Debatte im Netz Neuer Radweg bei Aidlinger Kehle: „Schon enorm teuer“

Seit März wird am neuen Radweg gebaut (Archiv). Foto:  

Der neue Radweg an der Aidlinger Kehle wird kontrovers diskutiert. Die Meinungen schwanken zwischen „Geldverschwendung“ und „Ich freu mich drauf!“.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Zwischen Aidlingen und Böblingen-Dagersheim wird seit März ein neuer Radweg gebaut – zumindest ein Abschnitt. An der Aidlinger „Kehle“ soll der Radweg künftig statt über die Kuppe neben der Straße entlang führen – das Gefälle reduziert sich dadurch von 17 auf 7,5 Prozent.

 

Der Umbau ruft allerdings Diskussionen hervor. Denn: Er kostet rund eine Million Euro – für eine Strecke von 370 Metern. Das ist verhältnismäßig teuer. Vergleiche hinken zwar, aber für einen anderen, ebenfalls neuen Radweg bei Gäufelden plant das Landratsamt beispielsweise mit rund 750 000 Euro – für einen Kilometer. Ein Grund für die hohen Kosten an der „Kehle“ ist das Gelände. So muss beispielsweise der Hang teils abgetragen und hinterher gestützt werden.

Rege Debatte im Netz

Unter einem Beitrag unserer Zeitung in den sozialen Medien wird daher eifrig debattiert. Die Meinungen reichen von „totale Geldverschwendung“ über Lob bis hin zu alternativen Vorschlägen – Kommentare, die sich in Grabenkämpfen zwischen Radlern und Autofahrern verlieren außer Acht lassend.

Bereits im Böblinger Kreistag war das Vorhaben kontrovers debattiert worden. Es musste aber eine Entscheidung her. Fördergelder für den Bau gab es nur, wenn das Vorhaben bis Ende 2025 ausgeschrieben war. Der Kreistag gab schließlich mehrheitlich grünes Licht – und so fördert das Land den Löwenanteil der Summe. Beim Kreis bleiben voraussichtlich circa 70 000 Euro hängen.

Hohe Kosten als Hauptkritikpunkt

Die hohen Kosten sind trotzdem einer der Hauptkritikpunkte. Die meisten würden ohnehin mit dem Pedelec fahren, die Steigung sei daher kein Problem und die Verlegung des Radwegs „totale Geldverschwendung“ – so und ähnlich lauten viele Kommentare.

Ein Nutzer schreibt: „Bei uns gibt es nun mal Hügel.“ Und tatsächlich geht es auf der gesamten Strecke auf und ab, aber nirgends so steil wie an der „Kehle“. Einem anderen gefällt, dass der ursprüngliche Radweg mit großem Abstand zur Straße verläuft. „Diese Entscheidung kann ich absolut nicht nachvollziehen!“, schreibt er über die Verlegung.

Einige machen ihrem Ärger über die Ausgabe angesichts der angespannten Haushaltslage und Sparmaßnahmen im sozialen Bereich Luft. Andere hätten es für sinnvoller erachtet, das Geld in einen flächendeckenden Ausbau von Radwegen zu investieren. „Ich fände es besser, wenn die Radinfrastruktur gesamtheitlich gedacht wird und nicht für einzelne Projekte punktuell extrem das Budget ,verballert’ wird“, schreibt ein Nutzer.

Freude auf neuen Radweg

Kritik wird aber auch an der ursprünglichen Planung laut: „17 Prozent für einen Radweg ist eine Frechheit.“ Und so, wie es Gegner gibt, gibt es ebenso Befürworter. „Hier wird endlich was gegen die jahrelange Benachteiligung von Radfahrenden getan, außerdem macht es die Abfahrt nach Aidlingen sicherer“, schreibt ein Nutzer. „Ich freu mich drauf!“

Ein anderer sieht das ähnlich: 17 Prozent seien echt hart. „Das schließt zum Beispiel Menschen mit Anhänger, Kind, ohne Motor komplett aus.“ Einige geben zu bedenken, dass auch die Abfahrt bei diesem Gefälle nicht ohne sei. „Absolut notwendig. Auch Radfahrende haben Anspruch auf fließenden Verkehr ohne Schiebestrecken“, so ein weiterer Pro-Kommentar.

Zwar sei die Maßnahme „schon enorm teuer“, schreibt ein weiterer Nutzer. „Aber wer eine echte Verkehrswende möchte, kommt nicht drumherum, die Fahrradwege auf Straßenniveau zu bringen.“ Eine immer wiederkehrende Aussage lautet außerdem: „Wäre das für Autos, würde kein Mensch nachfragen.“

Wann der Radweg fertig sein soll

Deshalb schlägt ein Nutzer augenzwinkernd vor, einfach die Straße über die Kuppe zu bauen. Der Ausbau einer Straße werde schließlich weniger kritisiert. Andere überlegen, wie man den Abschnitt hätte günstiger entschärfen können. Eine Idee, die mindestens genauso kontrovers diskutiert worden wäre: Eine Fahrspur den Radlern zu überlassen und die Autos per Ampelschaltung einspurig zu organisieren.

Bei manchen ruft das Thema auch Erinnerungen wach. Er sei dort mit dem Rennrad unterwegs gewesen, schreibt ein Nutzer. „Der Berg hat mir immer eine unverblümte Rückmeldung bezüglich meines neuen Trainingszustands vermittelt.“ Aber für Pendler und Schüler sei der neue Radweg sicher eine Verbesserung, fügt er hinzu. Möglichkeit, das zu testen, gibt es voraussichtlich ab dem Sommer. Bis Ende Juli dieses Jahres soll der Umbau fertig sein.

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