Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 hat am Samstag eine zweitägige Konferenz über umweltfreundlichen Bahnverkehr mit einer Kundgebung am Hauptbahnhof gestartet.

Rund 200 Teilnehmer, darunter Gegner des Bahnprojekts S21 und anderer Bundesweiter Großprojekte haben am Samstagnachmittag einer Kundgebung am Stuttgarter Hauptbahnhof gelauscht. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 hatte zu ihr und anschließend zu einer zweitägigen Konferenz unter dem Motto „Klima-Bahn statt Beton-Bahn“ im Gewerkschaftshaus eingeladen.

Prominente Redner der Kundgebung waren Helge Peukert, Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen und der von Bahnaktivisten als „Gottvater der Verkehrswende“ bezeichnete Professor Hermann Knoflacher vom Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien. „Wir raten der Bahn und den Politikern dringend, sich in anderen Städten wie Wien umzuschauen, in denen schon andere Akzente gesetzt worden sind“, sagte der ehemalige Linken-Stadtrat Thomas Adler für das Aktionsbündnis. Das Bündnis rate der deutschen Bahnpolitik und dem Bahn-Management, die inständigen Warnungen der Klimawissenschaft, dass sich das Zeitfenster, um das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen zu können, sich viel schneller schließt als erwartet, ernst zu nehmen. „Wir fordern deshalb, dass alle energieintensiven Projekte, die viel CO2 ausstoßen wie die Zusatzprojekte von Stuttgart 21 auf den Prüfstand müssen“, sagte Adler. Das Bestandsnetz der Bahn müsse attraktiviert und verbessert werden, „damit die Verkehrswende durch den Umstieg vom Auto in die Bahn verwirklicht werden kann.“

Stuttgart 21 sei ein „fossiles Großbauprojekt“

Stuttgart 21, sagte Professor Helge Peukert, sei ein „fossiles Großbauprojekt“ und bereits vor der Inbetriebnahme ein „museales Mahnmal“ für das zwei Millionen Tonnen Stahl und Beton verbaut worden seien. Für die Rettung des Klimas, führte er aus, seien auch Windräder, die ja nicht aus nachwachsendem Bambus sondern aus viel Stein bestünden und die E - Mobilität, für deren Batterien ganze Landstriche verwüstet würden, nicht die alleinige Lösung. Nötig sei auch ein verändertes Verkehrsverhalten. Er forderte unter anderem die drastische Verringerung des Auto-, Schiffs- und Flugverkehrs, den Rückbau von Straßen, kostenlosen ÖPNV, Tempolimit, an wechselnden Tagen die Fahrerlaubnis nur für Autos mit geraden und ungeraden Nummernschildern. Am besten sei es, keine Autos mehr für den rein privaten Gebrauch zuzulassen. Außerdem sollten E-Autos, nur mit grünem Strom, dessen Produktion in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden sei und den den die Hersteller bereit stellen sollten, zuzulassen. Ein unverzichtbares „Premiumelement“ zur Verhinderung der totalen Klimakatastrophe könne die Bahn sein, „mit Schweizer Taktung und japanischer Pünktlichkeit.“

Nicht nur in Deutschland, sagte Hermann Knoflacher, sondern auch in Österreich gebe es in der Bahnpolitik viele Fehlentwicklungen. Den Einfluss von Lobbygruppen in Österreich und auf EU-Ebene auf Bahnprojekte habe er als Berater eines österreichischen Verkehrsministers beobachten können. Ein weiteres Problem seien von der Privatwirtschaft finanzierte Universitätsinstitute, die den an Großprojekten Beteiligten die gewünschten Gutachten schrieben. Schnelle Züge, sagte er, führten nicht allein zum Ziel, auch die Nebenstrecken müssten für ein funktionales Gesamtnetz funktionieren.

Wie von Geisterhand entrollt, prangte am Ende der Kundgebung rund 20 Meter an einem Baukran der Firma Züblin ein Transparent mit der Inschrift: Stuttgart 21 = Klimakiller.“