Deizisau Die auffälligen Flüchtlinge müssen umziehen

Der vom Landratsamt errichtete  Zaun um die Unterkunft in Deizisau wird nach Protesten wieder abgebaut. Foto: Horst Rudel
Der vom Landratsamt errichtete Zaun um die Unterkunft in Deizisau wird nach Protesten wieder abgebaut. Foto: Horst Rudel

Die Unterkunftsbaracken für Störenfriede in Deizisau werden im Sommer abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Da sich die Einrichtung für Problemfälle laut dem Esslinger Landratsamt bewährt hat, wird für sie ein anderer Standort im Kreis gesucht.

Esslingen: Jürgen Veit (jüv)
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Deizisau - Die Unterkunft für auffällige Flüchtlinge existiert laut dem Landratsamt Esslingen nur noch bis zum Sommer an der Sirnauer Straße in Deizisau. Dann sollen die Baracken abgerissen und durch einen Neubau in Systembauweise ersetzt werden. Der Landkreis hat das Baugesuch bei der Gemeinde eingereicht, und deren Technischer Ausschuss hat bereits zugestimmt. In den beiden neuen Holzhäusern sollen 130 Flüchtlinge Platz finden, aber nicht jene, die zurzeit in den Baracken leben. Für diese wird laut Peter Keck, dem Sprecher des Landratsamts, nach einem anderen Standort gesucht. Denn der Kreis wolle an dieser Einrichtung festhalten. Sie habe sich bewährt und mehr Ruhe in andere Flüchtlingsunterkünfte im Kreis gebracht.

Der Polizeisprecher Michael Schaal bestätigt das: „In Aich und in Ostfildern beispielsweise ist es seitdem generell ruhiger geworden.“ Die Unterkunft mit den Störenfrieden indes habe die Polizei „nicht mehr oder weniger als andere Einrichtungen“ beschäftigt. Zwar sei die Polizei vom Sicherheitspersonal vor Ort immer wieder nach Deizisau gerufen worden, weil es – bedingt durch „die Enge, Langeweile und Alkohol“ – zu Handgreiflichkeiten der Bewohner untereinander gekommen sei. „Gravierenden Vorfälle“ habe es aber nicht gegeben.

Die Bretterwand soll abgebaut werden

Zurzeit ist die Unterkunft an der Sirnauer Straße in Deizisau von einem Bretterzaun eingefasst, den die Kreisbehörde hat aufstellen lassen. Nach massiven Beschwerden soll er noch im Lauf dieser Woche wieder abgebaut werden. „Es gab Unzufriedenheiten auf mehreren Seiten“, räumt Peter Keck ein, der die Maßnahme mit dem „Schutz der Unterkunft“ begründet. Die Gemeinde hat auf den Zaun„ mit Unverständnis“ reagiert, wie der Bürgermeister Thomas Matrohs mitteilt. Dass dieser nun abgebaut werde, „dürfte für alle Betroffenen die beste Lösung sein“.

Der Bürgermeister übt zudem Kritik an der Betreuung für die Bewohner in den offiziell als „Entlastungsunterkunft“ bezeichneten Baracken. Diesbezüglich hätten sich die Verwaltung und der Arbeitskreis Asyl vom Landratsamt „ein besseres Konzept“ gewünscht. Eines, das bewirkt hätte, „dass im Haus weniger Streitigkeiten auftreten und damit ein paar Polizeieinsätze überflüssig gewesen wären“, erklärt Matrohs.

Ein Fazit über das Projekt will der Rathauschef zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ziehen, schließlich laufe es noch bis zum Beginn des Neubaus. Der sei bereits im vergangenen Herbst vom Gemeinderat beschlossen worden und werde jetzt vom Landratsamt umgesetzt. Wovon er als Bürgermeister aus der Lokalzeitung erfahren habe. Aber die Behörde sei schließlich die Bauherrin und bestimme deshalb auch „die Geschwindigkeit der Baumaßnahme“.

Kleinere Diebstähle im Umfeld der Einrichtung

Neben handgreiflichen Auseinandersetzungen in der Unterkunft, ist es laut dem Polizeisprecher Michael Schaal auch zu kleineren Diebstählen im Umfeld gekommen. In einem Fall wurden unter anderem Äpfel aus dem Laden einer nahe gelegenen Tankstelle geklaut. Daraufhin stellte der Bürgermeister Thomas Matrohs eine Kiste Äpfel in die Unterkunft. Was seinerzeit laut einem auf „Zeit online“ erschienenen Bericht nicht bei allen Bürgern gut ankam, weil sie es aus ihrer Sicht nicht gut hießen, eine Straftat auch noch zu belohnen.

Der Technische Ausschuss der Gemeinde Deizisau habe in seiner jüngsten Sitzung dem vom Landratsamt eingereichten Baugesuch auf dem Grundstück an der Sirnauer Straße zugestimmt, berichtet Thomas Matrohs. Damit werde Deizisau „wie jede andere Landkreiskommune die vorgegebene Aufnahmequote erfüllen“.




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