Degerlocher Weltladen „Der Aufruf hat uns gerettet“

Der Weltladen an der Rubensstraße hat auch im Lockdown geöffnet. Foto: Archiv/Tilman Baur
Der Weltladen an der Rubensstraße hat auch im Lockdown geöffnet. Foto: Archiv/Tilman Baur

Im Spätsommer 2019 hatte sich das Team des Degerlocher Weltladens an die Öffentlichkeit gewandt, weil dem Laden die Ehrenamtlichen fehlten. Nun sehe es deutlich besser aus, sagt die neue Geschäftsführerin Brigitte Wagner im Interview.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)

Degerloch - Auch im Lockdown hat der Weltladen an der Rubensstraße geöffnet. Lebensmittel und Drogerieartikel dürfen verkauft, andere Waren bestellt und abgeholt werden. Während der Laden 2019 auf der Kippe stand, weil es zu wenige Helfer gab, lief 2020 gut. Die Geschäftsführerin Brigitte Wagner spricht über ein solides Team und die Herausforderungen der Pandemie.

Frau Wagner, wie war für Sie der Einstieg in den Weltladen mitten in der Coronapandemie?

Viele der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer habe ich über eine Video- und Telefonkonferenz kennengelernt. Das ist nicht ideal, aber das Miteinander im Team und die Bereitschaft, den Weltladen weiterzubringen, sind groß. Ich fühle mich willkommen. Die Ehrenamtlichen und der Verein haben 2020 bravourös gemeistert, der Weltladen steht gut da.

Das war nicht immer so. 2019 stand gar die Schließung im Raum, weil die Zahl der Ehrenamtlichen bis auf fünf sank.

Ja, aber davon sind wir jetzt weit weg. Wir haben 16 Ehrenamtliche und brauchen uns derzeit keine Sorgen zu machen.

Also ist der Weltladen gerettet?

Der Aufruf damals in der Zeitung hat uns gerettet. Danach haben sich viele gemeldet, die sich engagieren wollten – und die bis heute dabei geblieben sind. Und auch jetzt noch kommen Menschen auf uns zu, die uns unterstützen wollen. Wir haben einen Pool an Helferinnen und Helfern, auf die wir auch jetzt in der Coronakrise zugreifen können – viele unserer Ehrenamtlichen gehören zur Risikogruppe, einzelne wollen deswegen derzeit keine Schicht im Laden übernehmen. Aber weil wir so gut aufgestellt sind, können wir diese Wünsche erfüllen und die Arbeit auf viele Schultern verteilen.

Der Weltladen ist auch im Lockdown geöffnet?

Im ersten Lockdown hatten wir für einen Monat geschlossen. Seit dem 20. April hatte der Weltladen wieder geöffnet, anfangs mit reduzierten Öffnungszeiten. Als immer mehr Ehrenamtliche zurück in den Laden gekommen sind, wieder wie gewohnt. Auch jetzt im zweiten Lockdown haben wir geöffnet, allerdings dürfen wir nur Lebensmittel und Drogerieartikel verkaufen. Die Waren aus dem Non-Food-Bereich sind abgegrenzt, sie können aber im Schaufenster angeschaut, telefonisch oder per E-Mail bestellt und im Laden abgeholt werden. Den Lebensmittelbereich haben wir ausgebaut, mit biologischen und fair gehandelten Knabbereien, Gewürzen, veganen Aufstrichen und vielem mehr.

Was verbindet Sie mit dem Weltladen?

Ich bin den Weltläden in Stuttgart schon immer verbunden, egal, in welchem Bezirk ich gewohnt habe. Vor 40 Jahren bin ich nach Degerloch gezogen, seit 20 Jahren lebe ich in Sonnenberg. Im Degerlocher Weltladen bin ich von Beginn an Kundin gewesen. Der faire Handel ist mir ein wichtiges Anliegen. In den Weltläden kann ich sicher sein, dass die Produkte wirklich fair gehandelt sind. Ich bin auch Mitglied in der Steuerungsgruppe für fairen Handel in Möhringen.

Wie kamen Sie dazu, die Geschäftsführung des Weltladens zu übernehmen?

Ich habe mich schon länger für die ehrenamtliche Tätigkeit interessiert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf lies ein zusätzliches ehrenamtliches Engagement aber lange Zeit nicht zu. Nun sind die Kinder erwachsen, und ich habe mich als Mediatorin selbstständig gemacht. Jetzt habe ich die Zeit dafür, dass andere Dinge mehr Raum in meinem Leben beanspruchen können. Da kam ich gleich auf den Degerlocher Weltladen. Vor wenigen Jahren habe ich den Stand des Weltladens auf dem Sonnenberger Gemeindefest mitorganisiert. So kam der Kontakt zum Weltladen-Team zustande. 2020 wurde ich gefragt, ob ich mir die Geschäftsführung vorstellen könne. Dazu war ich gerne bereit und blicke nun mit Freude auf die Zeit, die vor mir liegt.

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