Das Tennis-Doppel Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber haben die nächste Runde des Daviscups erreicht. Aus gesundheitlichen Gründen sind die beiden am Sonntag nicht noch einmal im Einzel angetreten – sehr zum Missfallen der Zuschauer.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Frankfurt/Main - Als der Tiebreak-Krimi gegen die spanischen Doppelweltmeister sein Happy End gefunden hatte, da kam auch der gerne so reservierte Tommy Haas endlich mal ein bisschen aus sich heraus. „Wir sind alle froh und happy – und ich bin schon ein bisschen angetrunken“, jubilierte der 35-Jährige im Bauch der Frankfurter Ballsporthalle – und sein breites Grinsen verriet, dass er sich an diesem 7:6-(7:5-)6:7- (9:11-)7:6-(9:7-)6:3-Erfolg über die Nummer eins der Doppelszene, die Spanier David Marrero und Fernando Verdasco, wahrhaftig berauscht hatte. „Heute waren so viele Emotionen drin“, sagte Haas – und sein Partner Philipp Kohlschreiber ergänzte: „Jetzt wird gefeiert.“

Anzustoßen galt es zwar nicht etwa auf einen erneuten Daviscup-Sieg wie zuletzt 1993, sondern nur auf einen Erfolg in der ersten Runde. Ausgeschaltet hat die vom Kapitän Carsten Arriens angeführte deutsche Equipe aber mit Spanien, dem fünfmaligen Gewinner der wertvollsten Teamtrophäe im Tennis, ein echtes Schwergewicht – auch wenn die Iberer in Frankfurt ohne ihre großen zwei, den Mallorquiner Rafael Nadal und David Ferrer von der Costa Blanca, angetreten sind.

Haas und Kohlschreiber spielten am Sonntag nicht

Mit ihrem Sieg hatten Haas und Kohlschreiber bereits am Samstag den Sack zum 3:0 zugemacht – am Sonntag gab es dann nur ein Einzel zu sehen, das der Deggendorfer Ersatzmann Daniel Brands gegen Robert Bautista Agut mit 7:6 (7:5), 6:4 gewann. Dass weder Haas noch Kohlschreiber noch mal ranwollten („Beide sind von einem unabhängigen Arzt untersucht worden, der vom Spielen abgeraten hat“, so der DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg), löste bei den Zuschauern in der Halle großen Frust aus. Es gab ein gellendes Pfeifkonzert. Nur ein Spiel anstatt zwei zum vollen Preis – so kann man schnell frisch gewonnene Sympathien wieder verlieren. „Ich kann die Verärgerung verstehen“, versuchte Carsten Arriens zu beschwichtigen.

Zuvor hatte der Kapitän noch in den Katakomben vergeblich versucht, einen der drei Hauptakteure zum Spielen zu überreden. Florian Mayer, der sich am Freitag an der Schulter verletzte, winkte zuerst ab. „Wir müssen auch an unsere Gesundheit denken“, sagte Philipp Kohlschreiber, der bei den Australian Open wegen einer Oberschenkelverletzung nicht angetreten war.

Die beiden sind ein gutes Team

Haas und Kohlschreiber, diese beiden so unterschiedlichen Charaktere, die zwar nicht zu Blutsbrüdern, wohl aber einem bemerkenswert starken Tennisgespann taugen, hatten ihre Schuldigkeit also mit dem Einsatz im Doppel bereits getan. „Die Aufstellung stand für mich bereits seit November fest. Ich wollte damit ein Zeichen setzen“, sagte der Kapitän Carsten Arriens nach seinem geglückten Schachzug, die beiden aktuell besten deutschen Tennismatadore erstmals überhaupt zusammen im Doppel antreten zu lassen.

„Man hat gesehen, was wir erreichen können, wenn wir beide unsere beste Leistung abrufen“, sagte Haas, der nach einer Schulterverletzung zunächst einige Unsicherheiten zeigte, sich aber am bärenstarken Kohlschreiber aufrichten konnte. „Es hat richtig Spaß“, meinte Kohlschreiber, der unter den Augen des Ehrengastes Boris Becker zu Hochform auflief. Also gab das neue deutsche Vorzeigedoppel im gesamten Match nicht ein Aufschlagsspiel ab.

Großes Lob von Boris Becker

„Von mir gibt es ein großes Kompliment, denn Spanien ist auch ohne Ferrer und Nadal noch eine Toptennisnation“, sagte Boris Becker, der auch Carsten Arriens für seine Aufstellung lobte: „Er hat das richtige Fingerspitzengefühl gezeigt.“ Im Viertelfinale treten der Kapitän und sein Team nun vom 4. bis 6. April in Frankreich an, das Australien bezwang.

„Es ist schön, wieder in der Runde der letzten acht Teams zu stehen – und nicht den Druck der Relegation zu haben“, sagte Arriens, der weiß, dass er Alternativen zum Trio Mayer, Haas und Kohlschreiber benötigen würde, um höhere Ziele anzustreben. Doch in der Altersklasse der 20- bis 30-Jährigen sieht es mager aus. „Die Möglichkeiten waren in den Neunzigern da, aber sie sind verschlafen worden“, sagte Boris Becker, der aber nicht schwarzsehen will: „Ich bin froh, dass wir ein gutes Umfeld im Verband haben. Der Tennisfan lebt, man muss ihn nur aufwecken.“