Debatte über Müll und Lärm in Stuttgart Die Innenstadt soll weiter pulsieren

Zu viel  Verpackung für zu kleine Mülleimer: Auch die To-Go-Welle verursacht jede ­Menge Abfall. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Zu viel Verpackung für zu kleine Mülleimer: Auch die To-Go-Welle verursacht jede ­Menge Abfall. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Kritik von Mitte-Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle und ihrem Mann Michael über Wildpinkler und das Müllaufkommen in der Innenstadt hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Stuttgart - City-Bewohner klagen über zu viel Müll – unter dieser Tenor erschien am Mittwoch in dieser Zeitung ein Artikel, in dem die Bezirksvorsteherin von S-Mitte, Veronika Kienzle, und ihr Mann Michael sich über Wildpinkler und das Müllaufkommen in der Innenstadt beschweren. Eine Anklage, die in der Stadt viele Reaktionen ausgelöst hat. In seltener Einigkeit haben Vertreter aller Rathausfraktionen eingeräumt, dass überquellende Mülleimer, achtlos weggeworfene Flaschen und Verpackungen oder vollgepinkelte Wände weder schön noch auf Dauer tolerabel sind. Ralph Schertlen von den Stadtisten nimmt für sich in Anspruch, einer der wenigen im Gemeinderat zu sein, „der das Thema öffentliche Toiletten auf dem Schirm hat“. Und zwar kostenfreie.

Mehr Mülltonnen sind unstrittig

Einen Mangel an frei zugänglichen Toiletten beklagen auch Alexander Kotz von der CDU und Thomas Adler von SÖS-Linke-Plus. Beide erinnern sich, dass es da früher deutlich mehr gab und dass die Schließung so mancher öffentlicher Toilette im Innenstadtbereich im Nachhinein wohl keine gute Idee war. Dem kann sich auch Bernd Klingler von der AfD anschließen. Auch Rose von Stein von den Freien Wählern fände mehr Toiletten durchaus in Ordnung, bezweifelt aber, „dass wir die gratis anbieten könnten“. Anna Deparnay-Grunenberg von den Grünen findet, man solle in dem Zusammenhang auch ruhig mal Zivilcourage aufbringen und die Leute ansprechen, die zum Beispiel ihren Müll wegwerfen. Mehr Mülleimer und öffentliche Toiletten scheinen also in der Kommunalpolitik relativ unstrittig. Stadtist Schertlen sieht das allerdings ein wenig anders; er hält sich im Gemeinderat eher für einen einsamen Rufer. Bei Alexander Kotz regt sich Widerspruch: „Wir drängen auch darauf, dass sich da etwas ändern muss.“

Beim Punkt zu viele auswärtige Gäste in der City bekommen die beiden Klageführer allerdings scharfen Gegenwind – und das auch parteiübergreifend. „Wir arbeiten seit Jahren daran, die Innenstadt attraktiver zu machen, dann sollten wir uns jetzt nicht über Besucher beschweren“, sagt dazu Matthias Oechsner von der FDP. CDU-Fraktionschef Kotz kann dem nur zustimmen. Und er ergänzt: Wer in die Herzkammer einer Metropolregion ziehe, solle sich „nicht über den dort herrschenden ­Pulsschlag wundern“. Das sieht auch Anna Deparnay-Grunenberg so. „Wir freuen uns doch, wenn die Stadt für Leute aus der ­Region attraktiv ist“, sagt die Grüne. Und im Übrigen „wirft doch keiner mehr Müll weg, weil er zwei statt nur einem Buchstaben auf dem Autoschild hat“, betont der FDP-Mann Oechsner.

Dellnitz: Innenstadt ist hochsensibel

Das Thema Müll in der City wird auch andernorts diskutiert: Thomas Breuninger, Geschäftsführer von Haushaltswaren Tritschler, sagt zum Beispiel: „Dass im Citybereich zu wenige öffentlich zugängliche Toiletten vorhanden sind, wird uns tagtäglich vor Augen geführt, weil viele Passanten in unserem Geschäft nach solchen fragen.“

Die Citymanagerin Bettina Fuchs findet es gut, dass das Thema so offen in der Zeitung angesprochen wurde. „Vor allem Wildpinkeln nimmt überhand“, sagt sie, „offenbar geht die Schmerzgrenze bei vielen immer weiter runter“. Aber ­allein Appelle reichten nicht aus, man müsse auch gute Lösungen anbieten: „Die ­Errichtung von mehr öffentlichen Toiletten begrüße ich deshalb sehr, aber natürlich stellt sich dabei auch immer das Thema der Finanzierung. Trotzdem: Toiletten für Stadtbesucher anzubieten, kann nicht nur Sache der Händler sein.“

Aus touristischer Sicht hat Armin Dellnitz, der Leiter von Stuttgart Marketing, dazu auch seine Meinung: „Die Innenstadt gehört zum touristisch hochsensiblen Bereich“, sagt er, „der Gast nimmt schon genau wahr, ob eine Stadt vermüllt oder verpinkelt ist. Er fragt nicht nach den Ursachen, aber ein negatives Bild bleibt eben. Deshalb begrüße ich es, dass die Stadt alles für den Erhalt der Werte Sicherheit, Sauberkeit und Qualität unternimmt.“




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