Demos am Samstag in Stuttgart Bilder, an die man sich nicht gewöhnen will

„Der Störtrupp“ und „Unitas Germanica“ zeigen unverhohlen ihre Banner. Foto: red/Florian Dürr

Die Demonstrationen am Samstag haben einige unschöne Erkenntnisse gebracht. Vor allem einer Entwicklung muss sich die Stadtgesellschaft geschlossen entgegenstellen – und zwar friedfertig, meint unsere Polizeireporterin Christine Bilger.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Es war unschön, was man am Samstag in Stuttgart sehen konnte bei der Demo der Gruppen aus dem „Querdenker“-Umfeld auf der einen, den linken Gegendemos auf der anderen Seite.

 

Zuerst sind da die Veranstalter der Demo, die „Gemeinsam für Deutschland“ überschrieben war. Gegen die Unterstützung der Ukraine und für flächendeckende Grenzkontrollen sei man, aber nicht politisch. Das wird schnell unglaubwürdig: Wenn ausrangierte AfD-Wahlplakate geschwenkt werden, vor allem aber, wenn man die Augen davor verschließt, dass rechtsextremistische, vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppen mitlaufen. Man muss sich auch danach beurteilen lassen, wen man anlockt.

Protest gegen den Rechtsruck ist wichtig. red/ /Christoph Müller

Dann ist da die Gegenseite. Gegen Rechts demonstrieren ist wichtig, schützt unsere Demokratie und unsere Gesellschaft. So weit so richtig. Leider hat die Demo nicht den Charakter gehabt der Kundgebungen aus dem vergangenen Jahr, als Menschen jeden Alters und unterschiedlicher politischer Couleur zusammenstanden. Im Vorfeld hörte man nun oft: „Das ist mir zu gefährlich.“ Und gemeint waren nicht nur die rechten Gruppen, sondern auch diejenigen in den Reihen der Antifa, die die Polizei stressen und angreifen. Ärgerlich, denn das schmälert die Bewegung, die wir angesichts des Rechtsrucks in Europa dringend brauchen.

Der größte Schreck, den die Demos einem jedoch versetzt haben, ist der Anblick der rechtsextremen Gruppen. Das hat man hier in der Massivität lange nicht gesehen, und das muss mehr Menschen aufschrecken als die 2500 Teilnehmenden der Gegendemos. Denn daran will sich im offenen und bunten Stuttgart niemand gewöhnen müssen.

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