Debatte um Wildtierverbot in Ludwigsburg Stadträte fordern öffentlichen Platz für Zirkusse

Von  

Eigentlich sollte es um ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gehen – doch die Stadträte in Ludwigsburg wollen im Gegenteil wieder öffentliche Zirkusflächen schaffen.

Roncalli kommt bei seinen Darbietungen ohne Zirkustiere aus. Foto: factum/Weise
Roncalli kommt bei seinen Darbietungen ohne Zirkustiere aus. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Das Gastspiel des Circus Althoff in Ludwigsburg hat für viele Emotionen gesorgt. Die Art und Weise, wie sich der Zirkus in der Barockstadt präsentiert hat, ist im Sozialausschuss des Gemeinderates auf scharfe Kritik gestoßen. „Der Aufenthalt dort war widerrechtlich“, stellte etwa Heinz Mayer fest, der Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung in der Stadtverwaltung, „sie sind ohne jede Warnung gekommen“. Die Stadt und der Grundstückseigentümer seien vorher nicht informiert gewesen. Man habe dann aber zum Wohl der Tiere von der Räumung des Lagers abgesehen.

Die Schauspielerfamilie Weisheit hatte ein landeseigenes Grundstück an der B 27 gepachtet und Darbietungen mit Wildtieren gezeigt. Daraufhin hatten Tierschützer protestiert, die Zuschauer ließen sich aber kaum davon abhalten, die Vorführungen zwischen dem 10. und 19. November zu besuchen. Die Grünen fordern nun ein kommunales Wildtierverbot auf öffentlichen Flächen. „Wir werden dazu einen Antrag stellen“, kündigte die Fraktionschefin Elfriede Steinwand an.

SPD: Das Theater sollte in der Manege stattfinden

Doch dafür finden sich bislang wenig Mitstreiter. Im Gegenteil, Redner aus den anderen Fraktionen übten deutliche Kritik am Auftreten der Tierschützer und fürchteten gar um das Ansehen der Stadt. „Die Diskussion war unterirdisch“, erklärte etwa Ulrike Faulhaber (SPD), „das Theater sollte in der Manege stattfinden.“

Einige Räte wie Claus-Dieter Meyer (CDU) sprachen sich sogar offen für wilde Tiere im Zirkus aus: „Das ist für die Kinder eine Gelegenheit, Bezug zu den Tieren herzustellen.“Auch im Zoo seien diese schließlich eingesperrt. Allerdings habe der Ruf des Circus Althoff auch durch die aggressive Reaktion auf die Kritik gelitten.

Das wiederum brachte Oliver Kube (Ökolinx) an: „Vergleiche mit Bücherverbrennung und Judenverfolgung sind völlig daneben.“ Gabriele Moersch (Freie Wähler) äußerte Verständnis für das Anliegen der Tierschützer und sah einen allgemeinen Trend „hin zu mehr Jonglage und Artistik“. Wie beim Circus Roncalli, der nächstes Jahr erneut beim Schloss auftritt – und zwar ganz ohne Wildtiere.

Keine öffentlichen Plätze für den Zirkus

Allerdings würde ein Wildtierverbot ohnehin nur für kommunale Flächen gelten, die es in Ludwigsburg gar nicht gibt. Die Stadt hat schon vor vielen Jahren die Bärenwiese zu einem Parkplatz umgebaut, seither gibt es keine öffentlichen Zirkus-Flächen mehr. Zuletzt gastierte 2009 Charles Knie, Roncalli residiert auf dem Schlossareal.

Das Fehlen von Flächen wurde von allen Rednern im Ausschuss bedauert. „Ein Zirkus gehört zur Tradition in Ludwigsburg“, erklärte Ulrike Faulhaber. Und Gabriele Moersch lobte die Zirkus-Atmosphäre auch bei Circus Althoff und forderte: „Wir sollten das künftig anders regeln.“ Der FDP-Rat Johann Heer versuchte es mit einem Appell: „Wir brauchen dringend wieder einen Platz für den Wanderzirkus.“

Das Ansinnen hat der Baubürgermeister Michael Ilk sogleich aufgegriffen. „Zuletzt gab es im Jahr 2012 einen Suchlauf, allerdings ohne Ergebnis“, erklärte er. Gern suche man erneut nach Flächen für einen Zirkus – mit Tieren oder ohne Tiere.