Debatte um Sanierung der Stuttgarter Oper Intendanten attackieren CDU-Fraktionschef

Das Intendantenquartett (von links): Burkhard Kaminski, Viktor Schoner, Tamas Detrich und Marc-Oliver Hendriks. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Nachdem der Fraktionschef der CDU im Landtag, Manuel Hagel, die milliardenschwere Sanierung der Staatsoper öffentlich in Frage gestellt hat, wehren sich die Staatstheater-Verantwortlichen: In einem Brief werfen sie dem CDU-Politiker Obstruktion vor.

Die vier Intendanten der Württembergischen Staatstheater Stuttgart haben in einem Schreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Kulturministerin Theresia Bauer und den Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz heftige Kritik an den jüngsten Äußerungen des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Manuel Hagel, geübt. In dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt, appellieren die Chefs des Drei-Sparten-Hauses zugleich an die Politiker, ein klares Bekenntnis zu dem Milliardenprojekt abzugeben und die geplante Projektgesellschaft, die das Vorhaben umsetzen soll, zügig auf den Weg zu bringen.

 

Intendanten: Hagels Vorwürfe sind substanzlos und gefährden Zeitplan

Hagel versuche offenbar, mit seiner Kritik an einer vorgeblichen „Luxussanierung“ des denkmalgeschützten Opernhauses den gesamten bisherigen Entwicklungsprozess zu „desavouieren“, erklärten der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks sowie die Chefs von Ballett, Oper, und Theater, Tamas Detrich, Viktor Schoner und Burkhard Kaminski. Die Vorwürfe seien substanzlos und erweckten den Eindruck, dass die Projektbeteiligten bisher fahrlässig und fehlgeleitet gehandelt hätten. Dies sei schlicht falsch. Dass Hagel Bedingungen für die angestrebte Gründung der Projektgesellschaft gestellt habe, sei „geradezu obstruktiv“, so die Intendanten. Wer jetzt weitere Spar-, Verkürzungs- und Ablenkungsprüfaufträge an die Projektgesellschaft vergeben wolle, gefährde den Zeitplan und wolle die Entscheidung über den Beginn der Sanierung in die nächste Wahlperiode des Landtags verschieben. Abschließend bitten die Intendanten die Adressaten des Schreibens um eine weitere „starke und entschlossene Unterstützung“ für die Sanierungspläne.

Kretschmann, Nopper sowie Grüne und CDU für Opernsanierung

CDU-Fraktionschef Hagel hatte jüngst sowohl das finanzielle Volumen der Sanierung, das von Fachleuten auf bis zu 1,5 Milliarden Euro taxiert wird, als auch den Zeitplan für das Projekt in Frage gestellt. In seiner Fraktion gibt es spätestens seit dem Bericht über mögliche Kostensteigerungen von bis zu 500 Millionen Euro erheblichen Unmut. Abgeordnete aus anderen Landesteilen empören sich darüber, dass so viel Geld für die Staatsoper ausgegeben wird. Sowohl Ministerpräsident Kretschmann als auch OB Frank Nopper sowie Grüne und CDU im Stuttgarter Gemeinderat haben sich dagegen klar zum Projekt bekannt. Zuletzt hatte es freilich auch innerhalb der Landesregierung nach Informationen unserer Zeitung Diskussionen darüber gegeben, ob man den Bürgern in Kriegs- und Krisenzeiten eine solche Milliardeninvestition im Kulturbereich vermitteln könne.

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