Debatte um Stuttgarter Interimsoper Der Eckensee ist wieder im Spiel

Von Thomas Braun 

Das Thema war eigentlich schon vom Tisch. Doch nun steht der Eckensee als Standort für eine Interimsspielstätte für Oper und Ballett erneut auf der Tagesordnung. Die Ratsmehrheit aus CDU, SPD, Freien Wählern, FDP und AfD hat eine Prüfung des Standorts im Oberen Schlossgarten durchgesetzt.

Nur einen halben Steinwurf vom Großen Haus entfernt: der Eckensee. Foto: Fotoagentur Stuttgart
Nur einen halben Steinwurf vom Großen Haus entfernt: der Eckensee. Foto: Fotoagentur Stuttgart

Stuttgart - Der Eckensee im Oberen Schloss­garten ist überraschend erneut als Standort für eine Interimsoper während der auf mindestens fünf Jahre veranschlagten Sanierung des Großen Hauses im Gespräch. OB Fritz Kuhn (Grüne) teilte am Donnerstag nach einem Treffen mit den Fraktionsspitzen und kulturpolitischen Sprechern der im Rathaus vertretenen Parteien mit: „Die Mehrheit im Gemeinderat wünscht, dass auch der Eckensee als möglicher Standort für ein ­Interim während der Opernsanierung geprüft wird.“

Gemeint sind damit jene Fraktionen, die schon den Bau des Stuttgart-21-Tiefbahnhofs im Mittleren Schlossgarten nach Kräften unterstützt haben. CDU, SPD, Freie Wähler und FDP haben den auch von der AfD unterstützten Prüfungsvorschlag eingebracht, Grüne und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus sprachen sich gegen den Vorschlag aus. Nach Angaben Kuhns werden Stadt und Land nun auftragsgemäß untersuchen, ob der Eckensee als Interimsspielstätte infrage kommen könnte. Kuhn erklärte zudem, jene Fraktionen, die dies wünschten, verstünden die Prüfung „ausdrücklich nicht als Vorentscheidung“. Im November will der Verwaltungsrat der Staatstheater endgültig über den Standort für die Übergangsoper entscheiden.

Staatstheater-Intendanz befürchtet Einnahmeeinbußen an cityfernen Standorten

Das Thema Eckensee schien eigentlich bereits abgeräumt. Die Idee, den See trockenzulegen und an seiner Stelle ein bis zu fünf Stockwerke hohes Provisorium zu erstellen, stammt aus dem von den Staatstheatern in Auftrag gegebenen Gutachten des auf Theater spezialisierten Beratungsunternehmens Kunkel Consulting. Sowohl OB Kuhn als auch sein Parteifreund, der Baubürgermeister Peter Pätzold, hatten eine Überbauung der einzigen größeren Wasserfläche in der City aus klimapolitischen und städtebaulichen Gründen frühzeitig ausgeschlossen, und auch im Gemeinderat konnte sich außer der SPD-Fraktion zunächst niemand dafür erwärmen, nach dem Mittleren Schlossgarten nun auch im Oberen Schlossgarten eine weitere Großbaustelle zu eröffnen.

Auch bei Umweltverbänden und in der Öffentlichkeit stießen die Pläne auf Kritik. Doch die Intendanz der Staatstheater, insbesondere der 2018 scheidende Opernchef Jossi Wieler, ließ nicht locker und brachte den in ihren Augen unansehnlichen See immer wieder ins Spiel. Die beiden anderen nach mehreren Suchläufen übrig gebliebenen Standorte – das frühere Paketpostamt an der Ehmannstraße und ein Areal beim Mercedes-Museum – scheinen den Kulturschaffenden zu riskant: Sie befürchten unter anderem Einbußen bei Besuchern und Einnahmen an einem cityfernen Standort.

Diese Argumentation macht sich nun offenbar auch die Ratsmehrheit zu eigen. OB Kuhn hatte dagegen seinerzeit seine Ablehnung des Standorts in einem Interview mit unserer Zeitung mit den Worten begründet, eine neue Großbaustelle im Herzen der City würde die Stadtgesellschaft nur schwer ­aushalten.

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