Demografie in Baden-Württemberg Abschied von vielen Hauptschulen

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Weil den Hauptschulen die Schüler ausgehen, setzen viele Bürgermeister auf die Gesamtschule. Nur so lassen sich einigermaßen wohnortnahe Schulwege realisieren.

Weniger Schulen führt zu immer mehr Schülern, die zur Schule fahren müssen. Foto: Grohe
Weniger Schulen führt zu immer mehr Schülern, die zur Schule fahren müssen. Foto: Grohe

Tübingen - Aus der Anne-Frank-Schule in Dusslingen erreichte Bürgermeister Thomas Hölsch vor kurzem eine ernüchternde Nachricht: „Wir haben vier Anmeldungen für die fünfte Klasse der Werkrealschule“, wurde Hölsch mitgeteilt. Weiter erfuhr er: „Aber ob alle vier Schüler kommen, das wissen wir nicht.“

Damit ist offensichtlich, dass die Dusslinger Werkrealschule auf Dauer nicht zu halten sein wird. Einzig die Grundschule wird in diesem 5500-Einwohner-Ort im Kreis Tübingen bestehen bleiben. Angesichts steigender Einwohnerzahlen kann sogar mit zwei oder drei Klassen pro Jahrgangsstufe gerechnet werden. „So lässt sich planen“, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinden als Schulträger sind zuständig für Gebäude, deren Ausstattung oder auch fürs Mittagessen. „Für die Hardware eben“, sagt Hölsch schmunzelnd.

Schülerzahlen sinken bis 2025 um knapp ein Fünftel

Der demografische Wandel in Verbindung mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat dazu geführt, dass sich neuerdings bei den weiterführenden Klassen in vielen Rathäusern nicht mehr viel planen lässt. Roland Hocker, der Leiter des staatlichen Schulamts Tübingen, hat einen Powerpoint-Vortrag vorbereitet, den er in diesen Wochen vor Bürgermeistern, Bürgern oder auch Kreisräten hält. Auf den Schaubildern führt er ihnen anschaulich vor Augen, dass bis zum Jahr 2025 die Schülerzahlen in allen Schularten um knapp ein Fünftel sinken werden. Besonders hart betroffen sind die Hauptschulen und die Werkrealschulen. Zwischen 2005 und 2012 haben sich die Schülerzahlen in Haupt- und Werkrealschulen in Tübinger Schulbezirk halbiert, Tendenz weiter fallend. Realschulen und Gymnasien hingegen legten leicht zu. „Die demografische Entwicklung schlägt ausschließlich bei den Hauptschulen zu“, bilanziert Hocker. Von der Schullandschaft mit den drei Säulen Haupt- und Werkrealschule, Realschule und Gymnasium breche die erste weg.

Dramatische Folgen für die Schullandschaft

Und diese Entwicklung werde durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung noch einmal rasant beschleunigt. Laut Hocker erhalten etwa 24 Prozent der Grundschüler eine Werkrealschulempfehlung, aber nur zwölf Prozent folgen dieser, weil sich Eltern für eine andere Schulart entscheiden. Mit dramatischen Folgen für die Schullandschaft: von derzeit 49 Werkrealschulen in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen werde bis 2016 wohl nur eine einzige übrig bleiben, prophezeit der Leiter des Schulamts.

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