Days Gone im Test Alles voller Zombies und doch so leer

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Days Gone ist der größte Exklusivtitel für die Playstation 4 in diesem Jahr. Das Zombie-Abenteuer mit Open World wurde vollmundig angekündigt, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück.

„Freaker“ heißen die zombieähnlichen Kreaturen, die einem das Leben in Days Gone schwer machen. Foto: Sony 8 Bilder
„Freaker“ heißen die zombieähnlichen Kreaturen, die einem das Leben in Days Gone schwer machen. Foto: Sony

Stuttgart - Nach einer weltweiten Pandemie gibt es nicht mehr viele Menschen auf der Erde – und noch weniger, die einen nicht nicht umbringen wollen – dafür aber jede Menge „Freakers“, zombieähnliche Kreaturen, die alles Lebende verfolgen und töten wollen: Das ist die Welt von Days Gone, dem größten Exklusivtitel für die Playstation 4 in diesem Jahr. Wir haben die Zombie-Action mit offener Spielwelt getestet.

Spielinhalt

Protagonist ist der Biker Deacon St. John, der versucht, im US-Bundesstaat Oregon zu überleben und das Schicksal seiner Frau Sarah aufzuklären, die er aus den Augen verloren hat. An seiner Seite ist sein Biker-Kumpel Boozer, mit dem er Ortschaften von Freaker-Horden befreit oder Kopfgeld-Aufträge erledigt. Denn auch Menschen sind immer wieder Gegner in Days Gone, beispielsweise die „Ripper“, eine Sekte, die die Freaker verehrt.

Für diese Gegner braucht es die richtige Bewaffnung. Neben Pistolen und Gewehren gibt es allerhand Nahkampfwaffen wie Baseballschläger, Macheten oder Äxte. Diese können im Verlauf des Spiels auch noch modifiziert werden. So ein mit Nägeln bespickter Baseballschläger ist dann auch deutlich effektiver beim Einschlagen von Freaker-Schädeln, allerdings sind sie nur begrenzt haltbar und können auch mal mitten im Kampf zerbröseln. Auch für das Motorrad gibt es mehrere Upgrades. Deacons Fähigkeiten können durch gesammelte Erfahrungspunkte verbessert werden oder durch Injektionen in den sogenannten Nero-Forschungseinrichtungen, die sich über die Spielwelt verteilen.

Hier gibt es den Trailer zu Days Gone:

Stärken

Die Entwickler von Sony zeigen durch einige Kleinigkeiten, dass sie an die Nerven der Spieler gedacht haben. So kann Deacon, sobald er die entsprechenden Orte einmal bereist hat, gewisse Punkte auf der Karte per Schnellreise erreichen. Außerdem ist es fast jederzeit möglich, zu speichern, solange man nur in der Nähe seines Bikes ist.

In die meisten Gebäude kann der Spieler einsteigen und dort nach Hilfsmitteln und Munition Ausschau halten. Diese können teilweise auch kombiniert werden, sodass Deacon sich zum Beispiel aus einem Kantholz und Nägeln eine fiese und effektive Nahkampfwaffe basteln kann. Oder er baut sich aus einer Flasche, einem Lappen und Kerosin einen Molotowcocktail. Die kann Deacon immer gut gebrauchen, denn den Spieler umgibt immer eine gewissen Unsicherheit: Freaker finden sich nahezu überall und immer wieder schlagen andere Kopfgeldjäger oder Ripper aus einem Hinterhalt zu.

Schwächen

Anfänglich nervten zahlreiche Bugs beim Spielen, von denen viele auch nicht durch den Day-One-Patch behoben wurden. Sony legte kurz nach Release aber rasch mehrere Fixes nach und beseitigte dadurch eine Vielzahl von Problemen. Reichlich unrund wirkt es dennoch an einigen Stellen, beispielsweise wenn Deacon einen lautstarken Dialog führt, obwohl er sich in einer Schleich-Mission befindet, der Verfolgte oder der Freaker davon aber nichts mitbekommt, obwohl dieser sich in unmittelbarer Nähe befindet.

Freaker und Ripper verhalten sich zudem strunzdoof und sind auch auf höheren Schwierigkeitsgraden eher lästige Nervensägen als echte Gegner. Es gelingt viel zu einfach, sich hinter sie zu schleichen und leise auszuschalten. Einzig bei Freaker-Horden kann es brenzlig werden. Doch im Zweifelsfall stürzt sich Deacon dann auf sein Motorrad und flüchtet. Biker-Feeling kommt dabei aber nicht auf, da sich das Zweirad wie ein Schienenfahrzeug bewegt.

Das wohl größte Defizit ist die fehlende Horror-Atmosphäre – vermutlich waren sich die Entwickler nicht einig, wohin das Spiel tendieren soll: So düster und blutig wie „Dead Island“ oder „Dying Light“ oder aber überspitzt und mit viel Humor wie „Dead Rising“? Der hier eingeschlagene Mittelweg ist kein guter Kompromiss.

Fazit

Days Gone hat wenige große Schwächen, dafür aber auch keine nennenswerten Stärken: Die Spielewelt ist abwechslungsreich, aber überschaubar. Gegner sind allgegenwärtig, jedoch oft zu einfach zu besiegen. Allgemein vertraut das Spiel auf bewährte Prinzipien: Verbesserungen von Fähigkeiten und Waffen sollen den Spieler bei Laune halten, eine offene Spielwelt lädt zum Erkunden ein. Was dem Titel wirklich fehlt, ist etwas Individuelles. So bleibt Days Gone Durchschnittskost.

Days Gone ist exklusiv für die Playstation 4 erschienen und ab 18 Jahren freigegeben. Preis: rund 55 Euro.

Grafik 3,5 von 5 Punkten

Spielspaß 3 von 5 Punkten

Atmosphäre 2,5 von 5 Punkten