Fahrverbote für Dieselautos Kraftfahrzeuggewerbe fordert Nachrüstung

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Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe geht in der Debatte über Fahrverbote auf Konfrontationskurs zu den Autobauern. Der Verband der Autohändler und Werkstätten fordert eine Hardware-Nachrüstung von Dieselautos, während sich die Hersteller auf ein Software-Update beschränken wollen.

Stuttgart - Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe fordert nach dem Leipziger Fahrverbotsurteil des Bundesverwaltungsgerichts eine rasche Hardware-Nachrüstung von Dieselautos. „Wir wissen inzwischen aus einer am Dienstag letzter Woche vorgestellten Studie des ADAC, dass Hardware-Nachrüstungen mit vertretbarem Aufwand möglich sind“, sagte Harry Brambach, der Verbandspräsident des baden-württembergischen Kfz-Gewerbes, bei der Vorlage der Jahresbilanz in Stuttgart. Werkstattexperten schätzten den zeitlichen Aufwand für eine Nachrüstung auf sechs bis 16 Stunden, so Brambach. Die Bundesregierung müsse die gesetzlichen und faktischen Regelungen auf den Weg bringen, die für eine rasche Umsetzung und Zulassung einer Hardware-Nachrüstung notwendig seien. Zudem müsse sie die Finanzierung regeln. Die Nachrüstkosten von 1400 bis 3300 Euro dürften nicht an den Autobesitzern hängen bleiben, betonte Brambach. Der Verbandschef sprach sich bei den Euro-5-Dieseln für einen Nachrüstfonds aus, der über Hersteller und Importeure entsprechender Fahrzeuge mit finanziert wird.

Daimler-Chef Zetsche lehnt eine Hardware-Nachrüstung ab

Der oberste Repräsentant der Autohändler und Werkstätten im Südwesten positioniert sich damit gegen die Hersteller, die bisher eine Hardware-Nachrüstung ablehnen und sich auf eine Software-Nachrüstung beschränken wollen. Daimler-Chef Dieter Zetsche begründete dies auf der Jahrespressekonferenz des Autokonzerns Anfang Februar unter anderem damit, dass die Entwicklung von Hardware-Lösungen mehrere Jahre und damit zu lange dauern würde. Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), bekräftigte diese Einschätzung nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Gegenüber einer Hardware-Nachrüstung hätten kostenlose Software-Updates zwei entscheidende Vorteile: Sie wirkten wesentlich schneller und führten nicht zu einem höheren Verbrauch und damit höheren CO2-Emissionen der betroffenen Fahrzeuge.

Gebrauchte Dieselautos können nur mit Abschlägen verkauft werden

Im vergangenen Jahr ist das Kraftfahrzeuggewerbe im Südwesten nach Angaben von Verbandspräsident Brambach trotz der Diskussion um Fahrverbote und blaue Plaketten „mit einem blauen Auge davongekommen“. Der Gesamtumsatz des Kfz-Gewerbes blieb mit 23,9 Milliarden Euro stabil. Im Gebrauchtwagenhandel, der für die Entwicklung der Ertragslage immer wichtiger werde, habe die Verunsicherung der Käufer jedoch zu einem Rückgang der Erlöse um rund zwei Prozent auf 11,4 Milliarden Euro geführt, weil Dieselautos länger auf den Höfen stehen und generell nur mit deutlichen Preisabschlägen weiterverkauft werden könnten. Dies habe vor allem die markenungebundenen freien Händler getroffen – bei ihnen sei der Absatz um 16 Prozent eingebrochen. Die laufende Diesel-Debatte, so Brambach, habe für Teile des Gewerbes „durchaus existenzbedrohende Züge“.