David Garrett in Stuttgart Geiger mit Groove
Da hat einer richtig Spaß: David Garrett hat in der Stuttgarter Schleyerhalle bewiesen, dass Beethoven, Bee Gees und Beatles gut zusammenpassen. Das Publikum und er selbst sind happy.
Da hat einer richtig Spaß: David Garrett hat in der Stuttgarter Schleyerhalle bewiesen, dass Beethoven, Bee Gees und Beatles gut zusammenpassen. Das Publikum und er selbst sind happy.
Rockmusik mit der Geige, geht das? Wenn der Geiger David Garrett heißt, auf jeden Fall! Auch wenn der blonde Beau zur Unterstützung gleich zwei Gitarristen und einen Bassisten mitgebracht hat, so sorgt Garrett bei seinem bejubelten Auftritt in der gut besuchten Schleyerhalle doch höchstselbst für den rockigen Groove. Mal auf der akustischen Violine, mal auf der verzerrten E-Geige wirft er sich dann in Posen, wie man sie von den Rocklegenden kennt, stets im Fokus der Bühnenkamera, die seine Finger auf zwei Monitore rechts und links der Bühne überträgt.
Klassiker aus Rock und Pop bilden den Schwerpunkt des knapp zweieinhalbstündigen Konzerts, von Princes „Purple Rain“ über „Come together“ von den Beatles bis zu Michael Jacksons „Smooth Criminal“, allesamt perfekt arrangiert und von der fünfköpfigen Begleitband ebenso gespielt. Doch Garrett kann auch anders. Getreu seinem von Leonard Bernstein entlehnten Motto, dass es kein „U“ und „E“, sondern nur gute und schlechte Musik gibt, hat er bei seiner Tour „Alive“ auch Hits aus Klassik, Folklore und Filmmusik im Programm. So kommt man in den Genuss von gleich zwei Kurzfassungen Beethoven’scher Sinfonien, dem berühmten „Tanz der Ritter“ aus Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“ und einer toll hingelegten Violinversion aus der Filmmusik zu „Fluch der Karibik“.
Technisch gelingt dem einstigen Violinwunderkind das alles mit traumwandlerischer Sicherheit – hier agiert, keine Selbstverständlichkeit in dieser Szene, kein Bluffer, sondern ein Meister auf seinem Instrument.
Vielleicht mag man bei dem stilistischen Sammelsurium einwenden, dass auf Dauer alles etwas ähnlich klingt, also wenig Unterschiede bleiben zwischen den Bee Gees und Ludwig van Beethoven – aber darin besteht wohl auf der anderen Seite gerade Garretts Erfolgsrezept. Und schließlich hat er auch noch einige Schmankerl in petto: Bei seiner Soloversion von Pharrell Williams’ Hit „Happy“ begleitet er sich mittels zweier Loopingboards quasi selbst. Zum Entzücken des Publikums – und auch (das spürt man!) zu seinem eigenen.