DDR-Fußball Auferstanden aus Ruinen

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Die Oberliga der DDR feiert ein Comeback – im Internet.

Union Berlin führt zurzeit die Internettabelle an. Foto: dpa
Union Berlin führt zurzeit die Internettabelle an. Foto: dpa

Berlin - Dieser Termin hat sich ins Gedächtnis eines jeden Fußball-Ostalgikers (kurz: Ostalkickers) gebrannt. Am 25. Mai 1991 fand der letzte Spieltag der DDR-Oberliga statt. Die höchste Spielklasse im real existierenden Fußball-Sozialismus war somit abgewickelt. Die erstklassigen Ostclubs mussten danach im bundesdeutschen Profifußball schauen, wo sie bleiben.

Knapp 26 Jahre ist die DDR-Oberliga nun schon tot. Jetzt ist sie auferstanden – aus Ruinen. Im Internet. Dort lassen ein Dresdner Unternehmer und seine Fußballfreunde die ostdeutschen Teams wieder zusammenspielen. Unter der Adresse ddr-oberliga.de finden sich die entsprechenden Spieltage, die Torschützenliste und Tabelle, ganz aktuell. Obwohl die ehemaligen DDR-Oberligisten schon lange in völlig verschiedenen Klassen unterwegs sind, werden sie im Internet einfach wieder zusammengeführt. Wenn in der Realität nun ein Ostclub auf einen ­anderen trifft, geht dieses Ergebnis in die virtuelle Tabelle ein.

Clubs tragen wieder ihren DDR-Namen

So kommt es, dass an diesem Wochenende in der DDR-Oberliga nur ein Spiel auf dem Programm steht: und zwar Sachsenring Zwickau gegen den FC Karl-Marx-Stadt. In der Fußballwirklichkeit handelt sich dabei um die Drittligapartie zwischen dem FSV Zwickau und dem FC Chemnitz. Ein Markenzeichen der Internetliga ist es ja auch, dass die Clubs wieder ihren DDR-Namen tragen dürfen – oder müssen. Erzgebirge Aue verwandelt sich zurück in Wismut Aue oder der Hallesche FC in den HFC Chemie. Ehrensache, dass es für einen Sieg nach alter Zählweise zwei und nicht drei Punkte gibt.

Derzeit führt Union Berlin die Internettabelle an, während der BFC Dynamo den letzten Platz belegt. Eine Konstellation, die in der echten DDR-Oberliga so allerdings völlig undenkbar gewesen wäre. Schließlich war Dynamo Berlin der Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke und durfte sich deshalb über viel Unterstützung freuen, zum Beispiel von den Schiedsrichtern. Was unter anderem von 1979 an zu zehn Meistertiteln führte. Union Berlin wiederum war den Machthabern äußerst suspekt, standen doch viele Fans dem Regime kritisch und dem BFC Dynamo verfeindet gegenüber. Im Internet kann sich Union den Titel holen, der in der DDR-Realität nicht drin war.