Der selbst verordnete Sparkurs der Gemeinde Aidlingen ist holprig und gerät mitunter fast zum Schlingerkurs. Das zeigte sich am Donnerstagabend bei der Sitzung des Aidlinger Gemeinderats. Verwaltung und Gemeinderat sind sichtlich bemüht, Einsparpotenziale zu suchen – wie gut das gelingt, muss sich aber erst noch zeigen.
Eine dezidierte Meinung zu dieser Frage haben Willi Reiss und Reinhold Poos. Die beiden Ruheständler waren wieder einmal in die Sitzung gekommen, um in der Bürgerfragestunde unangenehme Fragen zu den Gemeindefinanzen zu stellen. Eines ihrer Hauptthemen sind die seit 2019 ausstehenden Jahresabschlüsse – eine Altlast aus der Amtszeit von Helena Österles (CDU) Vorgänger Ekkehard Fauth. Bei der letzten Haushaltseinbringung vor anderthalb Jahren hatte die damalige Kämmerin Fiona Rennert die Fertigstellung für September 2024 in Aussicht gestellt. Ein Jahr später liegen die Abschlüsse noch immer nicht vor.
Allerdings hat die Kämmerei auch turbulente Zeiten hinter sich: Fiona Rennert hat im Frühjahr gekündigt, ihre bisherige Stellvertreterin Michelle Lang trat erst im Sommer ihre offizielle Nachfolge an. „Es fehlen aber noch zwei Stellen“, verwies Bürgermeisterin Österle auf die prekäre Personalsituation in der Finanzverwaltung. Man wolle nun aber zeitnah mit den Jahresabschlüssen beginnen.
Reiss und Poos stellten darüber hinaus Fragen zum ebenfalls ausstehenden Bericht der Kommunalaufsicht, den hohen Abwassergebühren sowie zum Schuldenstand, der laut Willi Reiss bald auf rund 28 Millionen Euro anwachsen könnte. Reiss rechnete die dabei zu erwartende Zinslast vor und wollte wissen, wie die Gemeinde die zur Tilgung notwendigen Einnahmequellen generieren wolle. „Wir nehmen das einfach mit in die nächste Runde“, beendete die Bürgermeisterin die Diskussion vorerst.
Danach entbrannte eine Debatte um die Beschaffung eines neuen Dienstfahrzeuges für den gemeindlichen Vollzugsdienst. Ordnungsamtsleiter Jugoslav Lukic erklärte, dass der bisher verwendete Polo gravierende Mängel aufweise und keinen TÜV mehr bekommen habe, weswegen er darauf drängte, im aktuellen Haushalt außerplanmäßig den Kauf eines neuen Autos für rund 40 000 Euro zu genehmigen. Beim Gemeinderat stieß er damit auf Unverständnis – zumal man das 13 Jahre alte Auto für rund 800 Euro wohl noch durch den TÜV hätte bringen können. Das Gremium lehnte den Antrag schließlich mit großer Mehrheit ab – der Autokauf muss bis zum nächsten Jahr warten.
Treppenwitz im Gemeinderat: „Ist das Ding mit Blattgold verlegt?“
Ebenfalls vom Tisch sind bis auf Weiteres die Pläne für die Sanierung der Treppe beim Paul-Wirth-Bürgerhaus in Dachtel. Die Gemeinde hatte ein Angebot dafür eingeholt, doch mit 95 000 Euro liegt das Aidlinger Gartenbauunternehmen um fast das Doppelte über den ursprünglich erwarteten Kosten von 50 000 Euro. „Ist das Ding mit Blattgold verlegt?“, witzelte Siegmund Zweigart von den Grünen-Fraktion.„Warum brauchen wir die überhaupt?“, wollte SPD-Rat Achim Haustein wissen und schlug überraschend vor, doch einfach komplett auf die Treppe zu verzichten. Schließlich komme man von der anderen Seite ja auch von der Parkplatzebene zum Bürgerhaus. Nach langer Debatte lehnte das Gremium den Bau der Treppe einstimmig ab und beschloss, die weitere Entscheidung an den Dachteler Ortschaftsrat zurückzugeben.
Einen kleinen Lichtblick in Sachen Finanzen gab es übrigens auch in der fast dreistündigen öffentlichen Sitzung: Kämmerin Michelle Lang legte für den Kernhaushalt einen Zwischenbericht vor, der für 2025 auf ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet hoffen lässt. Demnach kann Aidlingen mit Mehreinnahmen von rund 1,2 Millionen Euro planen – vor allem durch höhere Steuererträge, aber auch wegen geringerer Ausgaben. Einige geplante Investitionen verzögern sich, wodurch der Finanzierungsbedarf sinkt. Kredite sind nicht nötig.