Demo in Leonberg Rentner protestieren gegen Flüchtlingsheim

Die Polizei ist sicherheitshalber beim Protest von Senioren gegen ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft vor Ort. Foto: Simon Granville

Anwohner einer Seniorenanlage in der Stadtmitte sorgen sich um den Frieden, sollten nebenan Flüchtlinge einziehen. Am Dienstagabend haben etwa 100 Bürgerinnen und Bürger vor dem Rathaus protestiert.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Ungewohnter Auftrieb vor dem Leonberger Rathaus am Dienstagabend kurz vor der Sitzung des Gemeinderates: Mehr als 100 Menschen, die meisten Bewohner einer Seniorenanlage, demonstrierten gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft neben ihrem Gebäude in der Stadtmitte.

 

Stadtpark als Hotspot?

Das Landratsamt Böblingen will in einem ehemaligen Pflegeheim am Rande des Stadtparks rund 200 Flüchtlinge unterbringen. Dagegen gibt es Protest. Könnte durch so viele Menschen in zentraler Lage das ganze Umfeld leiden, insbesondere das benachbarte Leo-Center? Wird es im Stadtpark womöglich abends noch gefährlicher als es mitunter jetzt schon ist? All diese Fragen werden heftig diskutiert, seitdem unsere Zeitung über die Absichten des Landratsamtes berichtet hat.

Die Senioren, die direkt neben dem geplanten Standort leben, betonen, dass es ihnen nicht um das grundsätzliche Thema geht: „Wir sind nicht gegen eine würdige Unterbringung der Menschen“, sagte Kirsten Deuschle, die Sprecherin der Anwohner. „Aber wir sind gegen den Standort.“ Das Gebiet mit zahlreichen Hochhäusern sei schon jetzt problematisch, viele ältere Menschen hätten Angst, berichtete sie dem Sozialdezernenten des Landkreises, Dusan Minic, der zu den Demonstranten gekommen war.

„Wir werden immer wieder von jungen Männern belästigt und sogar bedroht“, gab Kirsten Deuschle die Sorgen der Anwohner wieder. Sollten in dem benachbarten Pflegeheim Flüchtlinge einziehen, so gäbe es für beide Häuser nur einen Eingang und gemeinsame Sitzflächen.

Minic versprach, dass in der möglichen Flüchtlingsunterkunft Wachpersonal eingesetzt werde. Barbara Lohner, die Leiterin der Sozialbetreuung in Flüchtlingsunterkünften, versicherte, dass dort pädagogisches Personal präsent sein werde, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Wirklich beruhigen konnten diese Aussagen die Demonstranten nicht. Denn Familien würden in dem ehemaligen Pflegeheim kaum einziehen. „Das sind kleine Zimmer, in denen allenfalls zwei Personen Platz haben“, sagte Deuschle. „Wenn nicht alles umgebaut wird, dürften dort vor allem Männer untergebracht werden.“ Die Senioren wollen mit ihrem Protest nicht nachlassen.

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