Debatte Wie Industrie und Wissenschaft kooperieren

Die Pharmaindustrie will künftig bei Kooperationen mehr auf Transparenz achten. Foto: Keystone
Die Pharmaindustrie will künftig bei Kooperationen mehr auf Transparenz achten. Foto: Keystone

Bei der Suche nach neuen Arzneimitteln wird grundlegende Forschung immer wichtiger. Daher ging es bei einer Podiumsdiskussion auf der diesjährigen Nobelpreisträgertagung in Lindau um die künftige Zusammenarbeit der beiden Partner.

Wissenschaft: Klaus Zintz (Zz)
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Lindau - Die Pharmaindustrie verändert sich. Stand früher die reine Suche nach neuen Wirkstoffen im Vordergrund der Arzneimittelforschung, so geht es heute zunehmend um das grundsätzliche Verständnis von Krankheiten. Denn wenn man deren Ursachen genau kennt, kann man gezielt neue Medikamente entwickeln. Das aber ist selbst für große Pharmaunternehmen eine immense Herausforderung. So verwundert es nicht, dass die Branche verstärkt die Zusammenarbeit mit Forschern außerhalb der Industrie sucht. Umgekehrt wächst weltweit der Druck vor allem auf die Universitäten, den Geldgebern stets auch den angewandten Nutzen ihrer Forschung aufzuzeigen. Da bietet sich eine Kooperation mit der Industrie an.

Dieses Spannungsfeld wurde auch auf der diesjährigen Nobelpreisträgertagung in Lindau aufgegriffen. Dort diskutierten Vertreter aus Industrie und Wissenschaft bei einer Podiumsdiskussion über künftige Wege der Zusammenarbeit. Dabei wurde immer wieder klar, dass an oberster Stelle das gegenseitige Vertrauen stehen muss – und dass dieses in der Vergangenheit immer wieder arg strapaziert wurde. Umso wichtiger sei es, Kooperationen transparent zu gestalten. Zudem sollte dafür gesorgt werden, dass sämtliche Daten, die in gemeinsamen Projekten gewonnen wurden, auch wirklich beiden Seiten uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Die Suche nach neuen Wirkstoffen ist mühsam

Einig waren sich die Fachleute, dass das  gemeinsame Interesse an einem Forschungsgebiet das oberste Motiv für eine Zusammenarbeit sein muss. Der Wunsch nach einer lukrativen Drittmittelfinanzierung sollte auf Seiten der Wissenschaft jedenfalls keine Rolle spielten. Der US-Forscher Bruce Beutler, Medizin-Nobelpreisträger des Jahres 2011, ist außerdem überzeugt, dass eine „organisch gewachsene“ Zusammenarbeit am besten funktioniert. Und dass es definitiv hilft, wenn die „persönliche Chemie“ stimmt.

Auch Kemal Malik, der im Vorstand des Pharmakonzerns Bayer für Innovationen sowie die Regionen Nord- und Lateinamerika zuständig ist, hält gegenseitiges Verständnis für die wichtigste Voraussetzung einer Kooperation. Zudem betont er, dass die Konditionen für die Zusammenarbeit genau festgelegt werden sollten – es sei wichtig und lohnend, sich dafür ausreichend Zeit zu nehmen. Malik beruhigte eine Nachwuchsforscherin, die sich Sorgen machte, es könnten bei einer Kooperation keine für die Industrie brauchbaren Ergebnisse herauskommen: Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen, sagte der Bayer-Manager, müsse man stets mit dem Scheitern rechnen – schließlich würden 99 Prozent aller Recherchen im Sand verlaufen.

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