Debatte übers Rosensteinquartier Wie baut man eine Stadt in einer Stadt neu?

Von Ulla Hanselmann 

Das Rosensteinquartier ist für Stuttgart eine Jahrhundertchance. Wie kann die Stadt sie am besten nutzen? Darüber haben Stadtplaner und Architekturexperten im Stadtpalais diskutiert.

Das, was man ein Filetstück nennt: das künftige Rosensteinquartier. Foto: DB Bahnprojekt Stuttgart Ulm/Kilgus
Das, was man ein Filetstück nennt: das künftige Rosensteinquartier. Foto: DB Bahnprojekt Stuttgart Ulm/Kilgus

Stuttgart - Es ist eine Jahrhundertchance für Stuttgart: Im neuen Rosensteinquartier auf dem S-21-Gelände gilt es, 85 Hektar Stadt in der Stadt neu zu bauen. Bloß wie? Um sich dieser Frage anzunähern, hatten die Stadt Stuttgart, vertreten durch den Leiter des Amts für Stadtplanung und Wohnen, Detlef Kron, und der Verein Info-Laden Rosenstein „Auf der Prag“ zum Themenabend „Rosenstein. Making of“ am Donnerstag ins Stadtpalais geladen.

Der Berliner Publizist und Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm nannte in seinem Vortrag zwei Voraussetzungen, um ein Stück urbane, soziale Stadt zu erhalten: „das Prinzip Parzelle“ und damit einhergehend eine „Individualisierung der Maßnahmen und Entscheidungen“ sowie: „unendliche Diskussionsarbeit“.

Mehr Utopie wagen

Die Journalistin Amber Sayah warnte eindringlich davor, die Fehler des Europaviertels zu wiederholen. Während die Bahn hinterm Hauptbahnhof gnadenlos das Höchstpreisverfahren durchziehe, hätten Stadt und Politik im Rosensteinquartier alle Trümpfe in der Hand, es besser zu machen: Die Stadt „hat die Grundstücke, sie hat die Planungshoheit“, und damit die Chance, „einer gemeinwohlorientierten Entwicklung den Vorrang vor kommerziellen Interessen“ zu geben. Die Architekturkritikerin wünschte sich, das „alte, öde, ängstliche, geist- und seelentötende Machbarkeitsdenken der Stadt“ möge einem Wagemut und einer Experimentierlust weichen und forderte, mehr Utopie zu wagen. Dass städtebauliche Utopie jedoch ein nur schwer fassbares, widersprüchliches Geschäft ist, erwies die nachfolgende Gesprächsrunde. Während etwa Hanna Noller vom Verein Stadtlücken angesichts der komplexen Herausforderungen für eine „Schritt für Schritt“-Strategie plädierte, hielt der Architekt Sebastian Sage „strukturelle Setzungen durch die Stadtplanung“ für unabdingbar.

Suche nach dem perfekten Ort

Immerhin: In Hoffmann-Axthelms Lob der Parzelle schienen in der vom Architekturpublizisten Christian Holl moderierten Debatte alle einstimmen zu können. Der Entwurf von asp Architekten und Köber Landschaftsarchitektur, der aus dem Rosenstein-Wettbewerb als erster Preisträger hervorgegangen war, gebe eben dieser Kleinteiligkeit Raum, erläuterte Markus Weismann von asp Architekten; und dass man sich laut Detlef Kron im Stadtplanungsamt endlich mit Konzept- und Parzellierungsvergaben beschäftige, wie es andere Städte längst tun, lässt hoffen. Thomas Herrmann, Sprecher der fünf Stuttgarter Kammergruppen der Architektenkammer Baden-Württemberg, empfahl zudem, „möglichst viele unterschiedliche Akteure“ in den Planungsprozess einzubinden. Die Menschheit versuche seit gut 200 Jahren, den perfekten Ort zu kreieren und habe es immer noch nicht geschafft, zitierte Sayah den Städtebauexperten Wade Shepard. Vielleicht gelingt es ja im Rosensteinquartier in Stuttgart.