Herr Fundel, was sollte die Wilhelma ihren Besuchern bieten?
Die Wilhelma ist eine der attraktivsten Einrichtungen in Stuttgart mit den meisten Besuchern. Diese 1,4 Millionen Gäste pro Jahr halten sich im Schnitt vier Stunden lang dort auf, und es gibt keinen, der nicht mal eine Pause machen will, weil er erschöpft, durstig oder hungrig ist. Die treffen dort auf eine wenig inspirierte Gastronomie. Deshalb wird sie vergleichsweise wenig frequentiert.
Die Besucher kommen ja schließlich nicht zum Essen, sondern um die Tiere zu sehen.
In der Wilhelma gilt wie am Flughafen: Je höher der Umsatz in der Gastronomie, desto attraktiver ist die Einrichtung. Dazu muss der Pächter aber mehr bieten.
Linsen, Spätzle, Wurstsalat reichen nicht? Was heißt „inspiriert“ in dem Fall?
Das Angebot müsste viel breiter sein, es könnte zum Beispiel außer Pommes auch Müsli geben. Aber ja, das ist teurer und personalintensiver. Außerdem fehlt ein zusätzlicher Service: Manche Leute würden sich gern an einen weiß gedeckten Tisch setzen und sich ein Glas Wein bringen lassen. Oder gern einen Brunch nehmen, zum Beispiel beim Belvedere, dem schönsten Platz in der Wilhelma. Aber das ist beim heutigen Zustand undenkbar. Außerdem ist dieser Platz das halbe Jahr geschlossen, was dazu führt, dass auch die Toiletten nicht genutzt werden können und die Besucher weitere Wege in Kauf nehmen müssen.
Hat der Förderverein Einfluss genommen auf die derzeitige Entwicklung?
Der Förderverein hat unterstützt, dass man die Pacht im Januar kündigt. Die Pächterin hatte einen lange genug laufenden Pachtvertrag, um Änderungswillen und neues Niveau zu zeigen. Stattdessen pflegte sie den Stillstand. Aus welchem Grund, weiß ich nicht. Jedenfalls sollte man die Chance nutzen und die besten Spieler aus dem Segment derer nehmen, die sich an der Ausschreibung beteiligen.
Sie wollten die Wilhelma für externe Veranstaltungen öffnen. Was wünschen Sie sich?
Die große Wilhelma-Gastronomie liegt fernab der Gehege, direkt hinter dem Wilhelma-Theater. Warum sollte man also nicht größer denken und eine Kombination anstreben? Wilhelma-Besucher könnten von innen dazukommen, externe Gäste und Theatergäste auch abends von außen, ohne die Tiere zu stören. Aber bis heute gibt es dort keinen Durch- oder externen Eingang. Dabei spielt sicherlich auch eine Rolle, dass das Theater in den Entscheidungsbereich des Wissenschaftsministeriums gehört und die Wilhelma ins Ressort des Finanzministeriums. Der Grat dazwischen scheint zu scharf zu sein.
Ein erster Umbauplan für den Schaubauernhof ist ja gefasst. Was heißt das für das Restaurant dort?
Es muss weichen und durch einen Neubau an anderer Stelle ersetzt werden. Man muss einfach mehr tun, wenn wir mit der Wilhelma wieder in die Bundesliga wollen.