Debatte um zweites Stuttgarter Rathaus CDU hält Kritik am Office Hub für reichlich spät

Der Plan, auf diesem Areal in Möhringen einen großen Verwaltungstrakt anzusiedeln, wird kontrovers diskutiert. Foto: W2 Development/i

Die CDU hält die Kritik diverser Ratsfraktionen an der Absicht, in Möhringen ein zweites Rathaus anzusiedeln, für nicht nachvollziehbar. Der Beschluss sei schließlich einstimmig gefallen. Aber auch städtische Mitarbeiter sehen den angestrebten Umzug skeptisch.

In der Diskussion um den richtigen Standort für eine Art zweites Rathaus hat die CDU-Fraktion sich verwundert über die kritischen Stellungnahmen einzelner Fraktionen gezeigt. Es sei schwer verständlich, dass nach den einhelligen Voten in allen Ausschüssen sowie im Gemeinderat nun im Nachhinein das Projekt in Frage gestellt werde, so der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz gegenüber unserer Zeitung. Der Gemeinderat hatte in der Sitzung vor der Osterpause einstimmig die Absicht bekundet, zwei schlüsselfertige Immobilien des Projektentwicklers W2 im Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen mit einem Volumen von 35 000 Quadratmetern zum Preis von 300 Millionen Euro erwerben zu wollen.

 

Daran hatte sich zunächst Kritik aus der Immobilienbranche entzündet. Der Kaufpreis sei überhöht, zudem seien alternative Angebote und Bestandsimmobilien, die zur Verfügung stünden, nicht berücksichtigt worden, hieß es. Weil CDU-Stadtrat Jürgen Sauer im Brotberuf Pressesprecher und Marketingchef von W2 ist, wurden gar politische Seilschaften hinter dem Immobiliendeal vermutet. Sauer, so der Vorwurf, habe seine Beziehungen zu dem für die Liegenschaftspolitik zuständigen Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) spielen lassen.

Uhland-Karree steht nicht zum Kauf zur Verfügung

Im Nachgang der Berichterstattung hatten sich dann auch die SPD, das Linksbündnis und die Freien Wähler mit kritischen Anmerkungen zu Wort gemeldet. Alle genannten Fraktionen hatten allerdings zuvor der Kaufabsicht zugestimmt. Die SPD will den Grundstückspreis nochmals prüfen lassen, und die Freien Wähler brachten Alternativen ins Spiel. Das Linksbündnis fuhr gleich ganz schwere Geschütze auf und forderte, dass die Stadt „dem Verdacht der Korruption und Vetterleswirtschaft“ nachgeht. Für CDU-Fraktionschef Kotz hätte man über diese Dinge im Vorfeld sprechen können. „Dass man nach einem einstimmigen Votum in den Gremien nun das Projekt infrage stellt, finde ich mehr als fragwürdig.“

Zumindest ein als Alternative ins Gespräch gebrachtes Grundstück steht nach Informationen unserer Zeitung gar nicht zur Verfügung: Das bisher von der Allianz genutzte Uhland-Karree steht überhaupt nicht zum Verkauf, so Insider aus der Immobilienwirtschaft. Die Stadt will aber – mit dem Segen des Rats – kaufen und nicht nur mieten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende kann sich auf dem anderen, ebenfalls als möglicher Verwaltungstrakt genannten Bollwerk-Areal eher Wohnungen als ein zweites Rathaus vorstellen. Und der von seiner Fraktion selbst ins Gespräch gebrachte Neckarpark sei für ein zweites Rathaus nach Angaben der Verwaltung zu klein, so Kotz.

Städtische Mitarbeiter kritisieren Ämterverlagerung auf die Filder

Unterdessen melden sich auch aus der Verwaltung kritische Stimmen zu Wort, die einen Umzug nach Möhringen für problematisch halten. Zentrumsnahe Arbeitsplätze seien gerade für neue, junge Mitarbeiter ein Pfund, mit dem man wuchern könne, so der Tenor der Kritik. Ansonsten dürfte es schwer werden, die vom Gemeinderat immer wieder aufs Neue bewilligten Stellen auch zu besetzen. Vereinzelt gebe es sogar Mitarbeiter, die eine Kündigung in Erwägung zögen, sollten sie wie geplant Anfang 2025 auf die Filder umsiedeln müssen.

Bemängelt wird auch die große Entfernung des Standorts zum Rathaus: Wenn Mitarbeiter bei Gremiensitzungen zugegen sein müssten, gehe der Anfahrtsweg zu Lasten der Effektivität in den Ämtern und führte dann wieder zu Kritik an den Beschäftigten.

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