Dem Fachkräftemangel kreativ begegnen Weil der Stadt sucht Personal – mit Kinowerbung
Fachkräfte fehlen in vielen Kommunen und besonders in Kitas. Bei der Suche nach Bewerbern setzt Weil der Stadt jetzt auf die ganz große Leinwand.
Fachkräfte fehlen in vielen Kommunen und besonders in Kitas. Bei der Suche nach Bewerbern setzt Weil der Stadt jetzt auf die ganz große Leinwand.
Wohl kaum ein Problem belastet derzeit so viele Kommunen wie der Fachkräftemangel. Besonders in den Kindertageseinrichtungen fehlt es an pädagogischem Personal, und das bereits jetzt: Zehntausende fehlende Fachkräfte werden für die nächsten fünf bis zehn Jahre prognostiziert. Wo gute Mitarbeiter rares Gut sind, wird deshalb so manche Kommune kreativ in Sachen Personalgewinnungsmaßnahmen.
In Weil der Stadt erhofft man sich seit einigen Wochen etwa mithilfe eines Kinowerbespots vermehrt Bewerber für rund acht unbesetzte Stellen im Kitabereich. Das rund eineinhalbminütige Video zeigt im Schnelldurchlauf, welche Arbeitsbereiche es im städtischen Bereich überhaupt gibt. Ein bisschen selbstironisch ist man dabei auch, zeigt etwa ein Missverständnis über den etwas ungewöhnlichen Namen der Keplerstadt. „Weil der was?“, fragt ein Protagonist. „Stadt!“ ist die Antwort.
Ausgespielt wurde das Video zwischen den Jahren in Kinos rund um Weil der Stadt, im Weil der Städter Kino soll der Werbeclip noch bis zum 22. Januar laufen. „Aus Kostengründen haben wir zunächst zwei Wochen in den Kinos in Leonberg, Böblingen, Sindelfingen und Pforzheim und vier Wochen in Weil der Stadt geworben“, berichtet Jessica Siegmund, Leiterin des Haupt- und Personalamts. Je nach Bedarf wolle man auch Social-Media-Werbung oder erneute Kinowerbung schalten. Zunächst ist das Video erst einmal auf den Sozialen Medien zu sehen und soll künftig die bisherigen Stellenanzeigen ergänzen.
Die Kosten für die Produktion liegen nach Angaben aus dem Rathaus im vierstelligen Bereich. Und sie werden an anderer Stelle eingespart, heißt es weiter, etwa bei der Veröffentlichung von Stellenanzeigen in anderen Medien. Ein richtiges Weiler Produkt ist der Clip allemal: Denn verantwortlich dafür zeichnet sich ein Weil der Städter, der sich inzwischen mit der Videoproduktionsfirma Dartfrog in Berlin angesiedelt hat. Und auch die Gesichter im Video kommen dem ein oder anderen vielleicht bekannt vor. Denn die zahlreichen Darsteller sind laut Stadtverwaltung nicht etwa professionelle Schauspieler, sondern städtische Mitarbeitende sowie Bürgerinnen und Bürger.
Besonders stark drückt der Schuh bei den fehlenden Mitarbeitenden im Kitabereich, die Stellen von rund acht pädagogischen Fachkräften sind hier derzeit unbesetzt. Außerdem vakant sind in Weil der Stadt fünf weitere Stellen im Kita-Bereich. „Neben den pädagogischen Fachkräften suchen wir auch eine Kita-Einrichtungsleitung, eine heilpädagogische Fachberatung und zwei Hauswirtschaftskräfte“, erklärt Jessica Siegmund. „Da der pädagogische Bereich auch den größten Anteil unseres Personals ausmacht, ist es zunächst nicht verwunderlich, dass wir alle Stellen für das Amt für Jugend und Soziales suchen.“ Gesucht wird aber immer wieder auch anderswo. Derzeit laufen Bewerbungsverfahren etwa für drei Stellen im Baubetriebshof oder für eine Stelle im Bürger- und Ordnungsamt.
Aufwendige und zum Teil mehrfache Ausschreibungsrunden und eine geringe Bewerberzahl würden die Besetzung dieser Stellen oft erschweren, heißt es aus dem Rathaus. „Mit dem Spot wollen wir einerseits neue Zielgruppen ansprechen, die wir mit unseren bisherigen Stellenanzeigen in Printmedien oder Online-Börsen vielleicht nicht erreichen“, sagt Jessica Siegmund. „ Andererseits können wir uns mit dem Spot als Arbeitgeberin viel umfassender präsentieren als mit einer klassischen Stellenanzeige.“