Death Stranding für PS4 im Test Die unheimlichen Abenteuer eines Paketboten

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Hideo Kojimas erstes unabhängiges Videospiel „Death Stranding“ wurde sehnsüchtig erwartet. Als Paketbote Sam Bridges gilt es, im postapokalyptischen Amerika die verbliebenen Menschen zu verbinden. Wir verraten in unserem Test die Stärken und Schwächen des Spiels.

Sam Porter Bridges (Norman Reedus) ist ein Paketbote, der in „Death Stranding“ die verbliebenen Menschen mit unterschiedlichen Waren und Gütern versorgt. Auf seinen Wegen setzt er sich großen Gefahren aus. Foto: Sony Entertainment/Sony 10 Bilder
Sam Porter Bridges (Norman Reedus) ist ein Paketbote, der in „Death Stranding“ die verbliebenen Menschen mit unterschiedlichen Waren und Gütern versorgt. Auf seinen Wegen setzt er sich großen Gefahren aus. Foto: Sony Entertainment/Sony

Stuttgart - Gestrandete Wale, Zeitregen, unsichtbare Monster im Teerschlamm und ungeborene Babys in einer künstlichen Fruchtblase zum Umschnallen – „Death Stranding“ ist kein Spiel, das sich kurz zusammenfassen, geschweige denn schnell verstehen lässt. Das erste unabhängige Spiel von Hideo Kojimas Entwicklerstudio Kojima Productions wurde sehnsüchtig erwartet, obwohl im Vorfeld kaum Klarheit darüber herrschte, was den Spieler letztendlich erwartet. Wir haben den Playstation-Exklusivtitel getestet und erklären die Stärken und Schwächen des Spiels.

Spielinhalt

Auch nach einigen Spielstunden ist vieles noch unklar und gespickt von „Was zur Hölle?“- und „Aha!“-Momenten. Erst nach und nach wird immer klarer, warum ausgerechnet Sam Porter Bridges, ein Paketbote, die zersplitterten Überreste der Menschheit verbinden soll. Keine Angst: Es ist keine „Spoiler“-Warnung dafür notwendig, wenn man verrät, dass Sam ein Wiederkehrer ist und eine Verbindung zum Reich der Toten hat. Dadurch kann er die unsichtbaren GDs, die viele Menschen in den Tod rissen, spüren. Er selbst kann zwar im Kampf mit den Monstern sterben, wird aber nach kurzer Zeit wiedergeboren. Beste Voraussetzungen für eine Aufgabe, die einem Himmelfahrtskommando gleicht. Denn nicht nur die GDs, sondern auch die MULEs machen Sam immer wieder Ärger. Sie treten meist in kleineren Gruppen auf und überfallen Paketboten.

Hier gibt es den Trailer:

Die meisten Missionen in „Death Stranding“ bestehen darin, Lieferungen von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Sam Bridges ist dabei die meiste Zeit zu Fuß unterwegs, kann im Spielverlauf aber auch auf Elektro-Fahrzeuge zurückgreifen. Da es über Stock und Stein geht, hat er verschiedene Gadgets, die ihm beim Überqueren von Abgründen, schnellen Gewässern oder beim Erklimmen von Bergen helfen. Diese können nach dem Einsatz abgebaut oder für andere hinterlassen werden. Denn das Spiel verfolgt einen interessanten Multiplayer-Ansatz: Andere Spieler tauchen nie direkt, also visuell, auf, doch ihre Spuren sind für viele sichtbar. Das können Leitern oder Kletterseile sein, aber auch Warnschilder oder Vorräte. Als Zeichen der Dankbarkeit kann dafür ein „Like“ hinterlassen werden.

Lass ein Like da oder zwei

Likes sind ein wichtiger Bestandteil von Death Stranding, denn sie dienen als Belohnung, bestimmen die Vertrauenswürdigkeit eures Boten und vergrößern dessen Möglichkeiten im Spiel. Viele Likes bedeuten neue Aufträge, bessere Ausrüstungen und andere Annehmlichkeiten in der sonst kargen, schroffen Welt. Für erfolgreiche Lieferungen in der Story gibt es „Gefällt mir“-Angaben von Computer-Charakteren, für das Bauen von Brücken oder das Spenden von Vorräten Likes von anderen Spielern. Dabei gilt, dass wer viele Likes vergibt, auch viele „Daumen hoch“ zurück bekommt. Das System funktioniert erstaunlich gut. Die Wertschätzung durch andere animiert, immer wieder Ressourcen für die Allgemeinheit zu spenden, sie durch Schilder vor Gefahren zu warnen oder zu motivieren. Kojima erschafft in Death Stranding so eine positive wie konstruktive Welt, hält uns gleichzeitig aber auch den Spiegel vor, dass wir für eine Handvoll Likes, von Menschen, die wir nie zu Gesicht bekommen, alles tun.

Stärken

Die ersten Schritte in Death Stranding können einem die Sprache verschlagen. Die Welt, deren Oberfläche hauptsächlich aus Felsen, Steinen und Moos besteht, ist wunderschön. In der weiten Einsamkeit zu wandern, kommt einem digitalen Waldspaziergang gleich, bei der man immer wieder inne hält, um sich die vielen Details anzuschauen. Grafisch ist Death Stranding herausragend und bietet mit Norman Reedus, Mads Mikkelsen, Guillermo del Torro, Léa Seydoux und vielen anderen eine hollywoodreife Besetzung.

Die Geschichte von Sam, seiner Familie und den übernatürlichen und lange Zeit unerklärlichen Vorkommnissen in der Welt von Death Stranding ist so fesselnd, dass es in den ersten Stunden schwer ist, sich davon wieder loszureißen. Kojima gelingt eine fast perfekte Immersion. Mit kojimatypischen langen Cut-Scenes wird das Spiel fast schon zu einem Kinofilm, der immer wieder auch eine gute Portion Humor beweist.

Das Like-System ist ein einfacher, aber sehr wirksamer Kniff für ein sehr soziales Miteinander unter den Death-Stranding-Spielern. Man wird dazu erzogen, Gutes zu tun, weil einem dann auch Gutes widerfährt. Damit hebt sich das Spiel klar von anderen Spielen wie GTA V ab, wo im Onlinemodus zumeist eine toxische Stimmung herrscht.

Schwächen

In Sams Welt ist nichts mehr so, wie es einst mal war. Nur wenige Menschen haben überhaupt überlebt – und irgendwie auch ein bekannter Energydrink-Hersteller, der die Kakerlake unter den Unternehmen zu sein scheint und jeder Katastrophe trotzt. Prominent platziert stehen die Dosen des Herstellers in Sams privater Unterkunft. Es mag für manche nur eine Randnotiz sein, sie stört das Gesamtkonstrukt aber massiv. Gleiches gilt für die Werbung für eine von Norman Reedus’ Fernsehserien, wenn Sam mal auf Toilette muss. Das ist Product Placement der übelsten Sorte.

Während die Monotonie der Landschaft etwas beruhigendes hat, so ist die geringe spielerische Varietät bei den Aufträgen für Sam durchaus kritikwürdig: Das Prinzip „Bringe das Paket von A nach B und sterbe dabei nicht“ verliert schnell seinen Reiz. Und es zeigt das krasse Ungleichgewicht zwischen dem Anspruch, den Kojima dem Spieler für das Verständnis der Story stellt und dem für die Bewältigung seiner Missionen. Rätselaufgaben, die den Hirnschmalz fordern, würden Abwechslung bringen und zugleich ins Bild passen.

Die Kämpfe gegen GDs und MULEs sind eher lästig als fordernd. Ein Sieg über einen GD bringt Sam keinen nennenswerten Gewinn außer Chirale-Kristalle, weshalb sie auch gut vermieden werden können. Den kampflustigen MULEs aus dem Weg zu gehen ist oft nicht möglich. Aber selbst wenn ein halbes Dutzend eingreift, sollte das niemanden den Schweiß auf die Stirn treiben. In weniger als einer Minute kann Sam alle erledigen – auch völlig unbewaffnet. Die Boss-Kämpfe stellen ebenfalls keine nennenswerte Herausforderung dar, da auch hier der Multiplayeransatz greift und der Spieler ständig mit Nachschub versorgt wird. Hier dürfte der Spieler insgesamt mehr gefordert werden – es ist schließlich ein Kojima-Spiel.

Fazit

Der große Trommelwirbel vor der Veröffentlichung von Death Stranding war keinesfalls umsonst. Das Spiel verfolgt einen völlig anderen Ansatz mit dem Like-System, der die Spieler zu einem sozialen Miteinander erzieht. Zudem überzeugen die Gesichtsanimationen und die detailreiche Spielwelt. Ein Meisterwerk ist Death Stranding aber nicht. Es fehlt an Abwechslung bei den Aufgaben und die Kämpfe sind zu einfach. Dennoch sollte man diesem ungewöhnlichen Spiel eine Chance geben.

Death Stranding gibt es exklusiv für Playstation 4, ist ab 16 Jahren freigegeben und kostet rund 60 Euro.

Wertung

Grafik: 5 von 5

Spielspaß: 3,5 von 5

Atmosphäre: 4,5 von 5