Demografie im Kreis Ludwigsburg Was zu tun ist, wenn die Welt enger wird

Von Susanne Mathes 

Bis zum Jahr 2020 werden im Kreis rund 450 weitere Dauerpflegeplätze benötigt. Ein Demografieforum im Landratsamt befasst sich mit dem Thema „Herausforderungen in der Pflege – Die Rolle von Politik, Kommunen und Arbeitgebern“.

Kurzzeitpflegeplätze, die pflegende Angehörige entlasten können,  sind rar im Kreis. Foto: dpa
Kurzzeitpflegeplätze, die pflegende Angehörige entlasten können, sind rar im Kreis. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg - Irgendwann kann es jedem so gehen wie der alten Frau, die ein Brot kaufen will, und der die Bäckereiverkäuferin schonend beibringt, dass sie den Einkauf doch schon ein paar Stunden zuvor getätigt hat. „Wenn die kognitiven Einschränkungen oder der körperliche Abbau beginnen, dann wird die Welt enger“, erklärt Heike Dierbach, Fachbereichsleiterin Soziales, Pflege und Versorgungsangelegenheiten im Landratsamt, anhand dieses Beispiels. Wenn alte Menschen zuhause leben, aber zunehmend auf andere angewiesen sind und ihr Aktionsradius immer kleiner wird, kommt den Kommunen eine besondere Verantwortung zu: Sie haben es in der Hand, lokale Strukturen zu schaffen, die gegenseitige Sorge und bürgerschaftliches Engagement zugunsten der Senioren fördern.

Dass rechtzeitige Weichenstellungen dafür im bevölkerungsreichen Kreis Ludwigsburg ein relevantes Handlungsfeld sind, dafür will das Landratsamt Kommunalpolitikern, Arbeitgebern und Bürgern am kommenden Dienstag bei einem Demografieforum unter dem Titel „Herausforderungen in der Pflege“ den Blick schärfen.

Rund 10 000 Pflegebedürftige leben im häuslichen Umfeld

4387 Menschen leben in den 75 Pflegeheimen und zwei Pflegewohngemeinschaften im Kreis. Zum Jahr 2020 werden aber 4828 Dauerpflegeplätze benötigt – so sieht es der aktuelle Kreispflegeplan vor. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten also in den nächsten anderthalb Jahren noch 441 Plätze geschaffen werden. Verschärfend kommt hinzu, dass noch 529 Doppelzimmer belegt sind, ab September 2019 aber nur noch Einzelzimmer erlaubt sein werden. Das Landratsamt erhebt zurzeit, wie viele dieser Doppelzimmer mit Genehmigung der Heimaufsicht auch nach 2020 weiterbetrieben werden könnten.

Rund 10 000 Pflegebedürftige hingegen leben im häuslichen Umfeld. Von ihnen nehmen 7000 keine professionelle Hilfe, etwa von ambulanten Diensten, in Anspruch, sondern werden von Angehörigen betreut. „Diese 10 000 Menschen“, sagt Heike Dierbach, „sind nur diejenigen mit Pflegegrad.“ Die Zahl derjenigen, die Unterstützung benötigten, aber keinen Pflegegrad besäßen, sei nicht erfasst.

Mit Andreas Kruse sitzt ein ausgewiesener Fachmann auf dem Podium

Dass es den Kommunen ein zentrales Anliegen sein sollte, das Weiterleben alter Menschen zuhause zu unterstützen und pflegenden Angehörigen dafür bestmöglich unter die Arme zu greifen, steht für den Landrat Rainer Haas außer Frage: „Der Kreistag hat schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, indem er 100 000 Euro als Anreiz für Heimträger zum Schaffen von mehr Kurzzeitpflegeplätzen bereitgestellt hat.“ Auch die Pflegestützpunkte des Landkreises und der Städte Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Korntal-Münchingen, Ditzingen und Gerlingen leisteten wertvolle Arbeit.

Das Demografieforum soll Ideengeber und Initialzünder für weitere Initiativen sein. Auf dem Podium sitzt mit Andreas Kruse ein Hochkaräter für die komplexe Materie: Der Gerontologe ist verantwortlicher Autor der Altenberichte für die Bundesregierung. Der zuletzt veröffentlichte 350-Seiter hatte just das Thema „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“ im Fokus. Weitere Podiumsgäste sind der frühere Geschäftsführer der Kleeblatt-Pflegeheime, Walter Lees, sowie Michaela Noé-Bertram, Leiterin der Mitarbeiterberatung bei Bosch. Die Diskussion soll sich unter anderem darum drehen, wie die Politik mit der Pflegearbeit von Angehörigen umgeht, welche Rolle Kommunen und Gesellschaft spielen und welches Scherflein Arbeitgeber dazu beitragen können, damit Berufstätige Verwandten pflegen können.