Öffnungszeiten der Stuttgarter Bäder Heftige Proteste gegen das Bäderkonzept

Von Georg Linsenmann und  

Stammgäste und Bezirksbeiräte wollen, dass das Hallenbad Heslach und das Leo-Vetter-Bad wie bisher für alle geöffnet bleiben. Die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Ost spricht von einer „Riesensauerei“.

Schon ab 1. Mai soll es im Hallenbad Heslach (Foto) und im Leo-Vetter-Bad in Stuttgart-Ost weniger Schwimmkurse geben. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth (Archiv)
Schon ab 1. Mai soll es im Hallenbad Heslach (Foto) und im Leo-Vetter-Bad in Stuttgart-Ost weniger Schwimmkurse geben. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth (Archiv)

S-Ost/S-Süd - Die von den städtischen Bäderbetrieben geplante massive Einschränkung von Öffnungszeiten für die Allgemeinheit im Hallenbad Heslach und im Leo-Vetter-Bad sorgt in beiden Stadtbezirken und darüber hinaus für helle Aufregung. Die Bezirksbeiräte von Stuttgart-Süd und -Ost haben die Beschlussvorlage in außergewöhnlich gut besuchten Sitzungen diskutiert, im Osten wurde die Vorlage einstimmig abgelehnt.

Mehr als 50 Bad-Nutzer in der Sitzung

Kein gutes Haar wurde im Bezirksbeirat Süd am „Bäderentwicklungsplan 2030“ gelassen. Dieser sieht für das Hallenbad Heslach eine Reduzierung der Öffnungszeiten von derzeit 61 auf 37 Wochenstunden vor. Die so der allgemeinen Öffentlichkeit vorenthaltenen Öffnungsstunden sollen Schulen und Vereinen zugeschlagen werden. Darüber hinaus soll das Bad – wie auch das Leo-Vetter-Bad – während der Freibadsaison ganz geschlossen und das Personal in den Freibädern eingesetzt werden. Im Gremium fand das einzig Ernst Udo Abzieher (AfD) „einleuchtend“. Massive Kritik kam aber auch von den über 50 Bürgerinnen und Bürgern, die Rederecht erhielten. Abgestimmt wurde im Süden nicht.

Das Vorhaben sei faktisch ein „Schrumpfungsplan“ für das Heslacher Bad, ein Rückbau, widersinnig, eine Katastrophe, nicht akzeptabel: So lauteten die Stellungnahmen im Bezirksbeirat quer durch die Fraktionen. „Wir wehren uns vehement dagegen“, betonte Christine Speyer (Bündnis 90/Die Grünen). Roland Petri (CDU) fand, dass so „Stadtbezirke gegeneinander ausgespielt werden“. Vehement sprach sich Jens Hermann (Stadtisten) dagegen aus, „dass der Sonntag als Familienschwimmtag aufgegeben und die Vereine den Riesenbatzen obendrauf bekommen“. Es können nicht sein, „dass man für jeden Pups in einen kostenpflichtigen Verein muss“. Wie im Gremium wurde auch im Publikum bezweifelt, dass Vereine die Kapazität zur Übernahme der Stunden haben.

Auch Saunabetrieb und Frauentag betroffen

Es kamen noch weitere Aspekte zutage. Etwa, dass selbst Schwimmkurse der Bäderbetriebe in Gefahr sind, die während der Öffnungszeiten stattfinden: „Es geht um 700 bis 800 Kinder. Das kann kein Verein im Ehrenamt übernehmen“, meinte ein Angestellte. Zumal auch Vereine händeringend nach Schwimmtrainern suchten, wie bestätigt wurde. Betroffen wären auch eine Reihe privater Kurse in kleinen Gruppen, von Kleinkindern aufwärts. Verloren gehe auch Kapazität für ältere Leute. Betroffen wäre auch der durchgehend geöffnete Saunabetrieb und der Frauentag.

Dass das Hallenbad Heslach auch stark vom Bezirk West genutzt wird, wurde durch eine ganze Reihe von Wortmeldungen deutlich. Schockiert zeigt sich ein Vater zweier Kinder: „Man muss Eltern die Möglichkeit geben, mit kleinen Kindern das Schwimmen zu üben.“

Konzept im Osten einstimmig abgelehnt

In der Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost äußerten ebenfalls zahlreiche Stammgäste des Leo-Vetter-Bades, Eltern und auch Schwimmlehrer ihr Unverständnis über die Bad-Pläne. Dabei wurde einerseits auf die Bedeutung des Bades für Eltern, die ihren Kindern schwimmen frühzeitig beibringen wollen, hingewiesen, andererseits auch auf die wichtige Rolle des Bades als Begegnungsstätte und Treffpunkt für Menschen aus dem ganzen Stadtbezirk und darüber hinaus. Auf Plakate hatten sie geschrieben „Reiches Stuttgart – Armer Leo?“ und „Gefährden so prestigeträchtige Projekte wie das Sportbad Neckarpark die Finanzierung des Breitensports?“

Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier bezeichnete die Pläne als „Riesensauerei“ und fragte sich, ob diese aus Inkompetenz oder aus Böswilligkeit heraus entstanden seien. Bernhard Herp (CDU) wies darauf hin, dass das Leo-Vetter-Bad von der Stadt in der Vergangenheit immer als „öffentlichkeitsorientiertes Bad“ definiert worden und regelmäßig saniert und erneuert worden sei. Jörg Trüdinger (SPD) sprach von einem „Bäderkahlschlagsplan“. Die Pläne wurden einstimmig abgelehnt.

Das Bäderkonzept war auch Thema in der Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Nord. Dort wurde ein CDU-Antrag, im neuen Rosensteinquartier ein Hallenbad mit einem 25-Meter-Becken zu planen, einstimmig angenommen.

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