreifen asphaltiert, wahlweise auch lediglich die Fahrbahnmarkierungen neu aufgebracht werden, um für Geradeausfahrer wenn möglich Dauergrün einzurichten. Am vom Gemeinderat jüngst beschlossenen Vollanschluss zur Breitwiesenstraße, also einer dieser Kreuzungen, sollen Rechtsabbieger ebenfalls nicht auf Grün warten müssen.

Zudem soll zwischen der Breitwiesenstraße und der Vaihinger Straße die Nord-Süd-Straße auf einer Länge von etwas mehr als einem Kilometer dreispurig ausgebaut werden. In den drei Unterführungen wäre dafür laut Gutachten genug Platz, und es würde das Zusammenspiel der drei Kreuzungen in diesem Bereich vereinfachen.

Auf die Wunschliste haben die Experten auch eine neue Rampe zur A 8 gesetzt, um den Rückstau sozusagen am Ausgangspunkt in den Griff zu bekommen. Allein für diese Maximalforderung, die in etwa so ambitioniert ist wie ein Vollausbau der kompletten Nord-Süd-Straße, wären wohl fünf Millionen Euro fällig. Ohnehin geht die WIV davon aus, dass man einiges an Geld in die Hand nehmen müsste – mindestens drei Millionen Euro, bei Umsetzung aller Maßnahmen zehn Millionen Euro.

Den Experten schwebt eine Parkplatz-App vor

Zumindest ein Teil des Staus geht auf Autofahrer zurück, die im Synergiepark auf der Suche nach einem Abstellplatz hin und her fahren. „Uns fehlen 5000 bis 6000 Parkplätze“, sagt Sabow. Dem soll mit einem intelligenten Parkleitsystem entgegengewirkt werden, etwa in Form einer App auf dem Handy. Die neuen Expressbusse, die aus Reutlingen und Tübingen kommend den Flughafen ansteuern sollen, könnten bis in das Gewerbegebiet weiterrollen.

Und dann gäbe es noch das Parkhaus an der A 8, um zu verhindern, dass die Autofahrer überhaupt erst in den Synergiepark einbiegen. Das Gelände gehöre bereits der SSB. Mit einer zusätzlichen Haltestelle oder unter Umständen auch mit einem pendelnden Shuttle-Bus versehen, könnten Tausende Beschäftigte zur Arbeit gebracht werden.

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