Rechtes Treffen beim Krauthof Ludwigsburg Prominente Rechtsradikale angekündigt

Von und Sven Ullenbruch 

Der Chefredakteur des rechtsextremen Magazins „Compact“, Jürgen Elsässer, und der Ex-Bassist der Neonazi-Band Noie Werte, Oliver Hilburger, wollen sich im Ludwigsburger Kraufhof treffen. Der Inhaber erklärt, die Veranstaltung am Sonntag, 10. September, sei abgesagt – das wird aber bezweifelt.

Linke Demonstranten vor dem Gasthof Krauthof: Dieses Bild von einer Tagung des rechten AfD-Flügels aus dem vorigen Jahr  könnte sich am Sonntag wiederholen. Foto: factum/Weise
Linke Demonstranten vor dem Gasthof Krauthof: Dieses Bild von einer Tagung des rechten AfD-Flügels aus dem vorigen Jahr könnte sich am Sonntag wiederholen. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Im vergangenen Jahr ist das Hotel-Restaurant Krauthof in Ludwigsburg der Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen gewesen: Die rechtsextremen „Reichsbürger“ hielten dort Seminare ab, der rechte Flügel der AfD traf sich zur Strategiebesprechung, linke Gruppen haben demonstriert. Nun ist für Sonntag erneut ein rechtes Treffen geplant.

Angemeldet ist eine Veranstaltung des sogenannten Zentrums Automobil – eine Arbeitnehmergruppe um den umstrittenen Daimler-Betriebsrat Oliver Hilburger. Auch der Chefredakteur des rechtsradikalen Magazins „Compact“, Jürgen Elsässer, hat sich angekündigt sowie zunächst der Stuttgarter AfD-Bundestagskandidat Dirk Spaniel. Dieser hat sich aber nachträglich aus der Einladung streichen lassen.

Verwirrung um Termin: abgesagt oder nicht?

Am Freitag hat der Krauthof-Inhaber Peter Kraut laut eigener Aussage Bedenken bekommen, als er von der Polizei und Medienvertretern angerufen und auf die prominenten Rechtsradikalen angesprochen wurde. „Ich habe die Veranstaltung abgesagt“, erklärt er schließlich, „wer am Sonntag kommt, erhält Hausverbot.“ Er habe nicht gewusst, wer hinter der Anmeldung stehe. Bei den angekündigten Gegendemonstranten des Bündnisses Mut gegen rechts ist man skeptisch, ob die Veranstaltung tatsächlich gestrichen ist. „Das wurde in der Vergangenheit schon oft erklärt und war falsch“, sagt der Stadtrat Oliver Kube (Ökolinx). Eine Anfrage bei der „Compact“-Zentrale in Brandenburg blieb unbeantwortet, auf der Homepage stand der Termin noch. Der Verein Zentrum Automobil erklärt: „Die Veranstaltung findet statt, jedoch an einer anderweitigen Örtlichkeit.“ Die Polizei wird auf jeden Fall präsent sein am Sonntag. „Selbst wenn die Veranstaltung abgesagt wurde, ist nicht sicher, dass diese Nachricht alle Teilnehmer erreicht“, sagt eine Sprecherin. Zudem sei mit linken Kundgebungen zu rechnen.

Wer steckt hinter dem Zentrum Automobil? „Veränderung beginnt mit Opposition“, verkündet der eingetragene Verein auf seiner Homepage. Im Widerspruch sieht sich die 2009 von Daimler-Beschäftigten gegründete Gruppe vor allem zu den Gewerkschaften. Tatsächlich gelang es dem Zentrum Automobil wiederholt, mit markigen Parolen bei einem Teil der Beschäftigten im Untertürkheimer Daimler-Werk zu punkten. Zuletzt zogen vor drei Jahren sogar vier Vertreter des Vereins in den Betriebsrat des Unternehmens ein.

Rechte Gruppe im Daimler-Betriebsrat

Darunter auch Oliver Hilburger, der für die Veranstaltung im Krauthof als Redner angekündigt ist. Der 47-Jährige aus Althütte im Rems-Murr-Kreis war über Jahre hinweg Mitglied der 1987 gegründeten Stuttgarter Neonazi-Band Noie Werte. Die Skinhead-Truppe galt als eines der erfolgreichsten Musikprojekte der deutschsprachigen rechts­extremen Szene. Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) unterlegte die Version eines Bekennervideos mit zwei Liedern der Band. Noch vor der Auflösung im Jahr 2010 hat Hilburger die Band allerdings verlassen.

Trotzdem musste er vor einigen Jahren seine Betriebsratsarbeit für die Christliche Gewerkschaft Metall (CMG) aufgeben, nachdem über sein Engagement bei den Noien Werten berichtet worden war. Auch einen Posten als ehrenamtlicher Richter am Stuttgarter Arbeitsgericht verlor der nebenberufliche Heilpraktiker.

„Compact“ sieht sich als Gegenpol zur Lügenpresse

Wie sich Zentrum Automobil als Gegenentwurf zu den Gewerkschaften sieht, versteht sich „Compact“ als Alternative zur verhassten „Lügenpresse“. Der „Compact“-Chefredakteur Jürgen Elsässer kommt ursprünglich aus der linken Szene und war in den 1980er Jahren Mitglied des Kommunistischen Bundes. Heute warnt er vor dem „schleichenden Austausch der deutschen Bevölkerung“. Auf Konferenzen des Magazins bietet Elsässer Pegida-Aktivisten und der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen Identitären Bewegung ein Podium. Dass für die Veranstaltung im Ludwigsburger Krauthof zunächst der AfD-Bundestagskandidat Dirk Spaniel angekündigt war, passt zu den Allianzen, die sich in den vergangenen Monaten um „Compact“ gebildet haben.

Erst Mitte August erntete Elsässer frenetischen Applaus, als er bei einer „Russlandkonferenz“ der AfD in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) die Bühne betrat. Und wenige Tage später trat Elsässer auf einer vom AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple initiierten Kundgebung in Offenburg als gefeierter Redner auf.