Debatte über Kirchentellinsfurter Baggersee Treffpunkt der Schwulenszene

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Tatsächlich dient der Baggersee seit vielen Jahren der Homosexuellenszene als ein überregionaler Treffpunkt. In einem einschlägigen Internetforum heißt es: „Im Sommer am hinteren kleinen See schwules FKK-Baden! Der vordere See ist gemischt. Bei Einbruch der Dunkelheit Cruising-Area auf dem Parkplatz. Achtung: In den Frühjahrsmonaten ist der Hauptparkplatz wegen Krötenwanderung gesperrt, das Cruising verlagert sich dann auf den vorderen kleinen Parkplatz. Auch der nahe gelegene Wald ist dann interessant.“

Er habe nichts gegen Homosexuelle, versichert Bürgermeister Bernhard Knauss. Wenn ihm jedoch berichtet werde, dass Familien mit Kindern bei ihrer Sonntagstour auf dem Neckartalradweg am See gleichgeschlechtliche wie heterosexuelle Paare beim Sex antreffen, dann sei für ihn eine Grenze überschritten.

Es ist Abend, das Licht wird fahler, und allmählich leert sich der See. Einen ungeübten Surfer treibt der Wind ans andere Ufer. Fern vom Ausgangspunkt watet er an Land und trägt nacheinander Brett und Segel zurück. Auf seinen Wegen begegnen ihm Männer, die Blickkontakt suchen. Einige Meter weiter werfen Angler ihre Ruten aus. Um Surfer, Badende und Liebeshungrige scheren sie sich nicht, solange niemand die Fische vertreibt.

Selbstversorger hinterlassen Müll

Als Pächter des Sees bilden die Anglervereine von Kirchentellinsfurt, Tübingen und Reutlingen eine weitere Nutzergruppe des Gewässers, das im Lauf der letzten 90 Jahre seine heutige Gestalt angenommen hat. 1929 begann der Unternehmer Christian Walker an dieser Stelle mit der Kiesbaggerei. Kurz darauf übernahmen Karl und Ernst Epple den Abbau. Bereits in den 1930er Jahren war ein kleiner See entstanden, der Badegäste anlockte. In den 60er und 70er Jahren entwickelte er sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Der Kiesabbau wurde 1984 eingestellt. Zwar gehören das Gewässer und ein erheblicher Teil der Uferflächen noch der Firma Epple. Doch weil der See nun einmal auf Kirchentellinsfurter Markung liegt, bekommt vor allem die Gemeinde die Folgen des bunten Treibens zu spüren. Mit steigenden Besucherzahlen wurde Kirchentellinsfurt geradezu dazu genötigt, für ein Mindestmaß an Infrastruktur rund um den See zu sorgen.

Das Vorhandene ist wenig einladend: Ein mit Graffiti besprühter Betoncontainer der DLRG, ein unansehnlicher Toilettenwagen mit der deplatzierten Aufschrift „Marcus, ich liebe dich“, dahinter eine vom Holunder fast zugewucherte Notrufsäule. Dazu eine gemauerte Grillstelle und mehrere Plätze, an denen Kohlereste vom wilden Grillen zeugen. Bereits vor fünf Jahrzehnten hatten Privatleute das Freizeitpotenzial des Kirchentellinsfurter Baggersees erkannt. Es gab einen Kiosk mit Getränken und kleinen Imbissen. Auch ein Eisverkäufer, der sich „Hubi“ nannte, schaute regelmäßig vorbei.

Kiosk und „Hubi“ sind Vergangenheit. Heute kommen an Sommertagen bis zu 5000 Selbstversorger an den See. Nicht jeder nimmt seinen Müll wieder mit, entsprechend unappetitlich sieht’s nach einem Juliwochenende am Ufer aus. In der Gemeinde überlegt man sich schon lange, das Gelände zu umzäunen und Eintritt zu verlangen. In einem Strandbad müsste jedoch mehr geboten werden.