Auch während der Führung gehen die Arbeiten am Deckenelement weiter. Foto: K- Ruess
Eine 850 Meter lange Überdeckelung soll die Anwohner der A 81 vor deren Lärm schützen. Die Entstehung des Deckels ist ein Mammutprojekt und ein Blick hinter die Kulissen begehrt.
Käthe Ruess
07.07.2025 - 18:01 Uhr
Die Dimensionen des künftigen 850 Meter langen Lärmschutzdeckels sind gewaltig und beeindruckend: Wer schnell genug war, um einen der insgesamt rund 100 Plätze bei vier Führungen zu ergattern, hatte am Samstag die Gelegenheit, Einblicke in die Tunnelbaustelle zu gewinnen.
Neben Warnwesten und Helmen gehören auch Headsets zur Ausrüstung der Besuchergruppen, die von der Brücke, die über die Gleise am S-Bahn-Halt Goldberg führt, starten. Über diese können die Teilnehmenden den Erklärungen von Deges-Projektleiter Johannes Kuhn trotz des Baulärms gut folgen.
Der Besuch auf der Baustelle bremst die Arbeiten nicht
Denn die Arbeiten gehen trotz der Besichtigungen weiter. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Baugesellschaft, kurz Deges, ist für die Erweiterung des rund sechs Kilometer langen Autobahnabschnitts zwischen den Anschlussstellen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb von zwei auf drei Fahrstreifen pro Richtung zuständig.
Über eine steile Bautreppe im Betriebsgebäude, das prominent in der Tunnelmitte über dem Bauwerk thront und in dem alle technischen Komponenten wie Beleuchtung, Lüftung, verschiedene Funknetze und Löschwasser zusammenlaufen, geht es in die Tiefe. Unten erhellt ein schmales Lichtband an einer der Tunnelwände die Szenerie.
In diesem Bereich ist die Tunneldecke bereits geschlossen. Inzwischen ist dies bei mehr als der Hälfte der insgesamt 84 Tunnelblöcke, aus denen das Bauwerks besteht, der Fall. Ein Block besteht aus einem Deckenelement, einer Bodenplatte und den Wänden.
Bereits fertig ist die Tunnelhälfte, die nach Osten Richtung Breuningerland geht. Auf der Westseite fehlen nur noch drei Bodenplatten. Ende Juli wird die letzte betoniert. Bei den Wänden seien sie dem Zeitplan deutlich voraus, berichtet Kuhn. Pro Woche schaffen sie zwei Bodenplatten und einen Satz Wandelemente. Für einen Deckenabschnitt brauchen sie zehn Tage.
Bei Bedarf wird der Seitenstreifen frei gegeben
Zuerst bewegt sich die Besuchergruppe durch die Nordröhre, in der der Verkehr künftig in Richtung Singen rollen wird. Drei Fahrstreifen plus einen überbreiten Seitenstreifen, der bei Bedarf – etwa im Berufsverkehr – freigegeben werden kann, wird es dann geben. Anfang 2027 wird in dieser Röhre zunächst der gesamte Verkehr fließen, jeweils auf zwei Fahrspuren in jeder Richtung. Bis es so weit ist, muss nach Abschluss der Rohbauarbeiten im kommenden Frühjahr noch der Innenausbau erfolgen.
Neben der gesamten Sicherungstechnik fehlt auch noch der Fahrbahnaufbau. Aktuell beträgt der Abstand zwischen Boden und Decke knapp sechs Meter. Wenn die Fahrbahnschichten fertig sind, liegt die lichte Höhe bei rund fünf Metern.
Kunststofffasern sollen den Beton schützen
Dann sind die Notausgänge, durch die die Menschen im Fall, dass in einer der beiden Röhren ein Feuer ausbrechen sollte, in die jeweils andere gelangen, ebenerdig erreichbar. Für die Führungsteilnehmer ging es noch drei provisorische Holzstufen hinauf und hinunter zwischen den beiden Röhren. Zusätzlich werden im Ernstfall Ventilatoren dafür sorgen, dass die Röhre schnell entraucht wird.
Um Abplatzungen beim Beton zu verhindern, die normalerweise durch Hitzeeinwirkung entstehen, sind den Betonmischungen in Wänden und Decken Kunststofffasern beigefügt. Diese würden im Brandfall schmelzen und Platz schaffen für das Porenwasser im Beton, das sich so ausdehnen kann.
Die Dimensionen beeindrucken die Interessierten bei der Führung durch den Projektleiter Johannes Kuhn (Bildmitte, hinten) Foto: K. Ruess
Am Startpunkt der Führungen informieren weitere Deges-Mitarbeiter an Ständen über die verschiedenen Baumaßnahmen, die auf dem gesamten Autobahn-Teilstück laufen. Änderungen stehen demnächst wieder an der Anschlussstelle Sindelfingen-Ost geben.
Bald wird auch die Auffahrt in Richtung Stuttgart gesperrt
Seit der Vollsperrung im Mai ist bereits die Ausfahrt in Richtung Stuttgart zu. Voraussichtlich ab dem Wochenende 19./20. Juli wird dann auch die Auffahrt in Richtung Stuttgart geschlossen, nachdem die Kanalbau-Arbeiten in diesem Bereich auf der sogenannten „Inselbaustelle“ in diesem Bereich abgeschlossen sein werden.
Dann kann der gesamte Verkehr auf die nördliche Fahrbahn geführt, um mit dem weiteren Ausbau der Trasse in Richtung Stuttgart zu beginnen.
Sperrung 1: Vom 25. bis 27. Juli wird die Strecke gesperrt, weil die provisorische Brücke an der Wolfgang-Brumme-Allee wird eingehoben wird. Die Sperrung dauert von Freitagabend bis Sonntagmorgen.
Sperrung 2: Vom 8. bis 11. August wird die Strecke gesperrt, weil die alte Brücke über die Autobahn in der Wolfgang-Brumme-Allee abgebrochen wird. Die Sperrung dauert laut Plan 55 Stunden.