Debatte um Sportmöglichkeiten Kehrtwende bei neuer Wolferhalle?

Die bisherige Sportanlage im Plieninger Wohngebiet Wolfer. Foto: Torsten Schöll

Überraschend präsentiert die Stadtverwaltung neue Pläne: sie schlägt einen neuen Standort vor und lehnt eine Mehrzweckhalle für Plieningen und Birkach ab.

Kommt die Mehrzweckhalle im Wolfer doch nicht? Die Botschaft, die die Stadtverwaltung zur Bezirksbeiratssitzung mit nach Plieningen und Birkach gebracht hat, ist nichts weniger als eine faustdicke Überraschung. Geht es nach den Vorstellungen des Sport- und des Stadtplanungsamts der Stadt soll die lang ersehnte zusätzliche Halle auf der Sportanlage im Plieninger Wohngebiet Wolfer nicht nur an einem anderen Platz gebaut werden. Die beiden beteiligten Ämter plädieren inzwischen auch für eine reine Zweifelder-Sporthalle. Eine neue Mehrzweckhalle für Sport und Kultur wäre damit vom Tisch. Ebenso, der einst hoch gelobte Entwurf eines „Hallenverbunds“ von alter und neuer Wolferhalle.

 

Bisher war das Projekt unstrittig

Als vor nunmehr drei Jahren eine Machbarkeitsstudie zur künftigen Halle vorgelegt wurde, schien es unstrittig, dass der beste Platz für eine Sport- und Mehrzweckhalle direkt neben der bestehenden Wolferhalle sei. Die beiden Hallen würden künftig einen „Hallenverbund“ bilden. Ein Vorentwurf überzeugte fast alle Bezirksbeiräte des Doppelgremiums von Birkach und Plieningen.

Doch nun brachten Dominik Schultheiß vom Amt für Stadtplanung und Wohnen und Jörg Maier vom Amt für Sport und Bewegung vor dem Bezirksbeirat jedoch plötzlich einen ganz neuen, sogenannten Standort 4 ins Spiel. Dieser befindet sich direkt auf dem heutigen Kunstrasensportplatz neben der Straße Im Wolfer. Hintergrund: Im Zuge der geplanten Entwicklung des gesamten Sportareals, zu dem neben Fußballfeldern und Schwimmbad auch die angrenzende Flüchtlingsunterkunft zählt, würde die Stadtverwaltung gerne das Wärmepotenzial im Boden unter dem heutigen Kunstrasenplatz mittels Geothermie erschließen.

Weil das Sportfeld hierfür ohnehin erst einmal zurückgebaut werden müsste, so die Behörden, könnte die Halle auch an diesem verkehrsgünstigen Platz unmittelbar an der Straße errichtet werden. In der Folge würden die bisherigen Fußballplätze auf dem Baufeld neu angeordnet werden. In jedem Fall muss für das Gesamtprojekt ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

Die Vorteile des neuen Standorts wären laut Sportamt vielfältig: Die Halle würde nicht nur einen „Lärmriegel gegenüber dem Wohngebiet“ bilden. Die Anfahrt zu einem darunter liegenden Parkhaus wäre überdies kurz. Und das erschlossene Geothermiefeld würde die Energiegrundlage für ein Nahwärmenetz bilden, das neben den Sporteinrichtungen potenziell auch dem angrenzenden Wohngebiet zugutekommen könnte.

Stadt spricht von Mehrkosten

Schwerer als der neue Standort dürfte aber die Tatsache wiegen, dass die Stadt nun auch vom ursprünglichen Vorhaben einer Mehrzweckhalle abrückt. Neben den Mehrkosten argumentiert das Sportamt mit dem hohen „Fehlbedarf an Übungseinheiten“ in Plieningen. „Allein der Sport würde die Halle immer füllen“, sagt Maier. Als Alternative bringt der Vertreter des Sportamts einen zusätzlichen Mehrzwecksaal ins Spiel.

Im Bezirksbeirat und bei den Sportvereinen löst der neue Vorschlag geteiltes Echo aus: Während CDU-Sprecher Michael Wörner betont, seine Fraktion sei „ganz klar für eine Mehrzweckhalle“, weil für sie ein Bedarf bestehe, überzeugt der neue Vorstoß Bezirksbeirat Thilo Reith (FDP). Er müsse, sagt Reith, in Bezug auf die Mehrzweckhalle „seine bisherige Meinung ändern“.

Während des Baus wären Plätze nicht nutzbar

Sorgen bereitet dem Vorstand des KV Plieningen, Frank Bauer, die notwendige Neuordnung der Fußballfelder. Er will wissen, wie lange die Sportplätze nicht nutzbar wären, wenn der Plan umgesetzt würde. Der TV-Plieningen-Vorstand Folker Baur begrüßt die Kehrtwende zur reinen Sporthalle: „Wir haben fast 1000 sporttreibende Kinder, die wir kaum noch unterbringen“, beschreibt Baur den aktuellen Mangel an Trainingsstätten. Die Ämter betonen, dass noch nichts beschlossen sei. Sicher ist indes, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis die neue Halle zur Verfügung steht. Die Stadt stellt 16,9 Millionen Euro für das Projekt bereit.

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