Welche Partei ist die größte?
Ungeachtet abstürzender Umfragewerte ist nach wie vor die SPD die mitgliederstärkste Partei in Deutschland. Aktuell gibt es 365 189 Sozialdemokraten mit Parteibuch. 2020 waren es noch mehr als 400 000. Die SPD hat seit 1990 fast zwei Drittel ihrer damaligen Mitglieder eingebüßt. Seinerzeit – als sie auf Bundesebene in der Opposition war – hatte sie noch fast eine Million Mitglieder.
Zuwachs verzeichnen nur die Grünen und vor allem die AfD. Bei den Grünen bezahlen aktuell 125 991 Personen Mitgliedsbeiträge. Die Zahlen stagnieren seit 2021, haben sich aber gegenüber 2010 (damals waren es 52 991 Mitglieder) mehr als verdoppelt. Die AfD gibt es erst seit 2013. Im Gründungsjahr hatte sie 17 687 Mitglieder. Von 2020 bis 2022 hat sie einige Tausend registrierte Anhänger verloren. Inzwischen sind es jedoch 39 596. Allein 2023 wuchs der Parteianhang um mehr als ein Drittel. Überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten verzeichnet die Rechtsaußen-Partei vor allem in Bundesländern, in denen sie bisher sehr schwach vertreten war: Saarland, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel. In Baden-Württemberg hat sie inzwischen fast 5000 Mitglieder.
Die CDU, hinter den Sozialdemokraten zweitstärkste Partei, hat aktuell 363 101 Mitglieder. 2010 waren es noch mehr als eine halbe Million. Gegenüber 1990 hat sie mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Die Mitgliederzahlen der CSU waren in den vergangenen zehn Jahren vergleichsweise stabil. Bei ihr zahlen 125 996 Menschen Beiträge, 2010 waren es noch mehr als 153 000.
Die FDP hat ihren Mitgliederstamm in den vergangenen Jahren stabilisiert. 2023 waren es knapp 72 000, gut 3000 mehr als 2010. Die Linke hat mit Abstand am meisten Attraktivität eingebüßt. Kurz nach der Wende hatte die damalige PDS noch mehr als 280 000 Mitglieder. 2010 waren es knapp 74 000. Mittlerweile halten noch gut 50 000 Leute der Partei die Treue.
Wo mangelt es an Nachwuchs?
Die beiden Unionsparteien und die Sozialdemokraten nähern sich dem Zustand einer Rentnerpartei. Bei der SPD liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder mittlerweile bei 62 Jahren. Die Mitglieder von CDU und CSU sind im Schnitt 61 Jahre alt. FDP und Grüne heben sich davon deutlich ab. In ihrer Mitgliedschaft beträgt das Durchschnittsalter 49 Jahre. Die Liberalen und die Linken haben den jüngsten Nachwuchs. Neumitglieder sind bei der FDP im Durchschnitt 35 Jahre alt, bei den Linken 34. Das Durchschnittsalter des linken Parteivolks sank von 60 im Jahr 2010 auf jetzt 52 Jahre. Für die AfD liegt es bei 55.
Wo gibt es Repräsentationslücken?
Frauen sind in der Parteienlandschaft notorisch unterrepräsentiert. Der Frauenanteil an den Mitgliedern sämtlicher im Bundestag vertretener Parteien liegt bei 29,8 Prozent. Er ist seit 1998 nur um 2,5 Prozentpunkte gestiegen. FDP (19,8 Prozent Frauen), AfD (20,1) und CSU (21,9) sind ausgesprochen männerdominierte Parteien. Bei den Liberalen sank der Frauenanteil gegenüber 1996 sogar um 5,2 Prozentpunkte. Die CDU hat hier auch Nachholbedarf. Angela Merkels Ägide hat da wenig bewirkt. Der Frauenanteil unter den Mitgliedern lag 2010 bei 25,6 Prozent, jetzt bei 26,5 Prozent. Am attraktivsten für Frauen sind offenbar die Grünen (42,5 Prozent), gefolgt von den Linken (37,5 Prozent). In beiden Parteien stagniert der Frauenanteil allerdings in den letzten Jahren. In den Reihen der SPD sind etwa ein Drittel der Genossen weiblich. Auch den Sozialdemokraten gelingt es jedoch nicht nennenswert, mehr Frauen zu gewinnen. Unter den Neumitgliedern sind ebenfalls zwei Drittel Männer.
Junge Menschen bis zu einem Alter von 20 Jahren sind in allen Parteien stark unterrepräsentiert – mit Ausnahme der Freien Demokraten. In der CDU sind nur 14,3 Prozent der Mitglieder unter 40 Jahre alt und 53,5 Prozent über 60. Unter den Sozialdemokraten mit Parteibuch sind 18,8 Prozent unter 40, aber 55,7 Prozent über 60. Die Grünen haben immerhin 36,9 Prozent Mitglieder, die jünger als 40 sind. Bei der FDP sind es fast 40 Prozent.
In der deutschen Bevölkerung sind Angehörige christlicher Konfessionen zwischenzeitlich in der Minderheit. Bei CDU (74,2 Prozent Katholiken und Protestanten) und CSU (87,4) sind sie unter den Parteimitgliedern aber noch deutlich überrepräsentiert.
Wie ist die Lage im Südwesten?
In Baden-Württemberg ist die CDU die mit Abstand stärkste Partei. Sie hat 52 409 Mitglieder im Land. Damit ist die Südwest-CDU nach Nordrhein-Westfalen der zweitstärkste Landesverband bei den Christdemokraten.
Die mitregierenden Grünen haben 16 600 Mitglieder im Land, rangieren unter den Landesverbänden auf Platz drei hinter NRW und Bayern. Die SPD hat 30 832 eingeschriebene Genossen im Südwesten. Die übrigen Oppositionsparteien liegen unter der Marke von 10 000 Mitgliedern.