Demo gegen Antisemitismus in Stuttgart 1500 Menschen gehen für Israel auf die Straße

Rund 1500 Menschen nahmen an der Demonstration im Oberen Schlossgarten teil. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 6 Bilder
Rund 1500 Menschen nahmen an der Demonstration im Oberen Schlossgarten teil. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Im Oberen Schlossgarten ist fast zwei Stunden lang „Für jüdisches Leben in Deutschland, für Israel, gegen Antisemitismus“ demonstriert worden. Die israelische Generalkonsulin zeigt sich sehr bewegt.

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Stuttgart - Rund 1500 Teilnehmer haben am Samstagnachmittag im Oberen Schlossgarten fast zwei Stunden „Für jüdisches Leben in Deutschland, für Israel, gegen Antisemitismus“ demonstriert. Die große Teilnahme an der von der Stuttgarter Sektion der International Christian Embassy Jerusalem (ICEJ) organisierten Demonstration wurde von verschiedenen Rednern als „klares Zeichen gegen Judenhass und für Solidarität mit Israel“ bezeichnet.

Eine Einschätzung, die Stephan Lehnert (ICEJ) gleich eingangs vornahm, und wofür er mit starkem Beifall bedacht wurde. Beeindruckt von der großen Menge auf dem gut gefüllten Grün am Eckensee und Dutzenden im Winde flatternder Israel-Fahnen, fügte er hinzu: „Es ist uns ein dringendes Anliegen, eine Pflicht und eine Ehre, hier die Solidarität zu bekunden. Wir dulden keine Angriffe und Übergriffe auf unsere jüdischen Mitbürger!“

Der ICEJ-Vorsitzende Gottfried Bühler vergegenwärtigte das Geschehen der vergangenen zwei Wochen in Israel und dem Gaza-Streifen, von dem aus der jüdische Staat „von der islamistischen Terrororganisation Hamas mit Terror-Raketen beschossen wurde“. In der Folge habe sich der jüdische Staat einmal mehr „im Kampf ums Überleben“ befunden. Zu dem in der Folge hierzulande auf den Straßen sichtbar gewordenen, „aggressiven antisemitischen Klimawandel“ fordert er „Ross und Reiter zu nennen, ob er von linker, rechter oder islamischer Seite kommt“. Starken Beifall erhielt Bühler für die Forderung, dass Gelder aus Deutschland, die zur Unterstützung der Palästinenser gedacht seien, „nicht in die Schatztruhe von Hamas und Co. fließen“.

Sehr bewegt von der großen Menge an Demonstranten zeigte sich die aus München angereiste israelische Generalkonsulin Sandra Simovich, die ihren Ausführungen diesen Grundsatz voranstellte: „Über die Politik der israelischen Regierung kann man streiten, über Gewalt und Raketenterror nicht.“ Sie verteidigte die militärische Gegenreaktion Israels: „Selbstverteidigung ist keine Wahl, sie ist eine notwendige Reaktion.“ Sie beschrieb auch, wie die Hamas die palästinensische Bevölkerung als Schutzschild eingesetzt habe und forderte ebenfalls, der Terrororganisation den „Geldhahn abzudrehen“. Entsetzlich seien die zahlreichen Hass-, Gewalt- und Drohbotschaften, die sie in den vergangenen Tagen erreicht hätten. Um so dankbarer sei sie, in Stuttgart nun „wahre Freundschaft und Engagement“ erfahren zu dürfen.

„Das gefährlichste Ding auf der Welt ist der Mensch – aber auch das beste“

Große Stille herrschte, als die 90-jährige Auschwitz-Überlebende Eva Erben aus Aschkelon, nahe der Grenze zu Gaza gelegen, mit einer aktuellen Aufzeichnung zugeschaltet wurde, mit einsetzendem Sirenen-Alarm im Hintergrund. Ihre Situationsbeschreibung, in der sie die Hamas, die die eigene Bevölkerung als Schutzschild opfere, als „schreckliche, mörderische Gruppe“ bezeichnete, fasste sie so zusammen: „Das gefährlichste Ding auf der Welt ist der Mensch. Aber auch das beste.“

Bärbel Illi von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft meinte, es wäre „das Beste, wenn die Palästinenser Hamas und Fatah in die Wüste schicken und selbst mit Israel verhandeln würden, denn das könnten sie, und das wäre ein Weg zum Frieden“. Sie forderte auch, alle Beziehungen zum Iran, der die Terrorgruppen unterstütze, „einzufrieren bis das Regime das Existenzrecht Israels anerkennt“.

Die Stuttgarter Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP), auch Sprecherin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Stuttgart, machte deutlich, dass es mit der Bekundung von Solidarität um eine „klare ethisch-moralische Haltung“ gehe, „für Minderheiten und für das Lebensrecht der Mitbürger jüdischen Glaubens einzustehen“. Hassparolen auf den Straßen und der Ruf nach der Vernichtung Israels seien „nicht tolerierbar“. Dagegen gelte es, die Stimme zu erheben“. Mit Blick auf die Versammlung rief Fezer: „Wir sind viele, die hier zusammenstehen und damit dieses Zeichen aussenden!“

Als die Versammlung, die ohne Zwischenfälle verlief, beendet wurde, wurde auch dazu aufgefordert, die Israel-Fahnen beim Verlassen einzurollen: „Wir bitten Sie darum zu Ihrem eigenen Schutz.“




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