Eine Griechenland-Initiative hat sich bei ihrer Kundgebung gegen die Politik der EU mit den Stuttgart-21-Gegnern zusammengetan. Man wehre sich gemeinsam gegen Angela „Merkels marktkonforme Ideologie“.

Lokales: Mathias Bury (ury)

Stuttgart - Ungewohntes Bild auf dem Schlossplatz: neben Transparenten gegen Stuttgart 21 schwenkten Teilnehmer der 277. Montagsdemo dieses Mal auch griechische Nationalflaggen. Von der Bühne rief Anna Ioannidou ins Mikrofon: „Ochi – Nein zum Spardiktat der Institutionen.“

Das Miteinander hatte einen einfachen Grund: Um kurzfristig noch eine Demonstration vor dem Volksentscheid in Griechenland organisieren zu können, hatte die Mitgründerin der Initiative Neue Hellenische Gemeinde Stuttgart die Macher der Montagsdemo gefragt, ob man sich zu ihnen gesellen könne. „Die hatten ja immer wieder Solidaritätsbeiträge zu Griechenland gemacht“, sagt Anna Ioannidou.

Für Thomas Adler, der für die Linke im Gemeinderat sitzt, war die Zusage eine Selbstverständlichkeit. „Bei uns wie in Griechenland geht es um ein Bürgerbegehren – dort eben gegen das Diktat der Troika.“ Auch S-21-Redner Hannes Rockenbauch von der SÖS betonte die Gemeinsamkeiten. In der Politik von Stadt, Land und Europa kämpfe man immer an gegen „Merkels marktkonforme Ideologie“.

Wie viele der Teilnehmer aus welchem Anlass kamen – die Veranstalter sprachen von 2000, die Polizei von etwa 600 –, ließ sich nicht ausmachen. Die Haltung aber war klar. „Ich bin gegen die Versklavung Griechenlands“, sagte der 23 Jahre alte Student Alexander Bea, dessen Mutter Griechin ist. „Es geht um Menschlichkeit – in Griechenland steht eine humanitäre ­Katastrophe bevor.“ Eleni Sidiropoulou glaubt an eine Lösung im Streit von EU und griechischer Regierung, „stattdessen aber bestraft die EU das ganze griechische Volk“. Die 58-Jährige aus Mitte leidet mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, die in Alexandroupoli im Norden Griechenlands leben. Und Despina Karypida ist überzeugt, dass das Land aus dem Euro aussteigen muss. „Wir können das nicht, und wir brauchen auch kein Geld für die Banken“, sagt die 37-Jährige aus dem Norden. Sie wird zur Volksabstimmung nach Griechenland fliegen. So wie Vasiliki Kerdemelidou. Die 67 Jahre alte Rentnerin war früher immer bei den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 – diesmal hatte sie ein Fähnchen mit der griechischen Flagge dabei.

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