Day of Caring in Stuttgart Zeichen setzen für Flüchtlinge

Von Petra Mostbacher-Dix 

Der Name sagt schon alles: Day of Caring, der Tag des Sich-Kümmerns brachte jetzt Mitarbeiter der Mercedes-Benz Bank, vom Theaterhaus und aus dem Schickhardt-Gymnasium zusammen. Gemeinsam renovierten sie eine Flüchtlingsunterkunft.

Anpacken, lautet die Devise Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Anpacken, lautet die Devise Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - „Weil’s Spaß macht!“ Schwungvoll zieht Sabine ihren Pinsel auf und ab. Kaarina, die nebenan die Wand mit eierschalen übermalt, nickt. „Es ist wunderbar, wenn man sieht, wie sich die Bewohner darüber freuen.“ Die Frauen in den weißen Overalls sind Mitarbeiterinnen der Daimler Financial Services. Es ist der „Day of Caring“, der Tag des Sich-Kümmerns. An diesem stellen Firmen Mitarbeiter für einen Tag frei, damit sie in gemeinnützigen Einrichtungen Gutes tun. Kaarina und Sabine waren schon oft dabei. Nun packen sie mit 100 Kolleginnen und Kollegen, auch von der Mercedes-Benz Bank, in einem betagten Haus in der Schickhardtstraße mit an. Es handelt es sich um eine so genannte Anschlussunterbringung, dorthin kommen Geflüchtete nach der Erstaufnahme. Mit von der Partie sind zudem 20 Mitarbeiter und Künstler des Theaterhauses, das von der Mercedes-Benz Bank unterstützt wird, darunter auch dessen Chef Werner Schretzmeier oder Eric Gauthier, künstlerischer Leiter von Gauthier Dance, der Dance Company des Theaterhauses, mit Tänzern. Nicht zu vergessen die Schüler des gegenüberliegenden Schickhardt-Gymnasiums, die Schule engagiert sich schon seit zwei Jahren in dem Heim, unter anderem spielen die Schüler mit den Kindern oder sie bekommen Hilfe beim Deutschlernen. Nun streichen alle zusammen drinnen Flure, Foyers und Geländer, draußen kümmern sie sich um Beete oder hämmern auf dem Mäuerchen rund um das Erdreich Holzlamellen zum Sitzen zusammen.

Die Flüchtlinge brauchen ein Dach überm Kopf

In der Immobilie, in der 63 Erwachsene und Kinder aus 21 Nationen, zwei Drittel davon alleinstehende Männer, ein Drittel Familien leben, gehört der Stadt Stuttgart. Geführt und betreut wird die Unterbringung indes von der Arbeiterwohlfahrt AWO. Dass das Haus in keinem guten Zustand ist, war im Portfolio der Stadt laut Sozialamtsleiter Stefan Spatz und Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer bekannt. Beide sind begeistert vom Engagement, indes betont Fezer: „Es gibt eine Rangliste, da steht auch das Haus darauf. Aber zunächst einmal ist es wichtig, dass die Flüchtlinge, derzeit habe wir rund 8600, ein Dach über dem Kopf haben.“ Also hatte eine AWO-Mitarbeiterinnen, Inna Dann, die Idee das Gebäude, das schon seit den 90er-Jahren als Unterkunft für Flüchtlinge dient, über eine ehrenamtliche Aktion auf Vordermann zu bringen. Sie meldete es bei der Agentur Mehrwert, die den „Day of Caring“ veranstaltet.

Tänzer Gauthier packt selbst mit an

„Wir nehmen seit fast zehn Jahren am Day of Caring teil, als Unternehmen wollen wir soziale Verantwortung übernehmen“, sagt Harald Bertsch, Pressesprecher der Mercedes-Benz Bank. „Die Mitarbeiter machen Erfahrungen, die das Leben ändern können.“ Und Werner Schretzmeier betont, dass im integrativen Tanzprojekt „Dance for Good“ Eric Gauthier mit benachteiligte Jugendliche und jugendliche Flüchtlinge seit Anfang des Jahres eine Performance erarbeite, dazu gehöre ein kultureller Sprachkurs – finanziert von der Bank und einer „Tanz-Box“ am Rotebühlplatz, in der Passanten vergangenes Jahr für den guten Zweck 25.000 Euro ertanzten. Deshalb sei das Theaterhaus selbstverständlich bei der Renovierung dabei. Er sei überrascht gewesen, wie das Haus aussah, so Schretzmeier. „Daher ist es eine gute Sache, und ebenfalls Bewegung, nur auf andere Art“, so Gauthier.

Das freut auch AWO-Geschäftsführer Friedhelm Nöh. „Die Aktion setzt ein positives Zeichen für die Aufnahme von Flüchtlingen.“ Mercedes habe das generalstabsmäßig organisiert mit Fachleuten, etwa Malern, die alle Helfer in Gruppen in ihre Arbeit eingewiesen hätten. Darunter waren auch Flüchtlinge, wie Hani und Anwar. „Das war klar, dass wir mithelfen,“ betonen sie unisono. „Wir wohnen ja hier.“

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