Demo gegen Rechtsextremismus in Leonberg Veranstalterin zieht positives Fazit

Klare Botschaft: Viele Demonstranten hatten Schilder mitgebracht. Foto: Simon Granville

Laut Organisatorin Angie Weber-Streibl seien zur Demonstration gegen Rechtsextremismus in Leonberg sogar mehr als die von der Polizei genannten 1200 Menschen gekommen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Angie Weber-Streibl ist noch immer hin und weg. „Ich habe so viele positive Rückmeldungen bekommen“, sagt die Grünen-Kreisrätin, die am Sonntag die DemonstrationLeonberg bleibt bunt“ organisiert hat. Sie sei etwas später vom Marktplatz in Richtung Rathaus aufgebrochen, als der Demo-Zug bereits angekommen war und die Menschen sich zerstreut hatten. „Und auf dem Weg bin ich von so vielen wildfremden Menschen angesprochen worden, ich bin immer noch völlig perplex.“

 

Demonstration als Reaktion auf die Recherchen von Correctiv

Weber-Streibl hatte die Demo samt Kundgebung organisiert als Reaktion auf eine Veröffentlichung des Recherche-Kollektivs Correctiv. Dort hatte man eine Versammlung von hochrangigen AfD-Politikern, Neonazis und finanzstarken Unternehmern aufgedeckt, die im November 2023 in einem Potsdamer Hotel über die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland diskutierten. Ob die, die von dieser als „Remigration“ betitelten Maßnahme betroffen wären, einen deutschen Pass oder eine Migrationsgeschichte haben oder nicht, spielte bei diesen Machtfantasien keine Rolle.

Laut Polizei waren zur Kundgebung auf dem Marktplatz 1200 Menschen erschienen. Weber-Streibl geht von etwa 1500 aus. „Im Vorfeld war schon klar, dass es mehr als die angemeldeten 500 werden würden“, so die Organisatorin, die sich neben der Kreispolitik auch im Netzwerk Gartenstadt engagiert – und die rundum zufrieden mit dem friedlichen Verlauf der Veranstaltung am Sonntagmittag ist. „Die Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt war toll“, sagt sie. Die Soundanlage stammte vom Jugendhausverein, dessen Technikspezialist Jakub Krawczuk sie routiniert und unaufgeregt aufbaute und bediente. „Wie die das gemanagt haben, war sensationell“, lobt Weber-Streibl. Auch die Musikbeiträge der Warmbronner Sängerin Aziza erwähnt sie begeistert.

Organisatorin ist hochzufrieden mit einfach allem

Und auch der Ablauf der Kundgebung sei ganz in ihrem Sinne gewesen, „auch wenn fast alle Rednerinnen und Redner ihre Zeit überzogen haben“. Besonders glücklich war Weber-Streibl mit dem Abschluss, bei dem Marei Drassdo von der KZ-Gedenkstätte Leonberg aus den Erinnerungen des Holocaust-Überlebenden Ernst Israel Bornstein berichtete. Dieser war auch im Konzentrationslager Leonberg, das von Frühjahr 1944 bis April 1945 existierte, zur Montage von Flugzeugteilen gezwungen worden. „Man kann den Menschen solche Erinnerungen nicht oft genug vor Augen führen“, so Weber-Streibl – die sich besonders darüber freute, dass der langjährige Vorsitzende der Leonberger Gedenkstätteninitiative bei der Kundgebung in der ersten Reihe gestanden habe, und das mit stolzen 95 Jahren.

Die Redebeiträge der einzelnen politischen Akteurinnen und Akteure möchte die Organisatorin derweil nicht kommentieren. Nur soviel: „Jeder muss selbst wissen, was er da sagt. Und die Menschen honorieren es sicher nicht, wenn man eine solche Gelegenheit für eigene Zwecke nutzt.“ Zu Wort gekommen waren Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, Grünen-Bundestagsmitglied Tobias Bacherle, Renningens Bürgermeister und Freie-Wähler-Landesvorsitzender Wolfgang Faißt, der Leonberger CDU-Stadtverbandsvorsitzende Oliver Zander, die SPD-Bundestagsabgeordnete Jasmina Hostert und der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Dieter Scheerer. Sie alle riefen die Teilnehmenden auf mal mehr, mal weniger wahlkämpferische Weise zum Zusammenhalt und zur Verteidigung der demokratischen Grundwerte auf.

Stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter?

Für Angie Weber-Streibl stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter? „Das ist ein Thema, das viele Menschen bewegt“, stellt sie fest. „Als ich am Rathaus angekommen bin, standen da immer noch viele Grüppchen beisammen und haben sich genau das gefragt.“ Denn eine Demo sei das eine – die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg das andere. „Es ist ja in letzter Zeit so: Entweder du bist mit mir, oder du wählst eine andere Partei, dann bist du gegen mich“, so die Veranstalterin. Man müsse auch in Zukunft zusammenstehen für den demokratischen Zusammenhalt.

Demonstrationen in der Region

Ludwigsburg
 Auf dem Ludwigsburger Schlossplatz hatten sich am vergangenen Samstag etwa 4000 Menschen zur Demonstration versammelt. Das Motto lautete „Nie wieder ist jetzt – In Vielfalt vereint gegen rechte Hetze“. Eingeladen zur Kundgebung am Holocaust-Gedenktag hatte die proeuropäische Bewegung Pulse of Europe gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Organisationen.

Stuttgart
 Auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz kamen am Samstag erneut mehrere Tausend Menschen zusammen, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren.

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