Debatte über Verkehrskonzept Ludwigsburg Die Anhänger der Stadtbahn machen Druck

Eine Niederflurbahn wie in Straßburg – das fordert die eine Hälfte des Ludwigsburger Gemeinderats. Die andere Hälfte ist dagegen. Foto: Tim Höhn
Eine Niederflurbahn wie in Straßburg – das fordert die eine Hälfte des Ludwigsburger Gemeinderats. Die andere Hälfte ist dagegen. Foto: Tim Höhn

Nach der SPD und den Grünen fordern nun auch die ÖkoLinx-Fraktion und mehrere Einzelstadträte, den Bau der Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg zu realisieren. Mit einem neuen Antrag stellen sie sich gegen den Oberbürgermeister. Der Gemeinderat ist in der Frage gespalten – genau in der Mitte.

Ludwigsburg: Tim Höhn (tim)

Ludwigsburg - Die Grünen, SPD, ÖkoLinx und zwei Einzelstadträte haben am Mittwoch einen interfraktionellen Antrag bei der Ludwigsburger Stadtverwaltung eingereicht und darin ein klares Bekenntnis zum Bau einer Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg gefordert. Konkret setzten sich die Unterzeichner, die knapp die Hälfte des Gemeinderats repräsentieren, dafür ein, rasch einen Förderantrag zur Realisierung der Niederflurvariante zu stellen. Sie greifen damit eine Forderung von Landrat Rainer Haas auf, der ebenfalls auf eine schnelle Entscheidung drängt.

Mehrere Untersuchungen und Gutachten hätten gezeigt, „dass die Niederflurbahn eine neue Qualität im ÖPNV für Ludwigsburg bringt“, heißt es in der Begründung für den Antrag. „Nach Jahren der Vorbereitung liegen nun alle Voraussetzungen vor, um die Planungen zu konkretisieren.“ Über den Bau der Stadtbahntrasse von Remseck über Ludwigsburg nach Markgröningen wird seit mehr als einem Jahrzehnt debattiert, vor allem die Frage nach der Technik stand zuletzt im Vordergrund. Nun zeichnet sich ab, dass das lange favorisierte Hochflursystem kaum noch Unterstützer findet. Für Hochflurtechnik, wie sie die SSB in der Region einsetzt, müssten entlang der Strecke Hochbahnsteige gebaut werden, während Niederflurbahnen über niedrige Einstiege verfügen.

Der Landrat lobt den Antrag – auch er will die Stadtbahn

Primär dürfte es den Fraktionen mit ihrem Antrag aber weniger darum gehen, die Hochflurtechnik zu beerdigen. Sondern darum, den Druck auf die Ludwigsburger Verwaltung zu erhöhen, die kürzlich ein ganz neues Verkehrskonzept vorgestellt hat: das ohne Stadtbahn auskommt und stattdessen auf eine Kombination aus neuen Eisenbahn- und Schnellbuslinien in der Region setzt. Dies sei günstiger, schneller zu realisieren und besser geeignet, die Verkehrsprobleme zu lösen, sagt der Oberbürgermeister Werner Spec.

Grüne und SPD haben sich bereits vor einigen Tagen gegen den Vorstoß der Stadt und für die Realisierung der Stadtbahn ausgesprochen. Dem schließen sich nun auch die ÖkoLinx-Fraktion sowie Elga Burkhardt (Lubu) und Harald Lettrari (parteilos) an. Was von erheblicher Bedeutung ist, weil vom Votum der Ludwigsburger Stadträte alles abhängt. „Der Gemeinderat ist Herr des Verfahrens, und es scheint spannend zu werden“, sagt Haas. Für den Landrat und erklärten Stadtbahn-Verfechter handelt es sich um die „wichtigste Entscheidung dieses Jahrzehnts im Landkreis“. Der jetzt vorgelegte interfraktionelle Antrag sei ein gutes Signal.

Fällt die Entscheidung bereits in einem Monat?

Geht es nach den Unterzeichnern des Papiers, soll die finale Entscheidung bereits in der Gemeinderatssitzung am 3. Mai fallen. Die Verwaltung hat zuletzt betont, mehr Zeit zu benötigen – auch um eine breite Debatte in der Bevölkerung über die verschiedenen Varianten zu ermöglichen. So oder so: der Ausgang der Abstimmung ist nicht vorhersehbar. Das bürgerliche Lager aus CDU und Freien Wählern hat Sympathie für das neue Konzept der Verwaltung bekundet, und das bedeutet: Der Gemeinderat ist gespalten – genau in der Mitte.




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