Denkingen (Kreis Tuttlingen) Bürgermeisterwahl mit vielen lieben Helfern

Von Wolfgang Messner 

Zum fünften Mal ist Rudolf Wuhrer zum Bürgermeister von Denkingen (Kreis Tuttlingen) gewählt worden. Dieses Mal aber wird die Wahl angefochten. Es soll Manipulation im Vorfeld und bei der Auszählung der Stimmen gekommen sein.

Freude über eine  Wiederwahl sieht anders aus:  Bürgermeister Rudolf Wuhrer (Mitte) mit Ehefrau Monika und dem Wahlausschussvorsitzendem Jürgen Thieringer. Foto: Braungart
Freude über eine Wiederwahl sieht anders aus: Bürgermeister Rudolf Wuhrer (Mitte) mit Ehefrau Monika und dem Wahlausschussvorsitzendem Jürgen Thieringer. Foto: Braungart

Denkingen - Die Wahl von Rudolf Wuhrer zum Bürgermeister von Denkingen (Kreis Tuttlingen) muss möglicherweise wiederholt werden. Mitglieder des Gemeinderates, die auch im Wahlausschuss tätig waren, haben die Wahl vom 28. Juni förmlich angefochten. Der Lokalmatador Wuhrer hatte die Wahl nur knapp mit 52,5 Prozent der Stimmen gegen Manuela Raichle, eine 40-jährige Diplom-Verwaltungswirtin aus Eislingen/Fils (Kreis Göppingen) gewonnen. Die bis dato bei der Stadt Esslingen beschäftigte Herausforderin war auf 47,4Prozent der Wählerstimmen gekommen.

Bei der Wahl von Wuhrer, der zum fünften Mal in seinem Amt bestätigt worden war, soll es bei der Stimmenauszählung zu Manipulationen gekommen sein, heißt es in dem Einspruch, den die drei Gemeinderäte der Liste „Bürger für Denkingen“ beim Landratsamt Tuttlingen eingereicht haben. Ferner soll es unzulässige Wahlunterstützung von Mitgliedern sowohl des Wahlausschusses als auch des Wahlvorstandes gegeben haben.

Das Landratsamt Tuttlingen prüft seit einer Woche den Vorgang. Man befinde sich im Stadium der Wahlanfechtung, teilte die Behörde mit. „Sollte der Einspruch erfolgreich sein, muss Denkingen noch einmal wählen“, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Eine Annullierung der Wahl erscheint nicht ausgeschlossen, sollten sich die Vorwürfe, die die drei Gemeinderäte zusammengetragen haben, als stichhaltig erweisen.

Erst lag Raichle vorn, danach Wuhrer

Die drei „Bürger für Denkingen“, die selbst als Wahlhelfer verpflichtet und mit dem Auszählen der Stimmen beschäftigt waren, hatten beobachtet, dass nach der Auszählung der Briefwahl die Kandidatin Raichle vorne lag. Wahlhelfer, die sich im Wahlkampf als Unterstützer von Wuhrer zu erkennen gegeben hatten, hätten erst abgewartet, wie die Auszählung bei den „Bürgern für Denkingen“ ausgegangen sei.

Da habe Raichle noch vorne gelegen. Am Ende siegte Wuhrer mit 684 Stimmen vor Raichle, die auf 617 Stimmen kam. Eine zweite Auszählung fand nicht statt, obwohl das in der Gemeindeordnung empfohlen wird. Statt dessen sei das Endergebnis verkündet worden. Die Kandidatin Manuela Raichle sagt vieldeutig, es wäre „nicht das erste Mal, dass die Stimmen nicht mit dem Wählerverzeichnis übereinstimmen würden.“

Schon vor dem Wahltag hatten zahlreiche Wahlhelfer den Kandidaten Wuhrer nach Kräften unterstützt. Etwa in dessen Flyer („Wählen zählt“), der an alle Haushalte in der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde verteilt worden war. Ein Gemeinderat und späterer Stimmenauszähler preist Wuhrer wie folgt an: „Er hat durch seinen Weitblick bereits viel erreicht, hat aber auch noch einiges vor.“ Ein anderer Wahlhelfer, Geschäftsführer des örtlichen Vereins für Nachbarschaftshilfe, lässt verlauten: „Herr Bürgermeister Wuhrer ist ein hervorragender Verwaltungsfachmann, weitsichtig und kompetent.“

Wahlanfechtern mit Anzeige wegen „Verleumdung“ gedroht

Als oberster aller Wuhrer-Freunde rührte der Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, Jürgen Thieringer, kräftig die Trommel. Der Polizeibeamte ist einer der besten Freunde Wuhrers und hält mit seiner Sympathie nicht hinter dem Berg: „Er hat Denkingen zur Vorzeigegemeinde gemacht“, rühmt Thieringer als selbst ernannter „Vereinssprecher“ den Schultes. Zuvor hatte er in E-Mails noch Stimmung für den Amtsinhaber gemacht, der so sehr um seine Wiederwahl bangte.

Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung wollten sich weder Thieringer noch Wuhrer äußern. Er werde dies nur gegenüber der Kommunalaufsicht tun, teilte Wuhrer mit. Da der Vorwurf der Wahlfälschung im Raum stehe, würden Mitglieder des Gemeindewahlausschusses „Strafanzeige wegen Verleumdung bei der Staatsanwaltschaft stellen“.

Inzwischen hat eine zweite Auszählung der Stimmen unter Aufsicht des Landratsamtes stattgefunden. Der Wahlausschussvorsitzende Thieringer hatte sie betragt. Die Auszählung ergab eine weitere Stimme für Rudolf Wuhrer .