Wegen Brandschutzes muss im Rathaus nachgerüstet werden. Foto: Simon Granville
Schloss und Schleglerkasten müssen brandschutztechnisch saniert werden. Jetzt soll untersucht werden, wie das gehen kann. Trotz möglicher Fördergelder kommen nicht alle Ideen gut an.
Brunhilde Arnold
06.06.2025 - 10:02 Uhr
Wie dringend die Sanierung der beiden historischen Gebäude im Ortskern von Heimsheim nötig ist, machten jetzt zwei Informationen im Gemeinderat deutlich. Der Bürgermeister Jürgen Troll informierte über eine durch das Landratsamt Enzkreis angeordnete brandschutztechnische Überprüfung im Grävenitz‘schen Schloss, dem Sitz des Rathauses. Dabei wurde zum einen eine Brandschutztür im zweiten Obergeschoss zum Treppenhaus hin angeordnet. Kostenpunkt 18 000 Euro, die der Gemeinderat als überplanmäßige Ausgabe bewilligen musste. Zum anderen dürfen sich vom 30. Juni laut Jürgen Troll nicht mehr als zwölf Personen gleichzeitig im Schlosssaal aufhalten. Dort finden gewöhnlich die Sitzungen des Gemeinderats statt, bei denen deutlich mehr Menschen im Raum sind.
Wo tagt der Gemeinderat, wenn der Schlosssaal ausfällt? Foto: Simon Granville
Eine Debatte um den seit Längerem aus Brandschutzgründen geschlossenen Schleglerkasten und das Schloss folgten. Beide Gebäude liegen im Sanierungsgebiet Stadtkern II und bilden laut der Verwaltung brandschutztechnisch, gebäudetechnisch und denkmalrechtlich eine Einheit. Die Sanierungsarbeiten seien mit Geldern des Städtebauförderungsprogramms voll förderfähig. Doch dafür – und wegen der zu erwartenden hohen Kosten notwendigen europaweiten Ausschreibung – sei eine umfassende bauliche Untersuchung beider Gebäude dringend geboten, erläuterte der Bauamtsleiter Andor Varszegi. Schon in einer Klausurtagung im Dezember 2024 hatte sich der Gemeinderat mit diesem Thema beschäftigt. Die Verwaltung stellte für die Untersuchung der verschiedenen Varianten 20 000 Euro in den Haushalt ein.
„Wunderschönes Schloss“ erhalten
Doch damit war eine Gemeinderatsmehrheit nicht einverstanden und strich diese Mittel. Anlass war der Gedanke des Architekten eines Planungsbüros, auf dem seit Langem brachliegenden Areal des sogenannten Lunaparks in der Ortsmitte, wo ursprünglich einmal ein schickes Stadthaus mit gemischter Nutzung entstehen sollte, ein neues Rathaus zu errichten. Dafür würde es Fördergelder geben. Dann könnte das Schloss saniert werden, ohne dass hier arbeitende Verwaltungsangestellte hin und her verschoben oder in Container, für die es keine Förderung gebe, ausgelagert werden müssten. Das Schloss könnte später anders genutzt werden, etwa mit einer Kita im Erdgeschoss sowie als Kultur- und Begegnungsstätte.
Davon will der Großteil der Stadträte aber gar nichts wissen. „Wir wollen hier das wunderschöne Schloss als Rathaus erhalten“, sagte Ralf Rüth (CDU). „Wir wollen keine Neukonzeption und keine Mittel dafür bereitstellen. Dieses Konzept kann und werde ich nicht unterstützen.“ Der Bürgermeister Jürgen Troll: „Ich halte es nicht für klug, dies von vornherein auszuschließen. Die Stadtverwaltung ist in diesem Gebäude nicht zukunftsfähig aufstellbar“, sagte er. Gaby Wulff (Bürger für Heimsheim) warf ein, sie halte „es zumindest für unsere Pflicht, Informationen einzuholen“. Keiner der Stadträte wisse, was eine Sanierung im Bestand und ein Neubau koste. „Wir brauchen alle Informationen, es geht um eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte.“
Das Schloss werde nie ein Effizienzhaus sein und immer Folgekosten haben, sagte Bauamtsleiter Varszegi. „Wir wollen erst alle Varianten zusammenstellen und dann den besten Weg finden. Sie schließen aber von vornherein schon Möglichkeiten aus“, sagte er an die Adresse jener Stadträte, die sich mit dem Gedanken an einen möglichen Neubau nicht befassen möchten.
Bewertung des Brandschutzes
Nach längerer Debatte und dem mehrfachen Appell des Bürgermeisters für ein „kluges Vorgehen“, in dem man sich über alle Optionen Klarheit verschaffe, stellte Doro Moritz (SPD) auch für die Fraktionen von CDU, FWV und UWV einen Gegenantrag zu dem der Verwaltung, der mit der Mehrheit dieser Stadträte auch beschlossen wurde. Darin heißt es, dass der Gemeinderat überplanmäßige Mittel in Höhe von 20 000 Euro für die Untersuchungen zur Sanierung des Grävenitz‘schen Schlosses bewilligt.
Kein Geld für Neubauplanung
Den Fraktionen gehe es darum, dass kein Geld für die Idee „Neubau Rathaus“ ausgegeben werde, sagte Moritz. Ein Antrag der Verwaltung, die planerische Konzeption aufgrund des früheren Beschlusses aus der Klausurtagung erstellen zu lassen, wurde mehrheitlich abgelehnt – weil er laut Doro Moritz auch die Variante Rathaus-Neubau enthalte, die man eben nicht wolle.
Einstimmig wurde indes bewilligt, dass ein Fachplaner oder Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz eine brandschutztechnische Neubewertung des Gesamtgebäudes angehen soll.