Dekan Klaus Scheffbuch „Esslingens soziales Gewissen“ im Alter von 89 Jahren verstorben

Das Foto, das der evangelischen Kirchenbezirk Esslingen aus privaten Beständen der Familie zur Verfügung stellt, zeigt Klaus Scheffbuch während seiner Zeit als Esslinger Dekan. Foto: orivat

Pietistischer Theologe, engagierter Pfarrer, ehemaliger Dekan in Esslingen: Klaus Scheffbuch hatte sich eingebracht und die Heimstatt gegründet.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Im Jahr 1977 wurde er mit 40 Jahren evangelischer Dekan in Esslingen. Er sollte dieses Amt 22 Jahre ausüben. Nun ist Klaus Scheffbuch nach Angaben des evangelischen Kirchenbezirks Esslingen im Alter von 89 Jahren verstorben.

 

Der amtierende Dekan, Klaus-Peter Lüdke, erinnert sich mit liebevollem Respekt und warmherziger Dankbarkeit an einen seiner Vorgänger. „Das soziale Gewissen Esslingens“ sei der Verstorbene gewesen. Klaus Scheffbuch habe sich für die Rechte der Arbeitnehmer, für die Schwangerschaftskonflikt- und die psychosoziale Beratung oder die Rechte der Wohnsitzlosen auf Obdach eingesetzt.

Die Trauerfeier für den ehemaligen Dekan Klaus Scheffbuch findet am Freitag, 20. März, in der Esslinger Stadtkirche St. Dionys statt. Foto: Roberto Bulgrin

Seinen Forderungen konnte der damalige Dekan durchaus Nachdruck verleihen, erinnert sich Lüdke: „Wenn sich seine Kirche nicht rasch genug bewegen ließ, gründete Scheffbuch einen Verein wie die Heimstatt oder setzte sich in der Behörde fest und pochte entschieden: ,Ich geh hier nicht raus, bevor wir eine Lösung haben’.“

Rücklagen investierte der Verstorbene in bezahlbaren Wohnraum

Kirchliche Überregulierung lehnte Scheffbuch laut Lüdke genauso ab wie den Reichtum der Kirche: „Er investierte die kirchlichen Rücklagen Esslingens in die Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum und machte sich zu einem glaubwürdigen Gesprächspartner in Stadt, Landkreis, Politik, Unternehmertum, Gewerkschaft und Kirche.“ Im Dialog von Kirchenmusik und Heiliger Schrift habe der Theologe pointierte Gottesdienste hervorgebracht, die höchst selten eine Stunde überschritten hätten.

Klaus-Peter Lüdke spricht auch die menschlich-privaten Seiten des Verstorbenen an. Beim Verfassen seiner Predigten habe er zu seiner Tabakpfeife Tonbänder seiner geliebten Bachkantaten laufen lassen: „So fromm er selbst war, ließ er doch liberale Güte walten.“ Rückhalt, Zutrauen und Vertrauen habe er seinen Pfarrern und angestellten Mitarbeitern wie auch seinen Kindern und seiner Frau gespendet. Seine Familie sei ihm überhaupt wichtig gewesen. Regelmäßig habe er mit ihr zu Mittag gegessen, und die freien Samstage seien für gemeinsame Wanderungen reserviert gewesen.

Trauerfeier in der Stadtkirche St. Dionys in Esslingen

Klaus Scheffbuch wurde laut Katalog der Deutschen Nationalbibliothek 1936 in Stuttgart geboren. Von 1965 bis 1970 war er Pfarrer in Lorch. Es folgte eine seelsorgerische Tätigkeiten an der Reuschkirche in Göppingen. Sein Amt als Esslinger Dekan trat er mit 40 Jahren an und übte es von 1977 bis 1999 aus. Von 1972 bis 1995 war er Mitglied der württembergischen Landessynode. 1999 ging er in den Ruhestand.

Die Trauerfeier findet laut Klaus-Peter Lüdke am Freitag, 20. März, um 13 Uhr in der Stadtkirche St. Dionys am Marktplatz in Esslingen statt. Im Anschluss bestehe die Gelegenheit, im Blarer-Gemeindehaus einander zu begegnen und Erinnerungen zu teilen.

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