Demonstration in Korntal Stiller Protest im Kerzenschein

Von  

Rund 80 Mitglieder der Christuskirchengemeinde demonstrieren gegen die dritte Pfarrstellenreduzierung in Folge. Vieles könne mit weniger Stellen in der Gemeindearbeit nicht mehr geleistet werden, sagen sie.

80 Menschen stehen schweigend im Kreis vor der erleuchteten Christuskirche: Protest gegen Stellenkürzung in Korntal. Foto: factum/Bach
80 Menschen stehen schweigend im Kreis vor der erleuchteten Christuskirche: Protest gegen Stellenkürzung in Korntal. Foto: factum/Bach

Korntal-Münchingen - Mit einem Lutherwort wird begonnen, mit dem Lied „Alle Völker lobet den Herrn“ auf Latein endet die Versammlung nach dem 20-Uhr-Glockenschlag. Knapp 80 Menschen aus Korntal haben sich am Dienstagabend auf dem Platz der Christuskirche zusammengefunden, um gegen die Reduzierung der Gemeindepfarrstellen zu protestieren. Beschlossen ist dazu zwar noch nichts – die Gemeindemitglieder gehen aber davon aus, dass ihre Pfarrstellen erneut reduziert werden sollen. Das wäre dann zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre. „Wir wollen öffentlich zeigen, dass uns die Härte trifft“, sagt die Kirchengemeinderätin Elke Richter. Und der Pfarrer Ulrich Wiedenroth ergänzt: „Wir kämpfen nicht gegen andere Kirchengemeinden oder den Bezirk. Das Handtuch ist insgesamt zu klein.“

Der „Stille Protest“ auf dem Kirchplatz ist tatsächlich still. Keine Plakate, keine Handzettel, keine Parolen. Ein paar der Menschen, die zehn Minuten lang ruhig im Kreis stehen und eine Kerze halten, haben einen Anstecker am Revers. Die Zahl 1,5 steht groß darauf. Sie ist das Synonym für die Zahl der Pfarrstellen, die in Korntal erhalten werden sollen.

Der nächste Plan läuft bis 2024

Das Ganze spielt sich innerhalb der sogenannten Pfarrpläne ab. Mit diesen legt die Evangelische Landeskirche Württemberg die Verteilung der Pfarrerstellen in den Kirchengemeinden in Sechsjahresrhythmen fest. Der nächste Plan läuft von 2019 bis 2024 – und sieht erneut Kürzungen gegenüber dem Ansatz vor, der bis Ende 2018 gilt. Der neue, von 2019 an gültige Plan, wurde im März von der Landessynode, dem Kirchenparlament in Württemberg, beschlossen. Danach muss der Kirchenbezirk Ditzingen, zu dem Korntal-Münchingen gehört, vier Stellen streichen.

Wie dies umgesetzt wird, ist Sache der Gremien vor Ort. Eines davon ist der „Pfarrplan-Sonderausschuss“ der Bezirkssynode. Er hat ausführlich beraten. Von den vier Stellen im Bezirk soll eine ganze Stelle in Korntal-Münchingen gestrichen werden: je eine halbe in der Christuskirchengemeinde und in Münchingen mit Kallenberg. 1,25 Stellen müssen die Gemeinden in Ditzingen kürzen, in Gerlingen ist es eine Dreiviertelstelle, im Bereich Markgröningen/Hemmingen eine weitere. „Wir müssen das tun“, sagt der Dekan Friedrich Zimmermann, „ ohne neue halbe oder Dreiviertelstellen zu schaffen.“

Jugendreferent ersetzt den Pfarrer nicht

In der Christusgemeinde wehrt man sich vor allem gegen die Vorschläge, weil mit nur noch einem Pfarrer vieles nicht mehr geleistet werden könnte. Denn die Gemeinde habe, so die Prognose der Landeskirche, 2024 mehr als 2600 Mitglieder – das ist ein Spitzenwert für eine ganze Pfarrstelle. Der Pfarrer käme dann nur noch dazu, das Allernotwendigste zu erledigen. Kinderkirche und Jugendarbeit, die heute von der zweiten Pfarrerin Bärbel Dörrfuss-Wiedenroth betreut werden, kämen zum Erliegen. Sie hat eine 75-Prozent-Stelle – die aber bereits nach dem Pfarrplan 2018 in einem Jahr auf 50 Prozent zu kürzen ist. Als Ersatz die Stelle des Jugendreferenten aufzustocken, so die Kirchengemeinderätin Elke Richter, helfe nicht wirklich.

Nach dem stillen Protest reden auf dem Kirchplatz noch viele Menschen miteinander. „Es müssen Angebote wegfallen“, sagt ein Mann. Eine Frau meint „wir bekommen katholische Verhältnisse“. Drei jugendliche Mitarbeiter haben beim stillen Protest neue Erfahrungen gemacht. Ein „schönes Gefühl“ hat Matthias gespürt, Elke fand „die Gemeinschaft berührend“ und Lukas hat „die Ruhe beeindruckt“. Nächsten Dienstag wollen sie sich alle wieder treffen. „2012 hatten wir noch zwei ganze Pfarrstellen“, meint Elke Richter. Spätestens 2024 soll es nur noch eine sein. „Wir werden überproportional gekürzt“, sagt Ulrich Wiedenroth – und betont: „Uns geht es nicht um persönliche Fragen.“