Demografischer Wandel Diakonie reagiert auf Fachkräftemangel

Die Diakonie in Württemberg will mehr auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, und auch mehr für ihre Mitarbeiterinnen tun. Zum Beispiel familienfreundliche Arbeitszeiten. Foto: dpa
Die Diakonie in Württemberg will mehr auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, und auch mehr für ihre Mitarbeiterinnen tun. Zum Beispiel familienfreundliche Arbeitszeiten. Foto: dpa

Mit einem neuen Konzept will die Diakonie die eigenen Mitarbeiter stärken und neue Fachkräfte gewinnen. Dazu gehören Seminare zur Stressbewältigung, Gesundheitskurse und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen.

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Stuttgart - Die Diakonie Württemberg sieht sich in doppelter Art und Weise mit dem demografischen Wandel konfrontiert. Auf der einen Seite werde es immer mehr Menschen geben, die professionelle Pflege und Begleitung nötig haben. Demgegenüber stünden zugleich immer weniger qualifizierte Fachkräfte, sagte der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Dieter Kaufmann, am Mittwoch in Stuttgart. „Innerhalb von zehn Jahren wird ein Drittel der Belegschaft ­ausgewechselt werden müssen“, erläuterte Kaufmann. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und vermehrt Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen, will die Diakonie verschiedene Projekte zur Personalentwicklung in Angriff nehmen.

Das neue Konzept soll dazu beitragen, die Kommunikationskultur zu verbessern, ein gutes Verhältnis zu den Vorgesetzten zu schaffen, außerdem soll es familienfreundliche Perspektiven für Frauen in der Diakonie bieten. „Der besondere Schwerpunkt liegt bei unserem Konzept nicht nur auf der physischen, sondern vor allem auf der psychischen Gesundheit unsere Mitarbeiter“, sagte der Vorstand der Stiftung Jugendhilfe aktiv, Ulrich Teufel.

Es gibt jetzt auch Seminare zur Stressbewältigung

So werden beispielsweise in mittlerweile mehr als 50 Einrichtungen der Diakonie Seminare zur Stressbewältigung, Rücken- und Fitnesskurse sowie Massagen am Arbeitsplatz angeboten. Ein weiteres Beispiel, wie Personalengpässe in der Pflege gelöst werden können, zeigt eine Einrichtung, die einen Springerdienst für Mitarbeiter eingerichtet hat. Wer freiwillig in einem anderen Bereich des Unternehmens aktiv werden möchte, kann rasch seinen Arbeitsbereich wechseln. Damit kann die Einrichtung flexibel auf Veränderungen reagieren, wenn keine Fachkräfte im nachgefragten Bereich vorhanden sind.

„Bis 2030 besteht ein Bedarf von 57 000 Fachkräften im Einzugsbereich der Diakonie Württemberg, dies hat für die Diakonie mit einem Marktanteil von 25 Prozent gravierende Auswirkungen“, sagte Kaufmann. Deshalb sei es wesentlich, die eigenen Arbeitskräfte durch neue Angebote weiterzuentwickeln sowie Studierenden der sozialen Arbeit durch Praktika Perspektiven aufzuzeigen.

Die Verstärkung durch ausländische Fachkräfte ist schwierig

Die bisher 40 000 Beschäftigten der Diakonie Württemberg mit ausländischen Fachkräften zu verstärken stellt sich allerdings als schwer dar. Das Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen in Deutschland verhindert eine schnelle und unkomplizierte Eingliederung der dringend erforderlichen Fachkräfte im Pflegebereich. Dies hat zur Folge, dass qualifizierte Pflegekräfte Hilfstätigkeiten verrichten müssen, weil ihr Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird. Gleichzeitig nimmt die Zahl der illegal in der Pflege tätigen Arbeitskräften stetig zu.

Dass sich die Maßnahmen der Diakonie positiv auswirken, hat eine Station erlebt, die eine Stellenanzeige mit dem Vermerk „Gesundes Arbeiten“ veröffentlichte. Überproportional mehr Interessenten als sonst meldeten sich auf die Stelle. Das Angebot mit Wellness- und Kommunikationskursen sowie Antistresstraining scheint somit bei den Bewerbern gut anzukommen. Trotz dieser attraktiven Rahmenbedingungen werden Bewerber aber immer noch durch ein anderes, probates Mittel auf die Diakonie Württemberg aufmerksam: die Hälfte aller Mitarbeiter wurde durch Mund-zu-Mund-Propaganda rekrutiert.

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