Denkendorf Mammutaufgabe Klimaschutz – „Es geht nicht darum, das Auto zu verbieten“

Interkommunale Klimaschutzmanagerin Stefanie Krüger Foto: urh

Seit gut einem Jahr ist Stefanie Krüger Klimaschutzmanagerin der Gemeinden Denkendorf und Neuhausen. Nun hat sie für Denkendorf ein Klimalogbuch vorgelegt.

Für ihren ersten Bericht hat Stefanie Krüger ein Bild aus der Seefahrt gewählt. Dort stehe ein Logbuch sinnbildlich für das Festhalten einer Reise mit allen ihren Etappen, Herausforderungen, Kursänderungen und Erfolgen, erklärt die interkommunale Klimaschutzmanagerin der Gemeinden Denkendorf und Neuhausen. Doch das Klimalogbuch soll nicht nur eine Dokumentation des bestehenden Angebots, laufender Projekte oder bereits umgesetzter Maßnahmen sein, sondern auch einen Blick in die Zukunft werfen und neue Vorhaben anstoßen.

 

Dabei konzentriere sich das Logbuch, anders als der bisherige kommunale Umweltschutzbericht, rein auf Themen, die das Klima beeinflussen, erklärt Krüger. „Ich möchte in kurzen Berichten zu den verschiedenen Schwerpunktthemen aufzeigen, was sich tut, welches unsere Leitgedanken sind und welche Ziele wir haben.“ Vier Schwerpunkte nennt das Logbuch: Strukturelle Verankerung des Klimaschutzes, der als Querschnittsaufgabe verstanden werden müsse, Mobilität, Energie sowie Nachhaltigkeit und Suffizienz – also bewusste, sparsame Ressourcennutzung.

Die Jugendlichen in Denkendorf sollen Nachhaltigkeit weitertragen

In Denkendorf sei man beim Thema Klimaschutz schon sehr weit, stellt Krüger der Gemeinde ein gutes Zeugnis aus. An bestehende Projekte oder Strukturen will sie anknüpfen. Sie betont aber auch, dass Klimaschutz eine dauerhafte Aufgabe der Gemeindeentwicklung sein müsse.

Beim Thema „strukturelle Verankerung“ geht es Krüger darum, möglichst viele Kooperationspartner – Vereine, Organisationen, Bildungseinrichtungen aber auch die Verwaltung – zu vernetzen. Krüger setzt auf Multiplikatoren, um das Thema in der Öffentlichkeit zu verankern. So könne etwa die Radlergruppe, die am Generationentreff angedockt ist, für diese nachhaltige Mobilitätsform werben. Gute Multiplikatoren sieht sie auch in Kindern und Jugendlichen. Bildungsprojekte in Kitas und Schulen stehen deshalb auf ihrem Plan. Auch hier gebe es in Denkendorf bereits gute Ansätze, wie die Schulgärten. „Kooperation statt Einzelaktion ist der zentrale Grundsatz“, erklärt sie. So hat die Klimaschutzmanagerin mit dem Familienzentrum St. Martin eine Veranstaltung mit Eltern organisiert, in der es um nachhaltige Weihnachten ging.

Gemeinde Denkendorf soll ein Vorbild in Sachen Wärmeversorgung sein

Bei der nachhaltigen Mobilität habe Denkendorf mit Bürgerbus, Carsharing, Fahrradstreifen und -abstellmöglichkeiten oder E-Ladesäulen schon viel vorzuweisen, auf dem man aufbauen könne. „Es geht nicht darum, das Auto zu verbieten, sondern aufzuzeigen, wie wir Wege im Alltag klimafreundlich bewältigen können.“ Das jüngst mit einem Rekord an Teilnehmenden zu Ende gegangene Stadtradeln sei ein gutes Beispiel. Beim Thema Energie steht laut Krüger die Frage im Mittelpunkt, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen kann. Hier könne die Gemeinde, die selbst etliche Gebäude besitzt, Vorbild sein, indem sie diese energetisch saniert oder mit Photovoltaikanlagen ausstattet. Die kommunale Wärmeplanung sowie eine PV-Bündelaktion und die Ausbildung ehrenamtlicher Bürger-PV-Berater seien weitere Bausteine. Zugleich solle die Kommune Ansprechpartnerin sein für Bürgerinnen und Bürger, die sich über energetische Sanierungen informieren wollen, und sie bei der Umsetzung unterstützen.

Dass weniger auch mehr sein kann, beschreibt die Klimaschutzmanagerin im Kapitel, in dem es um Nachhaltigkeit und Suffizienz geht. Dies bedeute, sich bewusst zu machen, wie man mit den verfügbaren Ressourcen umgehe, und sich an der Frage zu orientieren, was ausreichend ist und was man wirklich brauche oder vielleicht auch gemeinsam mit anderen nutzen könne, erklärt Krüger. Die Nutzung von Recyclingpapier in der Verwaltung, aber auch das Recycling von Druckerpatronen, Akkus oder Batterien – auch der E-Zigaretten, nennt sie als Beispiele.

Denkendorfer Bürger sollen für Klimaschutz sensibilisiert werden

Klimaschutz funktioniere nicht mit dem erhobenen Zeigefinger oder durch Krisenszenarien, sondern indem man die Bürger für das Thema sensibilisiere und Lösungen aufzeige, die für den Einzelnen funktionierten, ist Stefanie Krüger überzeugt.

Dass der Klimawandel auch bei uns angekommen sei, zeige die jüngste Hitzewelle. Die Kommune könne den zunehmenden Temperaturanstieg bei der Planung oder Umgestaltung von Straßen oder Plätzen berücksichtigen, indem sie mehr schattenspendende Bäume pflanze. Auch die naturnahe Umgestaltung von Flächen mit mehrjährigen Pflanzen, deren Blüten Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten, sei eine wirksame Maßnahme zum Klimaschutz.

Krüger ist es wichtig, die Gefährdung des Menschen durch den Klimawandel nicht aus den Augen zu verlieren: „Klimaschutz ist Menschenschutz. Was wir tun, dient den Menschen. Dem Klima ist es egal, wenn es wärmer wird.“

Ein Job in zwei Gemeinden

Interkommunale Zusammenarbeit
Stefanie Krüger teilt ihre Arbeitszeit zu gleichen Teilen auf die Gemeinden Denkendorf und Neuhausen auf und hat auch in beiden Rathäusern einen Arbeitsplatz. Von der interkommunalen Zusammenarbeit verspricht sie sich Synergieeffekte. Gefördert wird ihre Stelle vom Bundeswirtschaftsministerium und der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Klimaschutzprojekte
Schon seit Jahren lädt Denkendorf Bürgerinnen und Bürger ein, sich an Klimaschutzprojekten zu beteiligen. Dazu gehören das Stadtradeln, die Earth Hour oder Handysammelaktionen.

PV-Bündelaktion
Zudem startet im Herbst eine Photovoltaik-Bündelaktion gemeinsam mit der Gemeinde Neuhausen. Sie ermöglicht Interessierten, sich zusammenzuschließen und Photovoltaikanlagen gebündelt zu bestellen und montieren zu lassen.

Tipps für Hausbesitzer
Die Modernisierung und Sanierung von Gebäuden birgt laut der Klimaschutzmanagerin viel Potenzial für den Klimaschutz. Eigentümer können sich auf der Internetseite: www.zukunftaltbau.de über energetische Gebäudesanierung informieren. Das Programm wird vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert.

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