Degerloch Umbau der Hölzel-Villa dauert bis 2022

Insgesamt rund 1,85 Millionen Euro soll der Umbau am Ende kosten Foto: Thorsten Schöll
Insgesamt rund 1,85 Millionen Euro soll der Umbau am Ende kosten Foto: Thorsten Schöll

Begegnungsstätte, Kunstschule, Ausstellungs- und Seminarräume, Atelier für junge Künstler – all das soll in der ehemaligen Hölzel-Villa in Stuttgart-Degerloch demnächst Platz finden.

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Degerloch - Begegnungsstätte, Kunstschule, Ausstellungs- und Seminarräume, Forschungseinrichtung und Atelier für junge Künstler – all das soll in der ehemaligen Hölzel-Villa in Stuttgart-Degerloch demnächst Platz finden. Seit Anfang des Jahres und voraussichtlich noch bis mindestens September 2022 wird das 1905 erbaute Wohnhaus des in Stuttgart gestorbenen Malers und Wegbereiters der „ungegenständlichen Kunst“ grundlegend saniert und erweitert. Anfang dieser Woche feierte die Adolf-Hölzel-Stiftung, die Eigentümerin der Villa ist, Richtfest.

Umbau kostet 1,85 Millionen Euro

Insgesamt rund 1,85 Millionen Euro soll der Umbau in enger Kooperation mit der Stuttgarter Kunstakademie und unter Leitung der freien Architektinnen und ehemaligen Akademie-Absolventinnen Ina Westheiden und Sarah Behrens am Ende kosten. Rund die Hälfte der Summe übernimmt die Stadt Stuttgart. 250 000 Euro steuert der Verein Aktion Mensch zu, da die Einrichtung künftig mit Ausnahme des Dachgeschosses vollständig barrierefrei zugänglich sein soll. Der Rest der Baukosten werden durch Spenden sowie durch ein zinsloses Darlehen der Südwestbank abgedeckt.

Wie der Vorsitzende des Vorstands der 2005 gegründeten Adolf-Hölzel-Stiftung, Frank Oppenländer, anlässlich der Feier betonte, soll mit dem Projekt die „kunstpädagogische Strahlkraft des Künstlers“ erhalten werden. Im Erdgeschoss des von 1919 bis zu seinem Tod 1934 von Hölzel bewohnten Hauses sollen demnach „multifunktionale Ausstellungs- und Archivräume“ entstehen, in denen Veranstaltungen, Workshops oder Lesungen stattfinden können. Die neu geschaffenen Anbauten, die die Nutzfläche des Gebäudes deutlich erweitert, sollen eine Kunstschule beherbergen, deren Konzeption derzeit mit der Kunstakademie erarbeitet wird. Oppenländer sieht hier sowohl Potenzial, Jugendliche aus kunstfernen Schichten einen Zugang zur Kunst zu ermöglichen als auch hochbegabte Kunstschüler zu fördern.

Atelierwohnung für junge Künstler

Ganz im Wortsinn soll die rund 600 Quadratmeter große Villa künftig auch der Forschung an Hölzels umfangreichem kunsttheoretischen Werk mehr Raum bieten. Im Obergeschoss des Wohnhauses entsteht zudem eine Atelierwohnung für junge Künstler, die hier nicht nur künstlerisch arbeiten, sondern möglichst auch die Stiftung bei ihrer Arbeit unterstützen sollen. „Wir wollen mit unserem Projekt einen Beitrag zur Erhaltung der weit über Stuttgart hinausreichenden nationalen und internationalen Bedeutung des Lebenswerks des Künstlers leisten“, fasst Oppenländer die Funktion des künftigen Adolf-Hölzel-Hauses zusammen. Stuttgarts Erster Bürgermeister Fabian Mayer sprach in seiner Festrede von einer „großen Bereicherung für die Stuttgarter Kulturlandschaft“.

Im Atelier im ersten Stock der Ahornstraße 22 in Degerloch entstanden ab 1919 zahlreiche bedeutende Pastellarbeiten Hölzels. Der Kunstprofessor unterrichtete von 1906 bis 1919 an der Stuttgarter Kunstakademie Schüler wie Oskar Schlemmer, Ida Kerkovius oder Willi Baumeister. Auch Hölzel betrieb in seinem Wohnhaus, einem „Tatort der Moderne“, so die Stiftung, bereits eine Malschule und veranstaltete Diskussionsrunden, Vorträge und Lesungen. 2005 hatte die Enkelin des Malers, Doris Dieckmann-Hölzel, die Hölzel-Stiftung gegründet und nach ihrem Tod 2010 den gesamten künstlerischen Nachlass sowie die Immobilie der Stiftung vermacht.

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